Beim Wirtschaftsforum der RBW ging es um das Thema Familienfreundlichkeit in Unternehmen

 

Familienfreundlichkeit im Unternehmen – muss das sein? Und wenn ja: Wie lässt sich das umsetzen? Antworten auf diese und andere Fragen gab die RBW im Rahmen eines Wirtschaftsforums am 12. Mai im Kardinal Schulte Haus in Bergisch Gladbach. 

Der Rheinisch-Bergische Kreis hat das Thema Familienfreundlichkeit auf die Agenda gesetzt. Die RBW übernimmt dabei die Unterstützung der Unternehmen auf ihrem Weg zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Denn familienbewusste Arbeitgeber verzeichnen gegenüber Arbeitgebern mit einem geringen Familienbewusstsein deutlich bessere Kennzahlen: Die Fehlzeiten- und die Krankheitsquote der Mitarbeiter sind deutlich geringer, die Motivation und die Produktivität der Beschäftigten steigen hingegen sichtbar an. Nicht zuletzt spielen das Image des Unternehmens und dessen Angebote an die Mitarbeiter bei der Suche nach Fachkräften eine immer größere Rolle.

Besonders bei Personalverantwortlichen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis weckte das Thema des RBW-Wirtschaftsforums großes Interesse: Das Podium dikutierte das Thema Familienfreundlichkeit in Unternehmen.

Besonders bei Personalverantwortlichen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis weckte das Thema des RBW-Wirtschaftsforums großes Interesse: Das Podium dikutierte das Thema Familienfreundlichkeit in Unternehmen.

„Wir haben im Kreis bereits sehr gute Beispiele für familienfreundliches Handeln und ich bin mir sicher, dass viele Unternehmen ganz individuelle Lösungen für ihre Mitarbeiter anbieten“, sagt Volker Suermann, Geschäftsführer der RBW. „Aber wir müssen das Thema noch mehr in das Bewusstsein rücken“. Darum das Wirtschaftsforum, zum dem die RBW die Unternehmen des Kreises eingeladen hatte. Es geht nicht nur um die ganz großen Lösungen wie Betriebskindergärten, aber eben auch um mehr als die Teilzeitstelle zum Wiedereinstieg, so Suermann weiter. Die Bandbreite der Möglichkeiten sei groß – und das wolle man aufzeigen.

 

Oliver Schmitz, berufundfamilie Service GmbH

Oliver Schmitz,
berufundfamilie Service GmbH

„Betriebswirtschaftliche Effekte für familienfreundliche Arbeitgeber“

Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH, hielt den Eingangsvortrag unter dem Titel „Lebensphasenorientierte Personalpolitik als Schlüssel zur Arbeitgeberattraktivität“. Er legte dar, dass es bei den unterschiedlichen Generationen, die unter einem Dach zusammenarbeiten, ganz unterschiedliche Werte gebe. Schmitz stellte zudem die Ergebnisse einer 2014 von der berufundfamilie Service GmbH durchgeführten Befragung vor: Demnach wollen sich 67 Prozent der Befragten sowohl beruflich entwickeln als auch genügend Zeit für Familie und Privatleben haben. Wichtig dabei: Flexibilität bei Arbeitszeit und -ort. Dass sich dadurch auch betriebswirtschaftliche Effekte ergeben, zeigt eine Studie des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik, für die besonders familienfreundliche Unternehmen und weniger familienfreundliche Arbeitgeber gegenübergestellt wurden. Besonders groß sind die Unterschiede in den Bereichen Fluktuation, Fehlzeiten- und Krankheitsquote. Hier liegen die familienfreundlichen Firmen klar vorn. Aber auch bei Mitarbeitendenmotivation und -produktivität sind Effekte erkennbar.

 

Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke, Rheinisch-Bergischer Kreis

Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke,
Rheinisch-Bergischer Kreis

„Die Unternehmen sollten sich vernetzen. Gemeinsam sind sie stärker.“

Auf dem Podium diskutierten anschließend neben Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke die stellvertretende Leiterin Personalwesen der Overather Soennecken eG, Elke Nentwich, und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Wermelskirchener STEINCO Paul vom Stein GmbH, Stephan Kastner, die Chancen, Möglichkeiten und Anforderungen der Familienfreundlichkeit. Prof. Albena Neschen von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach gab ihren Input von der wissenschaftlichen Seite.

Tebroke erläuterte zunächst, warum das Thema Familienfreundlichkeit seit dem vergangenen Jahr einen wichtigen Part im Strategieprozess RBK 2020 einnimmt. „Wir sind im Wettbewerb der Regionen“, so Tebroke. „Wir wollen das erhalten und betonen, was den Kreis auszeichnet.“ Der Kreis sei beispielsweise landesweit führend bei der U3- und Ü3-Betreuung.

