„Konkurrenz belebt das Geschäft“: Mit Chill-out-Lounge, Coupon-Aktionen und Service bietet Manuel Siekers „Mode für Männer“ Internetanbietern die Stirn

Aussuchen im Internet und Einkaufen vor Ort: Für Manuel Sieker ist der Wunschtraum vieler Einzelhändler längst Realität. Der 35-Jährige, der an der Brückenstraße in Leichlingen das Bekleidungsgeschäft „Mode für Männer“ führt, ist virtuell fast genauso gut aufgestellt wie real. Im Onlineshop können sich die Kunden einen Überblick über das aktuelle Angebot verschaffen, das modische Kleidung von Größe S bis 8XL mit Überlängen und Bauchgrößen bietet, und sich Einzelteile reservieren lassen. Die Anprobe erfolgt dann entweder im Geschäft oder zu Hause, denn sehr oft sind es Frauen, die in den Laden kommen, um Hosen, Pullover, Polos oder Anzüge für den Mann, den Freund oder den Sohn abzuholen. „80 Prozent unserer Kunden sind Frauen, die für ihre Männer einkaufen“, schätzt Sieker. Kein Wunder, dass es dieses Jahr auch eine spezielle Überraschung zum Muttertag gab. Im Sommer gibt es auch schon mal Eisgutscheine für die Kunden, und bei großem Andrang kann man die Wartezeit in einer „Chill-out-Lounge“ mit Getränken und Zeitungslektüre verbringen.  

„Eine Stadt lebt schließlich vom Offlinesein!“ Manuel Sieker, Mode für Männer

Dabei steht der Servicegedanke im Vordergrund: Sich online Kleidungsstücke reservieren zu lassen, um sie in der Filiale anzuprobieren, ist ebenso möglich, wie kurz vor Geschäftsschluss oder am Wochen-ende fünf bis sechs Teile zur Anprobe mit nach Hause zu nehmen. Und was ist, wenn jemand eine teure Hose für die Party oder fürs Familienfest ausleiht und abgenutzt zurückbringt? Die würde der Kunde dann bezahlen müssen, aber schlechte Erfahrungen haben Manuel Sieker und seine Mitarbeiter mit diesem Service noch nicht gemacht. Gleiches gilt für die Onlinekunden: „Wir hatten bislang keine Retoure.“  

Um die Internetpräsenz kümmert sich Manuel Sieker persönlich, auch der „Beratungs-Live-Chat“ ist Chefsache. Falls trotzdem etwas nicht passt, wird es passend gemacht. Das Familienunternehmen, zu dem noch die Fachgeschäfte „Mode für Män–ner – S bis 3XL“ und „Meine Größe – XXL bis 8XL mit Überlängen und Bauchgrößen“ in Schwelm gehören, arbeitet mit mehreren Schneidereien zusammen, sodass jedes Kleidungsstück individuell angepasst wird. Das wissen mittlerweile auch Kunden aus Schwelm, Köln, Düsseldorf und Umgebung zu schätzen, die eigens zum Einkaufen ins Leichlinger Fachgeschäft kommen. „Wir haben hier eine gute Lage“, sagt Manuel Sieker, der seit Kurzem auch in der Blütenstadt wohnt und sich freut, wenn auch Urlauber einmal im Jahr zum Einkaufen vorbeikommen. Nur die Häufung im Onlineshop von Kunden aus dem Hessischen kann er sich bis heute nicht erklären. 

Schon früh hat sich die Familie auf Übergrößen eingestellt. Manuel Siekers Mutter Luisa, die früher einen Quelle-Shop betrieb, wurde durch eine Freundin auf die Marktnische Übergrößen für den Mann aufmerksam. Ab 3XL „beginnt der Spaß“, sagt der Juniorchef. Wer dabei nur an Übergewichtige denkt, ist auf dem falschen Dampfer. Übergröße kann auch Überlänge bedeuten. „Wir haben viele Sportler unter den Kunden, die brauchen keine Säcke.“ Und nichts anderes seien Übergrößen früher gewesen. Heute sind sie modisch, farbig, zuweilen auch tailliert. Bis 12XL kann man bei ihm bestellen. „Es gibt sogar Unterwäsche bis 16XL, aber das hab ich noch nie gesehen.“ 

Der gelernte Installateur hat mittlerweile als Herrenausstatter seine Berufung gefunden. „Es war schon immer mein Wunsch, einen Laden aufzumachen.“ Also sprang er, als sich die Chance bot, beherzt ins kalte Wasser. Der Umzug aus dem benachbarten Ladenlokal, das vor anderthalb Jahren nach einem Wasserschaden nicht länger genutzt werden konnte, verlief mit familiärer Unterstützung: „Wir haben alles selber gemacht, die Laden-einrichtung, mein Bruder die Bodenbeläge, mein Vater die Elektrik und ich die Installationen.“ Auf 350 barrierefreien Quadratmetern erstreckt sich das Fachgeschäft im ehemaligen Kodi-Shop in der Brückenstr. 9 heute. Drei Mitarbeiter stehen dem Juniorchef in Leichlingen zur Seite; insgesamt sind es acht Beschäftigte in den drei Geschäften. 

Nur auf Trends will Sieker nicht setzen, sondern Bekleidung und Accessoires – wie Gürtel oder Fliegen – anbieten, „von denen wir wissen, dass sie ankommen“. Ladenhüter, im Fachjargon „Pennerware“ genannt, gibt es dann auch selten. Blau-Anthrazit ist halt gefragt und entsprechend reichhaltig vorrätig. Da kann es schon mal passieren, dass ein kanariengelbes Sommershirt nicht in jeder Größe auf Lager ist. 

Prall gefüllt sei der Onlineshop noch nicht; die Internetpräsenz stecke noch in den Kinderschuhen, gibt der Chef zu. Und auch wenn die älteren Kunden ab 70 nicht so online-affin seien, stellt er fest, dass „die meisten Kunden lieber schreiben als telefonieren“. Neben dem E-Mail-Kontakt spielt WhatsApp mittlerweile bei den Offlinekunden eine große Rolle. Da wird mal eben im Laden ein Foto gemacht und abgeklärt, ob Farbe oder Form okay sind. Bei schlechtem Wetter sei im Onlineshop mehr los, „aber am liebsten haben wir es natürlich, wenn der Kunde vorbeikommt und seine Waren vor Ort kauft, statt sie sich zuschicken zu lassen. Eine Stadt lebt schließlich vom Offlinesein.“ Und wie bewertet er aktuell die Konkurrenz der Onlineanbieter? „Konkurrenz“, schmunzelt Sieker, „belebt das Geschäft.“

Karin M. Erdtmann

www.modefuermaenner-by-sieker.de