Wie sich die Heizungs- und Sanitärbranche in Rhein-Berg mit Innovationen neu erfindet

Es gibt wohl kaum ein Handwerk, das sich in den vergangenen 25 Jahren so gewandelt hat wie der Bereich Sanitär, Heizung und Klima (SHK). Die Zeiten, in denen es zu den Hauptaufgaben eines SHK-Handwerkers gehörte, Wasserrohre zu verlegen oder eine Heizung anzuschließen, sind längst vorbei. Heute beschäftigen sie sich mit Wärmepumpen, Blockheizkraftwerken, komplexen Lüftungssystemen oder der Planung von Bädern, die nicht mehr funktional, sondern wahre Wohlfühloasen sind. Eine Studie will gar herausgefunden haben, dass ein SHK-Meister mehr Fachwissen als ein Facharzt hat. Wir haben uns in verschiedenen Betrieben im Rheinisch-Bergischen Kreis umgeschaut und dabei festgestellt: Die in manchen Köpfen noch vorhandenen Klischees über die Branche haben mit der Realität nichts zu tun. 

Ein Unternehmen, das seit mehr als 40 Jahren für Qualität und Zuverlässigkeit steht, ist die Bergisch Gladbacher Woydowski GmbH – Heiztechnik und Bäder, die seit 2001 in zweiter Generation von Ron Woydowski geleitet wird. Wenn Ron Woydowski an seine Lehrjahre denkt und sich mit seinem Vater Paul über die 1970er-Jahre unterhält, in denen das Unternehmen gegründet wurde, wird klar: Es hat sich in der Branche viel verändert.

Wie in allen Branchen durch die Digitalisierung, sagt Ron Woydowski. Das betrifft zum einen die internen Abläufe: So werden laut Ron Woydowski mittlerweile 95 Prozent der Materialwirtschaft online abgewickelt. „Es muss niemand mehr im Lager nachschauen, ob ein Teil noch vorhanden ist oder nachbestellt werden muss.“ Aber auch die Abwicklung von Aufträgen hat sich verändert. Jeder Kundendienstmonteur ist mit einem Tablet ausgestattet und kann vor Ort – alles in einer gesicherten Cloud – die Kundenhistorie abrufen. Nach getaner Arbeit wird ein Arbeitsbericht erstellt, den der Kunde per E-Mail erhält. „Es gibt also keine Zettelwirtschaft mehr und für den Kunden werden die Abläufe transparenter.“

Ron Woydowski setzt auch im eigenen Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Darum „betankt“ er seinen Smart an der Steckdose (Foto: Lawrenz)

Ron Woydowski setzt auch im eigenen Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Darum „betankt“ er seinen Smart an der Steckdose (Foto: Lawrenz)

Selbst seit 2002 im Unternehmen, hat sich Nadine Vierkotten intensiv mit der Historie der 1930 in Bergisch Gladbach gegründeten Firma Knickenberg & Vierkotten GmbH – die von 1993 bis 2015 Kundendienst Versorgungstechnik GmbH hieß und seit 2015 wieder als Knickenberg & Vierkotten GmbH am Markt tätig ist – beschäftigt. „Schon damals war es wichtig, innovativ zu sein“, berichtet Nadine Vierkotten, die das Unternehmen mittlerweile in dritter Generation leitet. „So waren wir in den 1940er-Jahren im Umkreis die Ersten, die Ölheizungen verbauen konnten.“ Diese und andere besondere Fachkenntnisse machten das Unternehmen zu einem starken Partner – nicht nur für Privat-, sondern auch für Großkunden. Enge Verbindungen zum Land NRW, zu Städten und Gemeinden, kirchlichen Einrichtungen und Industrie-kunden wurden aufgebaut, die bis heute bestehen. Speziell in der jüngsten Vergangenheit habe sich die Angebotspalette enorm verbreitert. „Vor 15 Jahren hat noch niemand von Blockheizkraftwerken mit Kraftwärmekopplung, Fotovoltaikanlagen oder Wärmepumpen gesprochen. Strategische Partner wie die Rheinenergie AG oder die Techem AG kann man nur gewinnen, wenn man die neuen Technologien beherrscht und unter den zahlreichen Gesichtspunkten der Energieeffizienz fachgerecht verbaut“, sagt Nadine Vierkotten. „Auch mit neuen gesetzlichen Anforderungen haben wir uns in jüngster Vergangenheit sehr intensiv beschäftigt“, sagt die Geschäftsführerin. „Ein Beispiel ist die neue Trinkwasserverordnung“, sagt Mario Miebach, Installateur- und Heizungsbaumeister sowie Geschäftsführer der Miebach Haustechnik GmbH in Overath. „Mit der Verordnung werden Immobilieneigentümer und -verwalter in die Pflicht genommen, unter bestimmten Voraussetzungen das Trinkwasser einmal jährlich auf Legionellen untersuchen zu lassen“, erläutert Mario Miebach, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater Ulrich führt. „Auch hierfür haben wir qualifizierte Mitarbeiter, die vom Wasserlabor der RheinEnergie akkreditiert und berechtigt sind, Trinkwasserproben fachgerecht zu entnehmen, um diese gemeinsam mit dem Wasserlabor zu untersuchen.“

