Wenn in Unternehmen Zeit und Raum für strategische Überlegungen und Maßnahmen fehlen, werden wertvolle Ressourcen häufig nicht ausgeschöpft. „Es besteht die Gefahr, dass vorhandene Potenziale nicht optimal genutzt und weiterentwickelt werden“, sagt RBW-Geschäftsführer Volker Suermann. „Das hat langfristig Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit.“ Denn: Veränderungsbereitschaft und die Fähigkeit, auf die Anforderungen am Markt jederzeit flexibel zu reagieren, sind heute mehr denn je erforderlich. Auf der anderen Seite werden Arbeitsabläufe immer komplexer; dazu kommt der demografische Wandel, auf den reagiert werden muss. „Es lohnt sich, jetzt Zeit zu investieren“, rät Suermann. Unterstützung gibt es für Unternehmen auf diesem Weg beispielsweise in Form der Potenzialberatung, bei der Stärken und Schwächen ermittelt und betriebsspezifische Lösungen erarbeitet werden. Zudem gibt es andere Programme, die unternehmerisches Know-how fördern. Wie funktioniert das in der Praxis? Lohnt sich solch eine Beratung? Und was wird wie gefördert? Wir haben Unternehmen besucht, die bereits eine geförderte Beratung in Anspruch genommen haben. 

„Mithilfe der Potenzialberatung können Betriebe entlang von fünf zentralen Themen-bereichen ihre Stärken und Schwächen ermitteln sowie betriebsspezifische Lösungen erarbeiten“, sagen Peter Jacobsen und Slawomir Swaczyna, die bei der RBW, die als Beratungsstelle fungiert, für dieses Thema zuständig sind. Die Bereiche sind Arbeitsorganisation (unter anderem Gestaltung und Steuerung von Strukturen und Prozessen sowie Einsatz optimierter Arbeitszeitmodelle), Kompetenzentwicklung (Personalentwicklung, Qualifizierung), demografischer Wandel (insbesondere Wissensmanagement, altersgerechte Arbeitsorganisation), Digitalisierung und Gesundheit (beispielsweise Einführung/Verbesserung eines nachhaltigen betrieblichen Gesundheitsmanagements). Eine Alternative ist laut Slawomir Swaczyna, Projektleiter für Fördermittel bei der RBW, beispielsweise das Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows“, mit dem – sowohl für Jung- als auch für Bestandsunternehmen – allgemeine Beratungen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung gefördert werden, aber auch Beratungen zu speziellen Themen, wie Fachkräftegewinnung und -sicherung, Vereinbarkeit Familie – Beruf oder altersgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen.

„Manche Strukturen sind nicht mitgewachsen.“
Jürgen Peters, SG Galvanobedarf GmbH

Auf die verschiedenen Beratungsmöglichkeiten aufmerksam geworden ist Jürgen Peters, persönlich haftender Gesellschafter der SG Galvanobedarf GmbH in Wermels-kirchen, beim Innovations-forum, das die RBW im Februar letzten Jahres bei Peters‘ Nachbarn, der Bornemann GmbH, veranstaltet hatte. „Unser Unternehmen wurde 1977 gegründet“, sagt Peters. Die Produktpalette umfasst den gesamten Bereich der funktionellen und dekorativen Galvanotechnik, einschließlich der Planung von Neuanlagen oder des Umbaus bereits bestehender Anlagen. Im Laufe der Jahre wurden unser Vertriebs-gebiet und unsere Produktpalette stetig erweitert, längst kommen SG–Galvanobedarf-Produkte im gesamten europäischen Raum, aber auch in außereuropäischen Ländern zum Einsatz. „Mit dem Wachstum haben sich auch die Anforderungen und Abläufe verändert“, sagt Peters. „Manche Strukturen waren aber noch immer so wie vor 15 Jahren, sind nicht mitgewachsen. Da ist man vielleicht ein bisschen betriebsblind.“

Eine auf Apotheken spezialisierte Beraterin half Barbara Schwinghammer-Steinbach, Arbeitsabläufe und Strukturen zu optimieren. Foto: Lawrenz

Eine auf Apotheken spezialisierte Beraterin half Barbara Schwinghammer-Steinbach, Arbeitsabläufe und Strukturen zu optimieren. Foto: Lawrenz

