Die anton clemens Unternehmensgruppe liefert Kunststoff- und Elektronikprodukte in die ganze Welt

Der Power Cradle ist ein „Will-ich-auch“-Artikel. Man sieht ihn, lächelt und hätte ihn auch gern. Sensorgesteuert leuchtet der Handyhalter auf, wenn sich die Autotür öffnet und ein kleiner batteriebetriebener Elektromotor schließt automatisch die Seitenklammern um jede beliebige Handygröße. Der Eye-catcher im Auto kommt aus Bergisch Gladbach-Herkenrath und anton clemens hat ein weltweites Patent auf das Produkt.

„Gute Ideen reichen nicht, man muss sie auch an den Mann bringen.“
Walter Clemens

„Erst haben wir eine Idee, dann finden wir eine Lösung dafür – da sind wir gut drin“, sagt Walter Clemens (48), der die anton clemens Unternehmensgruppe in der dritten Generation leitet. 2016 erweiterte er das Portfolio durch den Kauf des Automotive-Zulieferers BI automotive um das Know-how für elektronische Bauteile. Ein großer Schritt in die Zukunft. Das Hauptstandbein des Unternehmens ist die Entwicklung und Fertigung anspruchsvoller Spritzgussteile aus Kunststoff. Von einzelnen Werkstücken bis hin zu komplexen Baugruppen und einbaufertigen Systemlösungen bringt das Unternehmen in Form, was Kunden wünschen.

In den Hallen der 4.500 Quadratmeter großen Produktionsfläche brummen 30 Spritzgussmaschinen, die beständig Teile ausspucken, die dem unwissenden Betrachter Rätsel aufgeben. Sie sehen wenig spektakulär aus, sind aber hochkomplex. Das Hauptstandbein sind Pneumatikventile, die zum Beispiel dafür sorgen, dass sich in Lkws von Mercedes, MAN, Renault oder DAF Sitze oder Lendenwirbelstütze verstellen lassen. Selbst vom ersten Pneumatikventil werden noch einige Hunderttausend jährlich hergestellt. Damals gewann das Unternehmen eine Aus­schreibung als einziger Anbieter. Anfang der 1990er hatte sich die Herstellung sonst niemand zugetraut.

Rund 70 Mitarbeiter arbeiten in Herkenrath, weitere 40 im 2008 gegründeten Werk im tschechischen Pilsen. „Es ging dabei nicht ums Verlagern“, sagt Walter Clemens, „sondern um eine Mischkalkulation, um bestimmte Aufträge überhaupt erhalten zu können.“ Das Unternehmen vermeidet bewusst den Wettbewerb mit Billiglohnländern, indem es die Produktion nicht auf den Massenmarkt ausrichtet, sondern versucht, mit mittleren Losgrößen gezielt individuelle Nischen zu finden. „Für Nachhaltigkeit braucht man eine gewisse Größe“, sagt Clemens. „Man kann Wachstum nicht umgehen, aber wir wollen es nicht um jeden Preis.“ Großer Zulieferer von wenigen zu werden, gehört nicht zu seinen Zielen.

So kommt es, dass etwa Bauteile für Akkumulatoren von Herkenrath nach China geliefert werden statt andersherum und anton clemens einer der wenigen Hersteller ist, die der GM-Konzern in den USA von Deutschland aus beliefert. Aber auch im Bergischen gibt es einen zuverlässigen Kundenstamm, der sich seit der Gründung kontinuierlich weiterentwickelt hat. 1954 gründeten der Namensgeber Anton Clemens und seine Frau Walburga das Unternehmen. Walter Clemens übernahm es im Alter von 25 Jahren als jüngstes von fünf Kindern seines Vaters Heribert.

Der OBD-Protector verhindert unberechtigten Zugang zum System.
Die Kappe lässt sich nur mit mitgelieferten Spezialschlüsseln entfernen.