„Wer für Firmenkunden arbeitet, steht in Bezug auf Technik, Dokumentation und Dimensionen vor ganz anderen Herausforderungen.“ Nadine Vierkotten

Parallel habe sich die Anzahl der Anbieter auf dem Markt massiv erhöht. „Früher musste man zwei Jahre als Geselle arbeiten, bevor man sich zur Meisterschule anmelden konnte, heute geht das einen Tag nach der Gesellenprüfung.“ Dadurch seien viele Klein- und Kleinstunternehmen entstanden.

„Uns geht es immer um den größtmöglichen Nutzen für den Kunden. Wir verstehen uns als Lösungsanbieter. Unsere Unternehmensgröße macht eine Spezialisierung auf mehrere Bereiche möglich, sodass wir unseren Kunden optimale Lösungen garantieren können. Das ist ein großer Unterschied zu kleinen Firmen.“

Was sind die Vorteile eines Fachbetriebs?

Das breite Angebotsspektrum erfordert zum einen sehr spezifische Technik, aber auch spezialisierte Mitarbeiter. Das kann ein Ein-Mann-Unternehmen nicht leisten. „Selbst wir mit unseren 17 Mitarbeitern kommen teilweise an unsere Grenzen – zum Beispiel in den Bereichen Leckage-ortung, Trocknung und Kanalsanierung arbeiten wir dann mit externen Partnerunternehmen zusammen“, sagt Ron Woydowski.

Ein gutes Führungsteam mit innovativen Ideen (v. l.): Michael Rappenhöner, Christian Montag und Michael Montag von der Montag & Rappenhöner GmbH in Kürten (Foto: Montag & Rappenhöner GmbH)

Ein gutes Führungsteam mit innovativen Ideen (v. l.): Michael Rappenhöner, Christian Montag und Michael Montag von der Montag & Rappenhöner GmbH in Kürten (Foto: Montag & Rappenhöner GmbH)

Das bestätigt Michael Montag, einer der drei Geschäftsführer der Montag & Rappenhöner GmbH in Kürten. Zudem spiele das Thema Verlässlichkeit eine große Rolle. „Wir können vielleicht preislich nicht mit einem Ein-Mann-Unternehmen mithalten, dafür kann man uns aber auch in Notfällen mitten in der Nacht oder im tiefsten Winter, wenn die Kleinstbetriebe überlastet sind, anrufen.“ Dieses Argument nennt auch Kai Haas von der Wermelskirchener Albert Haas KG. „Wir picken uns nicht nur die Rosinen raus, sondern helfen auch dann schnell, wenn nur der Wasserhahn tropft.“ Ein weiteres Argument, das für Fachbetriebe, die der Innung angeschlossen sind, spricht, ist laut Haas, „dass wir viel Zeit für Schulungen, Lehrgänge und Fortbildungen aufwenden.“ Haas: „Allein das Thema Förderung (siehe auch Infobox rechts) nimmt einen großen Raum ein. Wer da nicht auf dem Laufenden ist, kann seine Kunden nicht gut beraten.“ Kunden schätzetn es zudem, sagt Michael Montag, wenn sie nicht für jede Kleinigkeit einen anderen Handwerker beauftragen müssten: „Wir bieten alles aus einer Hand an – vom Abriss bis zum Putzen. Dafür beschäftigen wir eigene Maler und Fliesenleger.“

