Die Netzwerkarbeit des RBTZ zahlt sich aus: Projekt von OSSCAD und dem Abwasserwerk der Stadt Bergisch Gladbach

Als Nachbarn im TechnologiePark Bergisch Gladbach arbeiten die RBW und das RBTZ seit langen Jahren erfolgreich zusammen. Der gemeinsame Fokus liegt dabei insbesondere auf der bestmöglichen -Unterstützung für Existenzgründer.

Das RBTZ ist – ähnlich wie die RBW – eine Einrichtung der Wirtschaftsförderung. Das Technologie- und Gründerzentrum konzentriert sich allerdings ausschließlich auf die Bewertung, Förderung und Entwicklung von Gründungsvorhaben in den Bereichen Umwelt, Technologie und Innovation. Das RBTZ ist Schnittstelle, Vermittler, Wegbegleiter und bietet Existenzgründern auf Wunsch eine Heimat in den Räumlichkeiten der Institution im TechnologiePark Bergisch Gladbach – Tür an Tür mit dem Kooperationspartner RBW und in direkter Nachbarschaft zu den 140 Unternehmen im TechnologiePark. Die sogenannte Gründerwerkstatt ist nur ein Angebot im RBTZ und steht all denjenigen kostenfrei zur Verfügung, die noch am Anfang einer Idee stehen und gemeinsam mit den Fachberatern im RBTZ die Marktfähigkeit ihres Vorhabens erst einmal testen wollen. „Es ist unser Auftrag und unser Konzept, Gründungen, aber auch konkrete Innovationen für die Region Rheinisch-Bergischer Kreis voranzubringen“, sagt RBTZ-Geschäftsführer Martin Westermann. „Dazu bieten wir nicht nur unsere Expertise und eine Heimat im RBTZ, sondern vor allem unser Netzwerk an, mit dem sich gemeinsam Pilotprojekte realisieren lassen, von denen alle Seiten profitieren. Ziel ist aber auch, dass neue Technologien im Rheinisch-Bergischen Kreis getestet und weiterentwickelt werden. Die Projekte zwischen dem Abwasserwerk der Stadt Bergisch Gladbach und dem bei uns gegründeten und ansässigen Unternehmen OSSCAD geben sehr schöne Beispiele ab für unsere erfolgreiche Netzwerkarbeit, welche in diesem Fall mit der Rheinischen Fachhochschule Köln begann …“

Aus der Forschung in den Markt. In den Räumen des Rheinisch-Bergischen TechnologieZentrums (RBTZ) waren im Rahmen der Kooperation mit der Rheinischen Fachhochschule Köln über mehrere Jahre zwei Lehrstühle angesiedelt. An einem von ihnen entwickelte Prof. Dr. Ulrich Glombitza mit seinen Studenten faseroptische Sensorsysteme für die Überwachung und Diagnostik von komplexen Bauwerken. Erkenntnisse dieser Forschung wurden mit der Zeit interessant für den Markt, Produkte sollten entwickelt, die Marktfähigkeit getestet und ein Businessplan erstellt werden. Dazu erprobte Prof. Glombitza eine weitere Entwicklung zunächst in der Gründerwerkstatt, gründete 2007 das Unternehmen OSSCAD GmbH & Co. KG und blieb mit diesem im TechnologieZen-trum. Als OSSCAD nach einer bundesweiten Ausschreibung für ein Forschungsvorhaben den Zuschlag erhielt, vermittelte das RBTZ den Kontakt zum Abwasserwerk der Stadt Bergisch Gladbach. Es entstand ein erstes gemeinsames Pilotprojekt, bei dem das Lasermessverfahren von OSSCAD in den unterirdischen Kanälen Bergisch Gladbachs erprobt und zur Sicherung der Qualität von Inliner-Reparaturverfahren eingesetzt  wurde.

