Die Bergisch Gladbacher Familie Katzemich baut Rahmen für Museen und Galerien in aller Welt

Die Weinflasche scheint in dem gläsernen Kasten, der sie umrahmt, zu schweben. Eine technische Tüftelei von Norbert Katzemich, die an der Werkstattwand zwischen anderen Kunstwerken hängt. Alle Werke zeugen von der Handwerkskunst des Bergisch Gladbachers, der auf Einrahmungen moderner Kunst spezialisiert ist und dabei in der höchsten Liga mitspielt. Seine Rahmen hängen im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA), in Galerien in Indien, auf Kunstmessen in Miami und Basel, auch auf der Art Cologne. Weltbekannte Künstler, darunter Gert und Uwe Tobias, lassen ihre Arbeiten an der Rommerscheider Straße rahmen. Auch Galerien, Sammler und viele Promis gehen dort ein und aus.

Alles, was er könne, sagt Norbert Katzemich, verdanke er seinem Vater, der als Buchbinder in der Kölner Galerie „Der Spiegel“ arbeitete, als Passepartouts noch mit Seide bezogen wurden. 1968 machte Otto Katzemich sich in einem Kölner Keller mit Einrahmungen selbstständig, 1978 zog die Firma nach Bergisch Gladbach. Da unter anderem Galerist Gerhard Reinz den hohen Standard schätzte, wurden bald große Künstler Katzemichs Kunden, so rahmte er alles für Salvador Dalí. Sohn Norbert wuchs zwischen Pappschere und Kreissäge, beide noch in Gebrauch, auf und wusste mit elf Jahren, dass dies auch sein Beruf ist. Dank einer Spezialgenehmigung durfte der Vater ihn zum Vergolder – unter diesem Beruf firmieren die Rahmenbauer – ausbilden, wobei er die Geschäftsidee der Zukunft gleich mitlieferte: die Anfertigung hochwertiger schlichter Kastenrahmen für moderne Kunst.

Gerade betritt Moritz Partenheimer die Werkstatt, „ein Künstler der zweiten Generation“, wie Norbert Katzemich sagt, da er schon für den Vater des Fotokünstlers Rahmen baute. Der Junior, der in München lebt und ein neu gerahmtes Werk abholen will, erzählt, dass ihn ein Bild in einer Ausstellung in Tokio fasziniert habe: „Ich war mir fast sicher, dass es ein Katzemich-Rahmen war. Ich hätte das Bild beinahe runtergehoben!“ Warum Partenheimer den weiten Weg in den Rheinisch-Bergischen Kreis auf sich nimmt? „Es gehört zum guten Ton“, spielt er auf die namhaften Künstler an, die auf Katzemich-Rahmen schwören – und über die der Rahmenbauer selbst dezent schweigt. „Wenn man oben mitspielen will, muss man auf allen Leveln dabei sein.“ Er vertraue alle Arbeiten Katzemich an. „Die Zusammenarbeit, die Qualität, die Ästhetik – das sind die drei Punkte, die für mich ausschlaggebend sind.“

Norbert Katzemich (Mitte), Ehefrau Heidrun und Sohn Robert fertigen die Rahmen (Foto: Glaser)

Norbert Katzemich (Mitte), Ehefrau Heidrun und Sohn Robert
fertigen die Rahmen (Foto: Glaser)

Katzemich-Rahmen sind handgefertigte Unikate, die auf den ersten Blick simpel wirken. Es sind schlichte Kastenrahmen, in denen das Werk ohne Glaskontakt museumsgerecht bewahrt wird. Aufmerksame Betrachter bemerken jedoch die Raffinesse und hohe Qualität von Material und Handwerkskunst: Die Hölzer sind edel, häufig werden das harte Tropenholz Ramin, Amerikanische Walnuss oder Kanadischer Ahorn verwendet. Die schmalen Leisten, die aus der Drei-Meter-Rohware in der hauseigenen Schreinerei zugeschnitten werden, sind präzise verarbeitet und handschmeichelnd poliert. Außer Naturholz sind auch lackierte und geschlämmte Ausführungen gefragt. Der Karton, auf den das Kunstwerk mit wenig Berührungsfläche leicht angeheftet wird, bleibt dauerhaft genauso säurefrei wie das Passepartout, das von Norbert Katzemich noch per Hand geschnitten wird. Das Glas ist hochwertig; beim entspiegelten Mirogard von Schott scheint das Objekt sogar glasfrei an der Wand zu hängen.

Clou der schmalen Katzemich-Rahmen ist ein breiter Innenrahmen, der für Stabilität sorgt und sich zugleich durch seine abgeschrägte Kante zum problemlosen Aufhängen des Bildes eignet. Ein handwerklicher Kniff, der Künstler Partenheimer begeistert: „Diese Aufhängung ist sensationell! Man muss kein Aufhängesystem basteln.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Man kann die Rahmen von hinten genauso gut ansehen wie von vorne!“

So schnörkellos wie die Rahmen ist auch der dreiköpfige Familienbetrieb: Es gibt weder Website noch E-Mail-Adresse oder Werbung. Export? Nein danke – zu viel Papierkram! Für Amerikaner sei solch ein Denken verrückt, sagt der Rahmenbauer und erzählt, dass er 2007 im New Yorker Museum of Modern Art bei der Eröffnung einer Ausstellung von Gert und Uwe Tobias, für die er alle Arbeiten rahmt, von einem US-Galeristen hörte: „Are you the crazy framemaker from Bergisch Gladbach?“ Dem Mann war völlig fremd, dass jemand Top-Ware ohne Expansionswünsche herstellt.

Entsprechend klein ist der Betrieb: ein Trio aus Norbert Katzemich, Ehefrau Hei-drun und Sohn Robert. Die drei fertigen monatlich rund 100 Rahmen in der 180-Quadratmeter-Werkstatt. Der Chef ist für den Rahmenbau, unterstützt von seinem Sohn, und die Kundenberatung zuständig. „Jeder Künstler ist eine Herausforderung, denn die Idee muss ins Handwerk umgesetzt werden.“ Zahlen stören ihn. „Ich möchte gar nicht beeinflusst werden von Preisen oder so. Ich will das Optimum für den Kunden erreichen.“ Daher kümmert sich Heidrun Katzemich – neben dem Lackieren – um Buchführung und Preise. Auch da dominiert schlichte Gradlinigkeit: „Ob ein oder zehn Rahmen – der Preis ist derselbe.“

Zwischen Künstler und Rahmer muss ein Grundvertrauen herrschen. „Ich sage auch manchmal Nein“, verrät der 50-Jährige, der schon mal 750 Haare einzeln, Slips, Kekse, Käse, Mozartkugeln und eben die Weinflasche rahmte. Er warte darauf, dass sie eines Tages runterfalle, witzelt Moritz Partenheimer, als er mit seinem Bild in weiß geschlämmtem Rahmen geht. Da von den drei Katzemich-Kindern Sohn Robert in die Firma eingestiegen ist –  der andere Sohn ist Kunststudent, die Tochter Schülerin –, kann die Kunstszene auch in Zukunft auf die hochkarätige GL-Adresse bauen. Vielleicht verwirklicht jemand sogar den Wunsch des Juniors: „Ich würde gerne Träume rahmen.“

Norbert Katzemich Bildereinrahmungen
Rommerscheider Straße 11
51465 Bergisch Gladbach
Tel.: +49 2202 32972
Geöffnet: montags bis freitags 8–17 Uhr, samstags nach Vereinbarung