In vielen Bereichen arbeiten die RBW und die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land eng -zusammen, in anderen sind die Aufgaben und Kompetenzen aufgeteilt.

Volker Suermann, -Geschäftsführer der RBW, Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, und Nicholas Kirch, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, erläutern im punkt.RBW-Gespräch, wer in welchem Fall der geeignete Ansprechpartner ist.

Die Beratung von Existenzgründern gehört zum Leistungsspektrum von RBW und Kreishandwerkerschaft. An wen soll sich ein Handwerker, der einen Betrieb gründen möchte, wenden?

Volker Suermann: Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie eng wir zusammenarbeiten. Wir führen gemeinsame Veranstaltungen durch, um Existenzgründer in spe zu beraten, und tauschen uns sehr intensiv aus. Die RBW begleitet den Prozess der Existenzgründung von Markt- und Finanzierungsfragen bis zur Erstellung eines Unternehmenskonzeptes.

Und die Kreishandwerkerschaft?

Marcus Otto: Bei betriebswirtschaftlichen Aspekten beraten wir oft zusammen und erarbeiten dann gemeinsam eine Lösung. Wir können tiefer in die juristischen Fragestellungen gehen. Wir beschäftigen unter anderem fünf Juristen, die zum Beispiel Rat geben können, welche Rechtsform für das Unternehmen geeignet sein könnte und auf welche Vorschriften unbedingt zu achten ist.

Welche Bedeutung hat das Thema Unternehmensnachfolge im Rahmen der Zusammenarbeit?

Volker Suermann: Beim Thema Unternehmensnachfolge bauen die Unterstützung von RBW und Kreishandwerkerschaft aufeinander auf. Unser Schwerpunkt liegt im Bereich der kaufmännischen Erstberatung. Wir unterstützen auch bei der strukturierten und systematischen Suche nach einem Nachfolger.
Nicholas Kirch: … Und wir helfen bei einer realistischen Unternehmensbewertung und können zusätzlich die rechtlichen Aspekte beleuchten sowie Lösungswege aufzeigen. Dieses Thema wird uns in den kommenden Jahren sehr intensiv beschäftigen: In ca. 1.500 von 8.800 Betrieben wird in den nächsten zehn Jahren ein Nachfolger gesucht.

Das sind also schon zwei Bereiche, in denen RBW und Kreishandwerkerschaft erfolgreich zusammenarbeiten. Ist es im Bereich der Fördermittel ähnlich? Denn auch hier haben sowohl RBW als auch Kreishandwerkerschaft Experten im Team …

Volker Suermann: Ja, auch das ist definitiv ein weiterer Bereich. Mit Slawomir Swaczyna haben wir einen Mitarbeiter im Team, der sich bis ins Detail mit den höchst unterschiedlichen Förderprogrammen auskennt. Die RBW ist in zahlreichen Bundes- und Landesprogrammen Regionalpartner. Ein besonderer Fokus liegt bei uns auf den Themenbereichen Innovation, Unternehmensentwicklung und Weiterbildung.
Nicholas Kirch: Neben den allgemeinen Förderprogrammen gibt es zusätzliche Programme, die auf das Handwerk zugeschnitten sind oder sogar nur von Handwerksbetrieben beantragt werden können. Ein Beispiel ist die Meistergründungsprämie, mit der Existenzgründungen, Firmenübernahmen und mehrheitliche Beteiligungen in NRW durch Handwerksmeister gefördert werden.

Ein anderes Thema: Wie macht sich der Fachkräftemangel eigentlich im Handwerk bemerkbar?

Marcus Otto: Der Fachkräftemangel ist längst im Handwerk angekommen. Besonders betroffen sind Metalltechnik, Sa-nitär- und Heizungstechnik und das Elek-tro-Handwerk. Aber auch im Kfz-Handwerk, wo die Betriebe früher massenhaft Bewerbungen hatten, wird der Mangel immer deutlicher. Insofern ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen, beispielsweise durch Elternabende in Schulen, in Kurs-Partnerschaften und im MINT-Netzwerk – gemeinsam mit verschiedenen Akteuren.

Vermutlich Hand in Hand mit der RBW?

Volker Suermann: In der Initiative -„Kluge Köpfe bewegen – Fachkräfte für den Rheinisch-Bergischen Kreis“ und im koordinierten Übergang Schule – Beruf arbeiten Kreishandwerkerschaft und RBW partnerschaftlich eng zusammen, organisieren gemeinsame Veranstaltungen und bieten konkrete Angebote und Hilfestellungen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Fachkräftesicherung.

Auch die Beliebtheit eines Standorts spielt beim Finden und Binden von Fachkräften eine Rolle. Wie sieht Ihre Zusammenarbeit denn im Bereich Standortmarketing aus?

Marcus Otto: Hier haben RBW und Kreishandwerkerschaft das gleiche Ziel: Wir wollen herausstellen, welche Vorzüge der Standort hat. Der Rheinisch-Bergische Kreis ist für Handwerker insofern sehr attraktiv, dass es im Speckgürtel von Köln viele potenzielle Kunden gibt und die Verkehrsanbindung – bis auf die ständigen Staus – sehr gut ist.
Volker Suermann: Mit der Imagekampagne „Ihre Eintrittskarte in den Wirtschaftsstandort Rheinisch-Bergischer Kreis“ laden wir Unternehmen, die im Rheinisch-Bergischen Kreis Geschäftskontakte suchen oder sich ansiedeln wollen, Investoren und qualifizierte Fachkräfte in den Kreis ein. Zu den Wirtschaftsbotschaftern, die diese Kampagne begleiten, gehören natürlich auch Handwerker.

Neben der Suche nach geeignetem Personal beschäftigt manch einen Unternehmer auch die Suche nach einem geeigneten Standort – beispielsweise, wenn man wachsen will …

Marcus Otto: Bei diesem Thema greifen wir gerne auf die gemeinsame Gewerbeflächenbörse der RBW und der rheinisch-bergischen Kommunen zurück. In der Gewerbeflächenbörse finden sich ja nicht nur Büroflächen, sondern auch Flächen, die für Handwerker geeignet sind.
Volker Suermann: Wir wissen, dass das Handwerk häufig Flächen in einer Größenordnung von 1.000 bis 5.000 Quadratmeter benötigt. Wir setzen uns als RBW dafür ein, dass entsprechende Flächen in den Kommunen geschaffen und die Belange der Handwerks-Wirtschaft berücksichtigt werden.

Handwerker sind Meister ihres Faches, die häufig innovative Ideen haben. Oft fehlt jedoch ein Partner, mit dem die Ideen weiterentwickelt werden können. Wie kann die RBW da helfen? 

Volker Suermann: Durch verschiedene Kooperationen mit Hochschulen (Fachhochschule der Wirtschaft, Technische Hochschule Köln), mit dem Rheinisch-Bergischen TechnologieZentrum und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt möchten wir dazu beitragen, dass die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Unternehmen – und dazu gehört natürlich auch das innovative Handwerk – vereinfacht wird bzw. es einen einfacheren Zugang gibt. Die RBW fungiert dabei als Scharnier.
Marcus Otto: Das ist ein Thema, das für bestimmte Handwerksbetriebe durchaus interessant sein kann, wenn sie so – auf Augenhöhe – bei der Lösung von technischen und technologischen Problemstellungen unterstützt werden.