2018 stieß im Bergisch Gladbacher Stadtteil Herkenrath die Leistungsfähigkeit der Schmutzwasserpumpstation „Siefer Hof“ an ihre Grenzen. Immer wieder kam es zu Überlastungen, welche rein bemessungstechnisch nicht sein durften. Die Überprüfung der Entwässerungsanlagen, der Pläne und Berechnungen ergab allerdings keine Hinweise.

Die Lösung? Das einfachste Mittel, um der festgestellten Mengen Herr zu werden, wäre ein Ausbau beziehungsweise Neubau der für das Gebiet zuständigen Pumpstation und Ableitungskanäle gewesen. Allein der Bau wurde mit zwei Millionen Euro veranschlagt, von den Folgekosten für die Abwasserreinigung ganz zu schweigen. Als Ursache der überhöhten Zulaufwerte wurden Fremdwassereinleitungen angenommen. Vorhandene Methoden und Technik, um diese Vermutung zweifelsfrei festzustellen, hätten jedoch viel Zeit und damit Personaleinsatz bedeutet.

Die Lösung. Das Abwasserwerk recherchierte. Ein besseres technisches Verfahren sollte Einleitungen sicher nachweisen können und gleichzeitig preiswerter sein. Fündig wurde es in der Technologie, Temperaturdifferenzen mittels Glasfaserkabel zu messen, um Leckagen festzustellen – das Verfahren wird bereits seit längerer Zeit im Deichbau angewendet. Nach Klärung der Einsetzbarkeit für den Abwasserbereich wurde das Unternehmen beauftragt, mit dem es bereits im Pilotprojekt vor einigen Jahren kooperiert hatte: OSSCAD. 

Die Technologie. Ein robustes und wasserdichtes Glasfaserkabel mit einem Querschnitt von lediglich 6 x 3 Millimetern misst die Temperatur des Abwassers. Die hochfeine Sensorik erfasst Temperaturunterscheide bis zu 0,1 Grad Kelvin. Ein kameragesteuertes Kanalinspektionsfahrzeug brauchte gerade mal drei Stunden, um das Kabel in die 600 Meter lange Teststrecke einzuziehen. Alle 10 Zentimeter und alle 10 Sekunden wurde „unter Tage“ gemessen. Im Testzeitraum von sechs Wochen kamen so 90 Millionen Ergebnisse zusammen – insgesamt 30 Gigabyte. Ein Datenlogger in der Pumpstation speicherte die Daten.

Das Ergebnis. Die 90 Millionen Messdaten wurden in Graphen umgewandelt und in Korrelation mit den Wetterereignissen und Niederschlagsmengen ausgewertet. Damit ließ sich genau identifizieren, wann wie viel und wie lange Wasser in die Kanalisation eingeleitet wurde.

Da die Einleitungsstellen bis auf 10 Zenti-meter genau zu lokalisieren waren, standen auch die Verursacher schnell fest. Generell waren alle Anwohner sehr einsichtig aufgrund der Beweislage. 

Der Nutzen. Für das Abwasserwerk Bergisch Gladbach war die Schlussrechnung sehr simpel: Statt zwei Millionen Euro plus hoher Folgekosten wurden weniger als 25.000 Euro für die Hardware und die Ingenieurleistungen investiert. Das Pilotprojekt war so überzeugend, dass das Abwas-serwerk die Messkabel direkt gekauft hat und von OSSCAD Ingenieurleistungen in Anspruch nimmt. Durch die Zusammenführung der Ergebnisse – Stichwort Big Data – können neue Erkenntnisse über die Nutzung und Auslastung von Kanalisationen gewonnen werden, mit denen sich weitere Perspektiven und Optimierungen ergeben. Mittels Glasfaser lassen sich Druck und Schall ebenso messen wie jetzt Temperatur. Geothermie, Brandschutz, Sicherheitsüberprüfungen auf Deponien – die Einsatzmöglichkeiten sind sehr zahlreich.

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