Technik, Maschinen und Märkte haben sich seither verändert. „Die Entwicklung ist rasant“, sagt Walter Clemens. „Für Unternehmen wie unseres bedeutet das, dass man einerseits viel vorsichtiger, aber andererseits auch viel entscheidungsfreudiger sein muss als früher.“ Zur Vorsicht gehört es, sich nicht auf eine Branche zu konzen­trieren, zur Entscheidungsfreude, Ideen konsequent zu entwickeln und in Produkte umzusetzen, die anders sind als die Masse. So die beleuchtete Einstiegsleiste, die ohne Bordstrom auskommt, ein mechanischer Schutz für die OBD-Buchse, der Autodieben das Leben schwer macht, oder der Door Flash, der nachfolgende Verkehrsteilnehmer vor einer offenen Tür warnt. Letzterer erhielt sogar einen Innovationspreis – in Taiwan.

Die Möglichkeit, auf den Produkten statt Opel oder BMW auch den eigenen Namen oder das eigene Logo leuchten zu lassen, macht aus einem Standardprodukt ein individuelles Werbemittel oder aus einem Autofahrer einen besonders vergnügten Autofahrer. Es ist diese Pfiffigkeit der Produkte, der Blick der Entwickler auf das, was einen „Wow-Effekt“ auslösen könnte, der den besonderen Geist im Unternehmen widerspiegelt. Dazu gehört die Beteiligung der Mitarbeiter. „Wer ein Produkt mitentwickelt hat, identifiziert sich auch damit“, sagt Clemens und bezieht sich explizit mit ein. „Ich bin ein Tüftler, das macht mir Spaß und es liegt mir anscheinend im Blut.“ Am Power Cradle hat er nicht nur selbst mitgetüftelt, sondern die ersten ­Exemplare auch eigenhändig mit zusammengeschraubt.
Nach einem Blick ins Lager, in dem rund 300 verschiedene Kunststoffe lagern, führt der Weg in die Halle für den Werkzeugbau. „Wir sind gut vernetzt, aber das meiste machen wir im eigenen Haus“, erklärt Clemens. Das gilt auch für die Spritzgusswerkzeuge, die hier individuell nach Kundenwünschen gefertigt werden.

Die Zukunft gehört den Ideen. Zum Beispiel ihrem Adaptieren von einer Branche in die andere. Was an einer Autotür leuchtet, kann auch an Schranktüren mit ähnlicher oder ganz anderer Funktion leuchten. Der Kern jedoch ist das, was Clemens „proaktives Entwickeln“ nennt. Chancen zu sehen und sie entscheidungsfreudig voranzubringen. Einen Schritt weiter zu denken und heute schon zu überlegen, was morgen gebraucht oder gewünscht sein wird. Walter Clemens streicht leicht mit der Hand über die Stirnseite des Power Cradle, welcher mit leisem Surren das Handy wieder frei gibt. „Schön wäre ja jetzt“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln, „wenn sich das Handy in der Zwischenzeit induktiv aufgeladen hätte.“


Wertvolle Mitarbeiter

Ausbildung und Teamarbeit haben einen besonders hohen Stellenwert bei der anton clemens Unternehmensgruppe. Im Schnitt sind fünf bis sechs Azubis in verschiedenen technischen und kaufmännischen Ausbildungen im Unternehmen. Ausgebildet wird für den eigenen Nachwuchs, aber auch über Bedarf, wenn es zu wenig Ausbildungsplätze im Kreis gibt. Bei der Berufsfelderkundung schwirren Schüler in 1:1-Betreuung durch die Hallen und auch Flüchtlinge erhalten eine Chance, im Unternehmen zu arbeiten.
„Wir haben eine Mannschaft, die sich hier wohlfühlt und die hochinnovativ ist“, sagt Geschäftsführer Walter Clemens. Die Betriebszugehörigkeit ist überdurchschnittlich lang. Norbert Oberbörsch war der erste Azubi im Unternehmen. Das war vor 37 Jahren. „Ich wohne hier“, sagt er lachend. Hülya Cihan nahm wie mehrere andere die Möglichkeit eines zusätzlichen Studiums wahr. Heute leitet sie die Arbeitsvorbereitung. „In so einem kleinen Unternehmen muss jeder für jeden einspringen“, betont Clemens den Teamgedanken. Wenn Hülya Cihan in Urlaub fährt, springt der Chef selbst für sie ein.

Anton Clemens GmbH & Co. KG
Braunsberg 35, 51429 Bergisch Gladbach
Tel.: +49 2204 9899-0
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