So beschreibt es auch Apothekerin Barbara Schwinghammer-Steinbach, Inhaberin der Apotheke an der Post (seit 2009) und der Adler-Apotheke in Wermelskirchen (seit 2011) sowie einer weiteren Apotheke in Hückeswagen. Zuvor war sie rund 20 Jahre angestellte Apothekerin in der Apotheke an der Post. „Bei der Eröffnung 1979 waren wir die einzige Apotheke an der Tele-grafenstraße, insgesamt gab es weniger Apotheken in der Innenstadt“, so Schwinghammer-Steinbach. Aus anfangs drei Mit-arbeitern wurden allein in der Apotheke an der Post mehr als 15, die Serviceleistungen nehmen einen immer größeren Raum ein. „Wenn wir heute noch so arbeiten würden wie vor 25 Jahren, wären wir längst nicht mehr wettbewerbsfähig“, so die Apothekerin, die – bei sich selbst und den Mitar-beitern – großen Wert auf Fort- und Weiterbildung legt. Dennoch vergesse man im stressigen Alltag schon einmal, Abläufe kontinuierlich auf den Prüfstand zu stellen. „Manchmal ist es vielleicht auch ein -bisschen Bequemlichkeit“, gibt die Apothekerin selbstkritisch zu. Sie musste also nicht lange überlegen, als in einem regionalen Arbeitskreis verschiedene Förderprogramme, darunter auch die Potenzialberatung, vorgestellt wurden. „In jedem Unternehmen gibt es Schwächen und Stärken“, so Schwinghammer-Steinbach. „Erstere müssen ausgemerzt werden, Letztere gefördert und ausgebaut. Sich dafür einen Berater ins Haus zu holen, ist nichts Negatives – es heißt ja nicht, dass bisher alles schlecht gelaufen ist.“

„Es herrschte eine ,Das haben wir doch immer so gemacht‘-Mentalität.“
Gerhard Wittemann, Schiffmann Kalender GmbH & Co. KG

In manchen Fällen kann eine externe Beratung auch ein Weg aus einer verfahrenen Situation sein. Denn: „Einen Mangel zu erkennen, heißt nicht automatisch, auch eine Lösung zu finden“, sagt Gerhard Wittemann, Geschäftsführer der Rösrather Schiffmann Kalender GmbH & Co. KG. Er hat 2009 in dritter Generation den Unternehmensbereich des Familienunternehmens, das unter anderem Werbekalender und Notizbücher produziert, übernommen. Das Problem: „Wir hatten sehr gute, qualitativ hochwertige Produkte, aber Defizite im Vertrieb.“ Zahlreiche Gespräche Wittemanns mit seinen Mitarbeitern brachten keine Lösung – sorgten vielmehr für ein verkrampftes Arbeitsklima. „Es herrschte eine ,Das haben wir doch immer so gemacht‘-Mentalität“, so Wittemann, „und wenig Bereitschaft, Dinge zu verändern.“ Einen Unternehmensberater um Hilfe zu bitten, kam für Wittemann dennoch zunächst nicht infrage: „Man hört doch viel Negatives von Unternehmensberatern, die ja auch noch eine Menge Geld kosten.“ Das Konzept der Potenzialberatung und ein erstes Gespräch mit Peter Jacobsen von der RBW überzeugten den Geschäftsführer dann aber. Und die erste positive Überraschung folgte direkt: „Die Beantragung war sehr unkompliziert“, lobt Wittemann. Dieses Lob gibt es auch von den anderen Unternehmen: „Ich habe, unterstützt von der RBW, morgens den Antrag gestellt und hatte abends die Zusage und konnte loslegen“, sagt Jürgen Peters.

Neue Vertriebswege konnte Gerhard Wittemann mithilfe externer Berater für die Schiffmann Kalender GmbH & Co. KG erschließen. Die Beantragung der Potenzialförderung über die RBW lief unkompliziert: „Morgens gemeinsam beantragt, am Abend bewilligt“, erinnert sich der Geschäftsführer des Rösrather Unternehmens. Foto: Lawrenz

Neue Vertriebswege konnte Gerhard Wittemann mithilfe externer Berater für die Schiffmann Kalender GmbH & Co. KG erschließen. Die Beantragung der Potenzialförderung über die RBW lief unkompliziert: „Morgens gemeinsam beantragt,
am Abend bewilligt“, erinnert sich der Geschäftsführer des Rösrather Unternehmens. Foto: Lawrenz