Wie werden Kunden akquiriert und gebunden?

Und wie gehen die etablierten regionalen Unternehmen mit der „Geiz ist geil“-Mentalität und dem Internet um, in dem mittlerweile alles bestellt werden kann? „Wir setzen auf die persönliche Kommunikation mit den Kunden“, sagt Ron Woydowski. „Wir möchten, dass der Kunde Namen und Gesichter mit dem Unternehmen verbindet.“ Dafür setzt die Woydowski GmbH unter anderem auf Social Media: Auf der Facebookseite des Unternehmens werden den derzeit rund 750 Fans regelmäßig Fotos und Videos von Messen, Baustellen und Projekten präsentiert. Auch in Firmen-Veranstaltungen werden virtuelle Einblicke gewährt. Das Image, das so transportiert werden soll: „Bei uns geht es familiär und kollegial zu.“

Ein Thema, das Ron Woydowski ebenfalls wichtig ist: Suchmaschinenoptimierung. Wer „Sanitär“ und „Bergisch Gladbach“ googelt, findet die Woydowski GmbH unter den Top-Treffern – samt einer Top-Bewertung von 4,9 von 5 möglichen Punkten. „Um uns bei Google gut zu platzieren, arbeiten wir mit einer professionellen Agentur zusammen und ermuntern unsere Kunden aktiv, uns zu bewerten.“ All das gehört für Ron Woydowski zu einem modernen Unternehmen. „Das sind Dinge, über die mein Vater sich noch keine Gedanken machen musste, aber man darf nicht stehen bleiben, sondern muss mit der Zeit gehen, sonst ist man in ein paar Jahren nicht mehr am Markt.“

Ab und zu eine Zeitungsanzeige schalten und darauf warten, dass sich Kunden melden – das reicht schon lange nicht mehr aus, meint auch Achim Nowak-Agca von der Bergisch Gladbacher Nowak GmbH. So nimmt das 1969 gegründete Unternehmen beispielsweise regelmäßig an den Bergischen Bautagen teil, zuletzt mit einem 60-Quadratmeter-Stand. Das dortige Beratungsangebot werde von den Besuchern stets gut angenommen. „Im vergangenen Jahr haben wir viele scharf kalkulierte Paket-angebote für Heizungsanlagen gemacht, aus denen dann auch Aufträge entstanden sind. Und wir konnten zahlreiche Kontakte zu neuen Bad-Interessenten knüpfen, die nach den Bautagen ein Angebot über ihr neues Wohlfühl-Badezimmer komplett aus einer Hand bekommen haben“, sagt Nowak-Agca. Beratung spiele insgesamt eine große Rolle – und so nutzt der Geschäftsführer die Firmen-Homepage und Facebook, um regelmäßig Bad- und Heizungstipps zu geben.

Nadine Vierkotten hat – in dritter Generation – kürzlich die Geschäftsführung der Knickenberg & Vierkotten GmbH in Bergisch Gladbach übernommen (Foto: Lawrenz)

Nadine Vierkotten hat – in dritter Generation – kürzlich die Geschäftsführung der Knickenberg & Vierkotten GmbH in Bergisch Gladbach übernommen (Foto: Lawrenz)

