Die Heider Druck GmbH und die Joh. Heider Verlag GmbH haben Verwaltungsstruktur und Maschinenpark in Bergisch Gladbach modernisiert

Sonntag, 19.30 Uhr. Vor wenigen Minuten wurde die Bundesligapartie der „Fohlen“ gegen die Bayern abgepfiffen. Und während im Borussia-Park in Mönchengladbach langsam Ruhe einkehrt, wird es in Bergisch Gladbach hektisch. Denn seit Januar 2012 wird die westdeutsche Ausgabe des Sportmagazins „Kicker“ bei Heider Druck in Bergisch Gladbach gedruckt und expediert. Der farbige Tiefdruck-Mantel, der bundesweit für alle Teil­ausgaben identisch ist, wurde bereits im Laufe des Nachmittags an der Paffrather Straße angeliefert. Um 20.08 Uhr werden aus der Nürnberger Kicker-Redaktion via FTP-Server die redigierten Seiten für den schwarz-weißen Innenteil übertragen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Papierbahnen bereits eingezogen, die Farbwerke befüllt. Die ersten Druckplatten werden auf die Zylinder gespannt. Nach einer letzten Korrektur erfolgt um 20.28 Uhr die Druckfreigabe. Die Rotation auf Druckturm 1 und 2 läuft an. Auch die anderen beiden Drucktürme laufen auf Hochtouren: Dort wird – wie jeden Abend – die Düsseldorf-Ausgabe der Boulevardzeitung „EXPRESS“ gedruckt. Aber zurück zum „Kicker“: Bereits zwei Minuten nach Druckbeginn werden die ersten Exemplare vollautomatisch unter der Hallendecke zur Einsteckmaschine transportiert. Schon um 20.50 Uhr verlässt der erste Lkw den Hof – Richtung Bielefeld. Danach starten im 15-Minuten-Takt Lastwagen in alle Himmelsrichtungen, bis um 23.35 Uhr Produktionsende ist.

Abgehängte Paneele an der Decke sorgen für indirektes Licht und – in Verbindung mit weichem Teppichboden – für ein angenehm ruhiges Raumklima

„Kicker“ und „EXPRESS“ sind nur zwei Print-Produkte, die an der Paffrather Straße in Bergisch Gladbach gedruckt werden. Ein weiterer Schwerpunkt sind die verschiedenen Kunden- und Mitgliedermagazine, die auf zwei modernen Fünffarb-Bogendruckmaschinen entstehen (übrigens auch die punkt.RBW) und zuvor teilweise von Heider geplant und layoutet werden. Auch die bundesweite Anzeigenakquise übernimmt Heider, wenn der Kunde dies wünscht.

Die Druckerei Heider ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein 128 Jahre altes Familienunternehmen Traditionen bewahrt (nicht nur durch die alten Maschinen im „Firmen-Museum“), aber immer mit der Zeit geht und sich aktuellen Entwicklungen in der Druck- und Verlagsbranche anpasst. „Starke Automatisierung und starke Prozesskonzentration“, so fasst Hans-Martin Heider, der das Unternehmen mit seinen Brüdern Roberto (Mitgeschäftsführer) und Guido (Betriebsleiter) führt, die jüngsten Entwicklungen zusammen. Wo noch vor 20 Jahren vier Druckmaschinen standen, stehen heute zwei, die aber leistungsfähiger sind. „Früher hatte jede Maschine ihren eigenen Maschinenführer“, erinnert sich Heider. Heute können die Mitarbeiter in zwei bis drei Schichten flexibel eingesetzt werden. „Jeder kennt jede Maschine“, so der Geschäftsführer, der insgesamt 80 Mitarbeiter beschäftigt.

„Architektur ist dann gelungen, wenn sie zweckmäßig und ­komfortabel für die ­Mitarbeiter zugleich ist.“ Hans-Martin Heider, Heider Druck

Auch die Veränderungen im Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt sind spürbar: „Die Auflagen sind geringer geworden“, so Heider, der Urenkel des Firmengründers. „Bei kleineren Margen benötigen wir mehr Aufträge.“ Um diese Aufträge konkurrieren jedoch immer mehr Druckereien, die mitunter  im Internet Dumpingpreise anbieten. „Wir hingegen können mit Verlässlichkeit und Flexibilität punkten“, sagt Heider. „Und natürlich mit kompetenter persönlicher Beratung; jeder Kunde hat seinen festen Ansprechpartner bei uns im Haus.“ Dieser kenne Bedürfnisse und Anforderungen genau, erklärt Heider, der stolz darauf ist, dass Aufträge wie das „Bundessteuerblatt“ und die Henkel-Mitarbeiterzeitung seit den 1960er-Jahren – noch von seinem Vater und Großvater akquiriert – in Bergisch Gladbach gedruckt werden.

1889 im Bergisch Gladbacher Stadtzentrum gegründet, wo damals im eigenen Verlag das „Volksblatt für Bergisch Gladbach und Umgegend“ produziert wurde, ist Heider seit 1957 an der Paffrather Straße ansässig. „Im Laufe der Zeit ist das Unternehmen gewachsen“, so Heider. Immer wieder wurde angebaut. Zuletzt wurde 2015 eine neue Halle gebaut, in der sich eine eigens für das Haus entwickelte Beilagen-Einsteckmaschine, kombiniert mit einer Produktpersonalisierungslinie, sowie ein Hochregallager befinden. „2016 haben wir die über die Jahre gewachsenen Verwaltungsstrukturen bewusst durchbrochen und neu sortiert“, spricht Heider über die jüngste Investition. Die Kundenberater saßen am einen Ende des Gebäudes, die Auftragsplanung am anderen Ende und die Druckvorstufe in noch einer anderen Ecke. „Heutzutage arbeiten diese drei Bereiche eng vernetzt“, so Heider. „Die Kommunikation zwischen den Bereichen war zuvor aufwendig.“ Eine interne Untersuchung zeigte zudem, wie viel Zeit durch die weiten Wege verloren ging. Die Heiders handelten und bauten die ehemalige Hand- und Maschinensetzerei zum Medienkompetenzzentrum um, wo die Funktionen zusammengeführt wurden. Um zeitgemäße Arbeitsplätze zu schaffen, wurde die Decke neu gedämmt, moderne Fenster sorgen für geringere Heizkosten und viel Licht. „Eine Investition, die sich ausgezahlt hat“, zieht Heider eine positive Bilanz. „Ich glaube, dass mein Urgroßvater stolz darauf wäre zu sehen, wie alle nachfolgenden Generationen das Unternehmen immer wieder fit für die Zukunft gemacht haben.“ 

128 Jahre Drucktradition

Kommunikation findet an Hochtischen statt, die im Großraumbüro wie Inseln angelegt sind

Buchdruckermeister Johann Heider legte 1889 den Grundstein für das Unternehmen an der oberen Hauptstraße. Zwischen den damals in Bleisatz gedruckten Seiten und der Fünf-Farben-Druckmaschine mit Dispersionslackwerk und vollautomatischem Farbregelsystem liegen Welten. Heute werden bis zu 18.000 Bögen/Stunde produziert – und das umweltfreundlich, ohne Alkoholzusätze im Feuchtmittel und mit mineralölfreien Druckfarben.

 

Joh. Heider Verlag GmbH
Paffrather Straße 102–116
51465 Bergisch Gladbach
Tel.: +49 2202 9540-0
www.heider-verlag.de