In einer speziellen Datenbank kann nach der Bewilligung nach Beratungsunternehmen gesucht werden – gefiltert nach Ort (inklusive Umkreissuche) und Tätigkeitsschwerpunkten. Da die Beratung vorwiegend im Unternehmen stattfindet, macht es durchaus Sinn, wenn der Berater in der Region ansässig ist. Es gibt aber keine Verpflichtung, einen bestimmten Berater aus einem festgelegten Umkreis auszuwählen. „Es hilft natürlich, sich mit Kollegen, die bereits eine Beratung durchlaufen haben, auszutauschen“, sagt Barbara Schwinghammer-Steinbach, die sich für ein auf Apotheken spezialisiertes Beratungsunternehmen aus dem Ruhrgebiet entschieden hat. „Eine Apotheke ist nicht mit einem Einzelhändler zu vergleichen“, sagt Schwinghammer-Steinbach. Es gebe viele spezielle gesetzliche Regelungen, Vorgaben und Pflichten. „Gerade wenn es um die Optimierung von Arbeitsabläufen und Strukturen geht, ist es natürlich sehr hilfreich, wenn sich der Berater – bzw. in unserem Fall die Beraterin – damit gut auskennt.“

„Wir streben Qualitätsführerschaft an.“
Markus Lüttgen, Jean Lüttgen GmbH

Ein Vorteil ist es natürlich, wenn man den Berater bereits kennt und seine Arbeit einschätzen kann: Dr. Corinne Henker, Ärztin in der Bergisch Gladbacher Praxis am Berg, konnte auf eben diese Erfahrung zurückgreifen: „In Engelskirchen, wo ich vorher tätig war, hatten wir bereits sehr konstruktiv mit einem Berater zusammengearbeitet.“ Nach ihrem Wechsel nach Bergisch Gladbach fand die Nuklearmedizinerin ein deutlich verbesserungswürdiges Qualitätsmanagementsystem in der Praxis vor. „Es stand schnell fest, dass wir da eine neue Lösung brauchten. An eine Potenzialförderung habe ich aber zunächst gar nicht gedacht. Darauf, dass das ja durchaus möglich ist, hat dann der Berater hingewiesen.“

Durch ein Innovationsforum der RBW wurde Jürgen Peters (im Bild mit einer Praktikantin der Wermelskirchener SG Galvanobedarf GmbH bei einer Qualitätsuntersuchung) auf die Möglichkeit der Potenzialberatung aufmerksam. Foto: Lawrenz

Durch ein Innovationsforum der RBW wurde Jürgen Peters (im Bild mit einer Praktikantin der Wermelskirchener SG Galvanobedarf GmbH bei einer Qualitätsuntersuchung) auf die Möglichkeit der Potenzialberatung aufmerksam. Foto: Lawrenz

„Wichtig ist auch, dass man schnell ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann“, sagt Jürgen Peters. „Nur dann redet man offen auch über sensible Themen.“ Das gelte nicht „nur“ für den Kontakt zur Geschäftsführung, sondern auch für den Umgang mit den Mitarbeitern, die auf dem Weg mitgenommen werden müssen. „Das hat bei uns sehr gut funktioniert“, bilanziert Peters. Es habe viele gemeinsame Gespräche in unterschiedlichen Konstellationen gegeben. Kritik, Anregungen und Verbesserungswünsche der Mitarbeiter wurden aufgenommen und diskutiert. Eines der Ergebnisse war ein besseres Controlling für den Außendienst. Zudem haben sich laut Peters mehrere weitere Ansatzpunkte ergeben – einige sind bereits umgesetzt (wie der Wechsel des Steuerberaters), andere sind langfristig angelegt. „Es waren fast alles Bereiche, die ich auch auf dem Schirm hatte“, sagt Peters, „aber ich hätte sie ohne die Beratung nicht mit dem Tempo und der Konsequenz umgesetzt.“

Diese Aussage würde Markus Lüttgen, Geschäftsführer der Jean Lüttgen GmbH in Bergisch Gladbach, unterschreiben. „Allein schon, weil die Mitarbeiter anders reagieren, wenn jemand von außen kommt und Wege aufzeigt, als wenn ich das mache. Mir als Führungskraft wird da nicht immer die Neutralität zugetraut“, so der Chef des FordStores mit 46 Mitarbeitern. „Dann kommt es aber natürlich drauf an, dass man einen Berater findet, der zum einen den Markt kennt, aber auf der anderen Seite auch die richtige Ansprache findet.“ Denn: „Es funktioniert nur, wenn man die Mitarbeiter mitnimmt. Ein Konzept gegen ihren Willen durchzusetzen, ist schwierig – wenn nicht gar unmöglich.“ Bei Lüttgen ging es in einem ersten Schritt darum, nach der Ernennung zum FordStore im vergangenen Jahr eine kurz- und langfristige Personalentwicklung vorzunehmen. „Unser Berater, der über exzellente Kontakte in die Automobilbranche verfügt und gut vernetzt ist, hat uns aktiv und passiv bei der Suche unterstützt, war bei den Bewerbungsgesprächen dabei und begleitet auch die ersten Monate der neuen Mitarbeiter im Unternehmen“, sagt Lüttgen. So konnte unter anderem ein neuer Serviceleiter gewonnen werden, den Lüttgen als „absoluten Profi“ bezeichnet. Sehr erfreulich sei, dass die alten Mitarbeiter die neuen Kollegen sehr positiv aufgenommen hätten.