 

Elke Nentwich, Soennecken eG

Elke Nentwich,
Soennecken eG

„Mitarbeiter wollen eine verlässliche Kinderbetreuung.“

Die Soennecken eG beschäftigt rund 400 Mitarbeiter, etwa 340 davon am Standort Overath. Immer wieder äußerten Mitarbeiter den Wunsch nach einer verlässlichen Kinderbetreuung. Nachdem die gesetzlichen Bedingungen gelockert wurden, wurde 2014 eine Betreuung nach dem Kindertagespflege-Modell eingerichtet. Das Jugendamt hat uns dabei sehr unterstützt“, lobte Elke Nentwich. Während die Plätze im ersten Jahr noch an Externe vergeben wurden, werden künftig fünf Mitarbeiter-Kinder bei den „Aggerpiraten“ sein. Dazu gibt es einen Notplatz für Kinder von Soennecken-Beschäftigten. Einen positiven Effekt kann die Personalabteilung schon jetzt verzeichnen: „Die Mütter bzw. Väter kehren nach der Geburt schneller zurück an den Arbeitsplatz“, berichtete Elke Nentwich.

Stephan Kastner, STEINCO Paul vom Stein GmbH

Stephan Kastner,
STEINCO Paul vom Stein GmbH

„Die Pflege von Angehörigen ist kein Tabuthema mehr.“

Stephan Kastner stellte die Zusammenarbeit der STEINCO Paul vom Stein GmbH mit der Diakoniestation Wermelskirchen vor. „Dadurch ist die Offenheit im Unternehmen gewachsen“, sagte Kastner. „War es früher fast schon ein Tabuthema, wenn es um die Pflege von nahen Angehörigen ging, wissen die Mitarbeiter heute, dass sie das Thema offen ansprechen können und wir gemeinsam einen Weg suchen.“ Tebroke ergänzte: „So etwas ist ganz wichtig, denn die besten Angebote bleiben nutzlos, wenn sich die Mitarbeiter nicht trauen, sie anzunehmen, weil sie negative Reaktionen von Kollegen und/oder Vorgesetzten fürchten.“ Es sei wichtig, eine Unternehmenskultur zu etablieren, die nicht nur auf dem Papier existiere, sondern real funktioniere.

Prof. Albena Neschen, FHDW

Prof. Albena Neschen,
FHDW

„Wo bleiben die Frauen in Führungspositionen?“

Prof. Albena Neschen beschäftigt sich in ihrer Forschung unter anderem mit der unterschiedlichen Behandlung von Frauen und Männern in der Wirtschaft. „Warum haben wir 50 Prozent weibliche Absolventen, aber so wenig weibliche Führungskräfte?“, fragte Neschen in die Runde. „Wo bleiben die Frauen?“ Die Wissenschaftlerin meint: „Stereotypen helfen uns im Alltag, schnell Entscheidungen treffen zu können. Sie können aber auch zu Fehlentscheidungen führen.“ Ein Beispiel seien Bewerbungsverfahren: „Ökonomisch effizient ist es, offene Stellen nach Leistung zu besetzen – ohne auf das Geschlecht zu achten. In der Praxis sieht es anders aus“, weiß Neschen. Ihr Rat: anonymisierte Bewerbungsverfahren, bei denen nur die Qualifikationen verglichen werden.

Solch anonymisierte Verfahren gibt es bei der STEINCO Paul vom Stein GmbH bereits – eine Frau in der oberen Führungsetage jedoch nicht. „Es mangelt an Bewerbungen“, bedauerte Kastner. „Ich hätte gerne eine Frau in der Runde, allein schon, weil sich dadurch die Gesprächskultur verbessern würde.“

Silke Ratte von der RBW moderierte das Wirtschaftsforum

Silke Ratte von der RBW moderierte das Wirtschaftsforum

„Was entgegnen Sie Unternehmern, die sagen, sie hätten keine Zeit und kein Geld, um familienfreundlicher zu werden?“  Auf diese abschließende Frage von Moderatorin Silke Ratte (RBW) herrschte Einigkeit: „Dass das sehr kurzfristig gedacht ist“, so Kastner. „Wir stehen im Wettbewerb um Mitarbeiter und wir können nur dann erfolgreich sein, wenn wir die richtigen Mitarbeiter an uns binden.“ Elke Nentwich wies darauf hin, dass man Familie und Beruf nicht getrennt voneinander betrachten könne und Landrat Hermann-Josef Tebroke formulierte es noch einmal plakativ: „Wenn Sie jetzt nichts tun, werden Sie in Zukunft die Konsequenzen brutal erleben.“ Er riet: „Tauschen Sie sich mit anderen Unternehmen aus. Gemeinsam sind Sie stärker. Außerdem können Sie natürlich die zahlreichen Angebote der RBW auf diesem Gebiet in Anspruch nehmen.“

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