Das Akquirieren von neuen Kunden ist das eine – die Kunden langfristig zu binden das andere. Ein Thema, das bei Montag & Rappenhöner eine große Rolle spielt. Im März hat das Unternehmen einen Bus gemietet und war mit 70 Kunden beim Heizungshersteller Viessmann in Düsseldorf. „Direkte Aufträge entstehen während solch einer Tour meistens nicht“, sagt Michael Montag. „Aber wir kommen mit den Kunden in lockerer Atmosphäre ins Gespräch.“ Zudem gibt das Unternehmen zweimal pro Jahr eine Kundenzeitschrift heraus, in der unter anderem Mitarbeiter vorgestellt, aber auch aktuelle Themen und Trends aufgegriffen werden. „Wir überlegen zudem immer, wie wir den Kunden positiv überraschen können – mit Dingen, mit denen er nicht rechnet“, sagt Michael Montag. So bringt der Techniker bzw. Monteur beispielsweise bei frühen Terminen stets frische Brötchen für den Kunden mit.

„Wir legen viel Wert auf einen effektiven, guten und serviceorientierten Umgang mit den Kunden“, sagt Nadine Vierkotten. Um das weiter zu verbessern, durchläuft das Unternehmen derzeit eine zweijährige Schulungsmaßnahme, die mit dem TÜV-zertifizierten Qualitätssiegel „Profi im Handwerk“ enden wird. „Es gibt ja nichts, was man nicht noch besser machen kann“, sagt Nadine Vierkotten. „Die Anforderungen an die Anbieter steigen – und wir wollen diesen nachhaltig gerecht werden.“

Wie gehen regionale Unternehmen mit der Konkurrenz aus dem Internet um?

Die Konkurrenz aus dem Internet hat für ein anderes Miteinander der regionalen Firmen gesorgt. „Wo früher gegeneinander gearbeitet wurde, fällt nun das Konkurrenzdenken immer mehr unter den Tisch. Stattdessen werden regionale Allianzen gebildet“, sagt Ron Woydowski. „Wir treten gemeinsam auf und entwickeln gemeinsam Strategien.“ Ein Beispiel hierfür ist das Bäder-Team GL, ein Kompetenz-Netzwerk, für das sich elf Unternehmen aus dem Kreis zusammengetan haben. Eine geballte Kompetenz, die sich in der Region sonst nirgendwo findet. „In einer gemeinsamen Badausstellung haben Besucher – beispielsweise bei den regelmäßig stattfindenden Badmacher-Tagen – die Möglichkeit, Produkte vor Ort im Gesamtkonzept zu sehen, zu fühlen und auszuprobieren“, sagt Daniel Scholz, Badplaner bei der Verbert GmbH aus Bergisch Gladbach. Das gebe den Besuchern neue, kreative Impulse und erleichtere die Entscheidungsfindung. Schließlich habe das Bad endgültig als reiner Funktionsraum ausgedient und werde immer mehr zu einer Insel der Ruhe und Entspannung.

Und auch die heimischen Unternehmen rüsten digital auf: So bietet die Kürtener Firma Wolfgang Wurth, die wir in der letzten punkt.RBW-Ausgabe ausführlich vorgestellt haben, auf ihrer Internetseite beispielsweise einen 3D-Badplaner an. „Der Vorteil“, sagt Wolfgang Wurth, „ist, dass man nach erfolgter Planung am heimischen Rechner zu uns kommen kann. Wir schauen uns alles in Ruhe an und besprechen das. So können wir die Kunden auf mögliche Probleme aufmerksam machen, bevor die Ware bestellt wird.“

Spezialisierung oder möglichst breite Aufstellung?