Nicht immer reagieren die Mitarbeiter allerdings von Anfang an positiv. „Die Stimmung war zunächst sehr verhalten“, erinnert sich Gerhard Wittemann noch gut. „Es musste sich erst in den Köpfen festsetzen, dass der Berater nicht Arbeitsplätze wegrationalisieren, sondern Arbeitsplätze sichern wollte.“ In mehreren Gesprächen mit Mitarbeitern und der Geschäftsführung wurde zunächst eine ergebnisoffene Bestandsaufnahme gemacht. Schnell wurde klar: „Wir müssen mehr und bessere Akquise betreiben“, so Wittemann. „Auf der anderen Seite haben wir in der Produktion zu viel Geld für Produkte, die wir günstiger zukaufen können, ausgegeben.“ Entsprechend diesen Erkenntnissen wurde intern umstrukturiert, zudem gab es ein intensives Telefonakquise-Training. „Dass diese Maßnahmen Erfolg hatten, spiegelt sich in den Zahlen wider“, sagt Wittemann. Zudem habe sich das Betriebsklima verbessert. „Die Mitarbeiter haben verstanden, dass Veränderungen notwendig waren, um das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.“ „Unser Unternehmen besteht seit über 80 Jahren und ist einer der ältesten Ford-Händler Deutschlands“, sagt Markus Lüttgen, „über all die Jahre sammelt sich viel Strukturschrott an.“ Hinzu komme, dass sich die Branche in den vergangenen Jahren in Höchstgeschwindigkeit verändert habe. „Als ich 1998 Geschäftsführer geworden bin, habe ich vielleicht ganz vage an eine Dialogannahme direkt am Fahrzeug gedacht, heute ist das längst Standard.“ Im Autoverkauf spielt die Vergleichbarkeit der Händler durch das Internet eine große Rolle, in der Werkstatt werden die Mitarbeiter mit immer neuen Techniken konfrontiert. „Wir streben die Qualitätsführerschaft an“, sagt Lüttgen. Dafür werden derzeit alle Abläufe und Prozesse untersucht. „In einigen Fällen schrauben wir nur an kleinen Details und nehmen den Sand aus dem Getriebe“, so Lüttgen, „andere Abläufe setzen wir komplett auf, bauen also, bildlich gesprochen, direkt ein neues Getriebe ein.“ Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen, teilweise per E-Learning, finden für alle Mitarbeiter regelmäßig statt. „Im vergangenen Jahr gab es 80 bis 90 Schulungstage“, so der Geschäftsführer. Ein wesentlicher Aspekt dabei: Wie kann der Service optimiert werden? „Der Kunde soll sich gut beraten und gut aufgehoben fühlen“, sagt Lüttgen. So wurde kürzlich ein Telefontraining durchgeführt, zudem wurden Abläufe bei der Annahme umgestellt. „Unser Mitarbeiter sitzt nicht an der Theke und wartet auf die Kunden, sondern geht aktiv auf sie zu, begrüßt sie und fragt, was er für sie tun kann.“ Lüttgen: „Auf diesem Weg hat uns die Potenzialberatung auf jeden Fall geholfen. Sie hat vieles in Gang gesetzt. Wir bleiben jetzt aber auch nicht stehen, sondern gehen mit dem gleichen Berater den Weg weiter. Das tut uns gut.“

Ein Konzept gegen den Willen der Belegschaft durchzuführen, sei unmöglich, ist sich Markus Lüttgen (Mitte) sicher – externe Berater unterstützten die Personalentwicklung nach dem Aufstieg des Autohauses zum „FordStore“, also einem Ford-Premiumhändler. Foto: Lawrenz

Ein Konzept gegen den Willen der Belegschaft durchzuführen, sei unmöglich, ist sich Markus Lüttgen (Mitte) sicher –
externe Berater unterstützten die Personalentwicklung nach dem Aufstieg des Autohauses zum „FordStore“, also einem Ford-Premiumhändler. Foto: Lawrenz

Auch Dr. Corinne Henker zieht nach der erfolgten Potenzialberatung ein positives Fazit: „Neben der Einrichtung eines neuen QM-Systems, das deutlich effektiver als der Vorgänger ist, haben wir auch eine Personal- und eine Patientenbefragung durchgeführt. Auch wenn wir nicht alles, was darin zur Sprache kam – wie die angespannte Parkplatzsituation vor der Praxis – ändern können, so gab es doch einige interessante Erkenntnisse.“ Ähnlich zufrieden ist Apothekerin Barbara Schwinghammer-Steinbach. In der Beratung ging es unter anderem darum, wie Mitarbeiter effektiv(er) eingesetzt werden können. „Wir haben vor Augen geführt bekommen, dass es Phasen gibt, in denen zu viele Mitarbeiter in der Apotheke sind, dafür andere Phasen, in denen es stressig wird“, so die Apothekerin. Routinemäßige Abläufe – wie interne Dokumentationen und Eintragungen – wurden daraufhin in schwächere Zeiten verlegt. „Das senkt die Fehlerquote und reduziert den Stress“, sagt Schwinghammer-Steinbach. Das wiederum führt zu höherer Arbeitszufriedenheit und geringeren Krankheitszeiten. „Insgesamt hat uns die Beratung noch mehr als Team zusammengeschweißt“, hebt die Apotheken-Inhaberin einen weiteren Effekt hervor. „Und wir kommunizieren jetzt noch offener miteinander.“

Und so war es für Schwinghammer-Steinbach auch keine Frage, die Potenzialberatung ebenfalls für ihre anderen beiden Apotheken in Anspruch zu nehmen. „Wegen der unterschiedlichen Größen, Personalstrukturen und Aufgaben muss man das individuell betrachten.“ Auch Gerhard Wittemann lässt sich mittlerweile regelmäßig beraten. Und Jürgen Peters kann die Potenzialberatung uneingeschränkt empfehlen. „Wenn ich künftig den Bedarf erkennen sollte, würde ich das wieder machen – oder eine der anderen Förderungen beantragen. Es lohnt sich auf jeden Fall, kurzfristig Zeit und Geld zu investieren – langfristig zahlt sich das mehr als aus.“


Checkliste Potenzialberatung

Folgende Fragen müssen alle mit Ja beantwortet werden, wenn die wichtigsten Fördervoraussetzungen gegeben sein sollen:

1. Dient die geplante Beratung der Ermittlung von Stärken und Schwächen des Unternehmens, der Entwicklung von Lösungswegen und der Festlegung eines Handlungsplans zur Verbesserung der Geschäftsprozesse?

2. Handelt es sich bei dem Antragsteller um ein Unternehmen mit mindestens zehn und weniger als 250 Beschäftigten mit Sitz und Betriebsstätte in Nordrhein-Westfalen?

3. Ist das Unternehmen älter als zwei Jahre?

4. Ist sichergestellt, dass nach Abschluss der Beratung die erarbeiteten Umsetzungsschritte in die Wege geleitet werden?

5. Findet die Beratung mit Beteiligung von Unternehmensvertretern und
in der Regel im Unternehmen statt?

6. Liegt eine Befürwortung der Maßnahme durch eine Beratungsstelle für Potenzialberatung – dazu zählt die RBW – vor?

7. Ist sichergestellt, dass der Beratungsvertrag nicht vor der Antragstellung bei der Beratungsstelle geschlossen wird?

8. Bei Unternehmen, die bereits im Rahmen des Programms gefördert wurden: Wird eine erneute Förderung frühestens nach Ablauf von drei Jahren beantragt?

 

Zahlen, Daten & Fakten

Das Förderinstrument zur Potenzialberatung wurde in NRW im Jahr 2000 vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales eingerichtet. Seit dem 2. November 2015 gelten die neuen aktuellen Förderkonditionen.

Jährlich werden in NRW zwischen 1.100 und 1.700 Potenzialberatungen in KMU mit weniger als 250 Beschäftigten durchgeführt. Seit Start des Programms wurden somit bereits mehr als 20.000 Beratungen mit einem Einsatz von rund 90 Millionen an Landes- und ESF-Fördermitteln bewilligt.

Ein Schwerpunkt bei der Inanspruchnahme von Potenzialberatungen sind seit jeher Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes: 31,4 Prozent aller Unternehmen, denen im Jahr 2013 eine Potenzialberatung bewilligt wurde, sind hier zu verorten.

Unternehmen, die einen Potenzialberater in Anspruch genommen haben, sind
zu 98 Prozent mit den Beratungsleistungen zufrieden. Mehr als 99 Prozent der KMU gaben für das Jahr 2013 an, dass die Potenzialberatung ihren Vorstellungen voll oder größtenteils entsprochen habe.


Potenzialberatung: 5 Fragen – 5 Antworten

Peter Jacobsen und Slawomir Swaczyna, die Fördermittel-Experten bei der RBW geben Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Potenzialberatung.

1. Wie hoch ist denn die Förderung bei der Potenzialberatung?
Die Förderung erfolgt in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses. Die Höhe der Förderung beträgt 50 Prozent der tatsächlich angefallenen Beratungskosten, maximal 500 Euro pro Beratungstag. Ein Beratungstag umfasst dabei acht Stunden. Und es werden maximal zehn Beratungstage innerhalb von drei Jahren gefördert. Es dürfen selbstverständlich mehr Beratungstage genutzt werden. Die Förderung ist aber auf maximal 5.000 Euro limitiert.

2. Welche Unterstützung erhalten Unternehmen im Rahmen der Potenzialberatung von der RBW?
Die RBW ist Regionalpartner im Rahmen des Förderprogramms und unterstützt Unternehmen vom Anfang bis zum Ende auf dem Weg zur Potenzialberatung. Wir erläutern Unternehmen die Ziele einer Potenzialberatung und prüfen auch die Förderkriterien. Des Weiteren erfolgt die Antragstellung für die Förderung bei der RBW, so dass wir auch hier auf den Ablauf und die Abrechnung der Förderung hinweisen können.

3. Welche Unternehmen sind grundsätzlich bei der Potenzialberatung förderfähig?
Grundsätzlich antragsberechtigt sind Unternehmen von zehn bis 249 Beschäftigten mit Sitz und Betriebsstätte in Nordrhein-Westfalen. Die Unternehmen müssen vor mindestens zwei Jahren gegründet worden sein und sich überwiegend in Privatbesitz befinden. Es gibt noch weitere Kriterien, die erfüllt sein und im Einzelfall geprüft werden müssen. Für eine erste Einschätzung empfehlen wir die Checkliste auf Seite 35.

4. Mein Unternehmen hat weniger als zehn Mitarbeiter. Kann ich trotzdem eine Förderung für eine Potenzialberatung bekommen?
Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen können das ESF-geförderte Bundesprogramm „unternehmensWert:Mensch“ nutzen. Die Beratung bezieht sich auf folgende Handlungsfelder: strategische Personalführung, Chancengleichheit und Diversity, Gesundheit sowie Wissen und Kompetenz. Gefördert werden bis zu 80 Prozent des pauschalierten Beraterhöchstsatzes von 1.000 Euro netto je Beratungstag. Gefördert werden maximal zehn Beratertage. Allerdings muss der Berater bei diesem Programm gelistet sein. Bei der Umsetzung auch dieses Förderprogramms arbeitet die RBW eng mit der Regionalagentur Region Köln zusammen, die die Arbeitsmarktförderung des Landes vor Ort betreut.

5. Gibt es ähnliche Förderprogramme?
Es gibt eine Vielzahl von Förderprogrammen, die für Ihr Unternehmen infrage kommen könnten – beispielsweise das neue Förderprogramm mit dem Namen „Förderung unternehmerischen Know-hows“, das die bisherigen Programme „Förderung unternehmerischen Know-hows durch Unternehmensberatung“, „Gründercoaching Deutschland“, „Turn-around-Beratung“ und „Runder Tisch“ zusammenfasst. Gefördert werden hier allgemeine Beratungen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung, aber auch Beratungen zu speziellen Fragen, wie Fachkräftegewinnung, Vereinbarkeit oder Flüchtlinge. Kontaktieren Sie uns gerne und wir schauen uns das individuell an.

Für weitere Informationen und Beratungsgespräche stehen wir gerne zur Verfügung: 

Peter Jacobsen, Existenzgründung & Unternehmenssicherung
Tel.: +49 2204 9763-20, jacobsen@rbw.de

Slawomir Swaczyna, Fördermittel & Technologietransfer
Tel.: +49 2204 9763-15, swaczyna@rbw.de