Die regionalen Unternehmen genießen –- zu Recht – einen guten Ruf. „Das führt zu einer hohen Erwartungshaltung und dazu, dass Kunden voraussetzen, dass man alles kann.“  Die Bandbreite reicht von der tropfenden Armatur über ein komplettes neues Bad bis zum Blockheizkraftwerk. „Wir lösen das, indem jeder unserer Mitarbeiter auf einen bestimmten Bereich spezialisiert ist“, sagt Michael Montag. „Früher war es so, dass ein universell einsetzbarer Mitarbeiter einen Tag Wartungsarbeiten durchgeführt hat, am anderen Tag ein Bad gebaut hat. Das funktioniert mittlerweile nicht mehr. Heute wird von uns der passende Mitarbeiter mit der passenden Technik losgeschickt“, sagt Montag. „Man kann also sagen, dass wir extrem breit aufgestellt, aber in den einzelnen Bereichen extrem spezialisiert sind.“

Noch breiter kann man sich aufstellen, wenn man mit Unternehmen aus anderen Gewerken kooperiert. Eine solche Form der Kooperation hat Ron Woydowski gesucht und mit „Handwerker in Kooperation“ auch gefunden. „Oft sind Kunden und auch wir Handwerker über die Koordination zwischen den einzelnen Gewerken nicht glücklich“, sagt Woydowski. „Diese Situation veranlasste uns als ein Team von innovativen Handwerkern, die die Auffassung über Qualität und Anspruch teilen, zusammenzukommen.“ In der Praxis bedeutet das für die Kunden eine große Erleichterung in Planung und Durchführung. Wenn gewünscht, haben sie anstelle von vielen Handwerkern einen verantwortlichen Ansprechpartner – also alles aus einer Hand. Woydowski, der selbst zertifizierter Energieberater ist: „Durch diese Kooperation ist es uns möglich, Angebots- und Rechnungsstellung übersichtlich und detailliert in einem zu verfassen.“ Über diese Kooperation hat sich die Einrichtung von Arztpraxen auch über die Grenzen von NRW hinaus zu einem wichtigen Tätigkeitsfeld der Woydowski GmbH entwickelt.

Privat- und/oder Geschäftskunden?

Auch Montag & Rappenhöner arbeitet, wie fast alle Unternehmen der Branche, sowohl für Privat- als auch für Geschäftskunden. „80 Prozent sind Privatkunden, die aber nur etwa 20 Prozent des Umsatzes ausmachen“, verrät Montag. „Wenn man in einem Hotel ein Blockheizkraftwerk einbaut und 27 Bäder saniert, hat das halt ein gewisses Auftragsvolumen“, nennt er ein Beispiel. „Ansonsten arbeiten wir viel für die mittelständische Industrie. Toiletten und Heizungen braucht eben jeder“, sagt Michael Montag schmunzelnd. „Wer für Firmenkunden arbeitet, steht in Bezug auf Technik, Dokumentation und Dimensionen vor ganz anderen Herausforderungen, als wenn man sich nur dem Privatkundengeschäft widmet“, sagt Nadine Vierkotten, deren Unternehmen häufig auch für das Evangelische Krankenhaus arbeitet. Dort wurde unter anderem eine Heizungsanlage mit Wärme-rückgewinnung eingebaut, außerdem Kälte-technik für den Betrieb der medizinischen MRTs. Das setze speziell geschulte und hoch qualifizierte Mitarbeiter voraus, so die Chefin.

Wie finden und binden Unternehmen Mitarbeiter?

Der Fachkräftemangel ist jedoch für die Heizungs- und Sanitär-Unternehmen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis ein großes und präsentes Thema. „Wir müssen da mittlerweile sehr viel tun und neue Wege beschreiten“, sagt Ron Woydowski. So schaltete der Unternehmer kürzlich Personal-Werbung auf der LED-Wand in der Kölner Lanxess Arena. In einem weiteren Schritt sollen Lkw-Planen beschriftet werden. „Über Headhunter haben wir es auch schon versucht, aber das ist im Handwerk schwierig“, sagt Woydowski.

Viele Unternehmen setzen daher auf den eigenen Nachwuchs: „Seit Gründung des Unternehmens im Jahr 1954 können wir auf eine nahezu lückenlose Ausbildung von Jugendlichen in unserem Beruf zurückblicken“, sagt Mario Miebach. Ein bis zwei Bewerber erhalten bei dem Overather Unternehmen jedes Jahr einen Ausbildungsplatz. „Somit haben wir immer alle Ausbildungsjahre mit Auszubildenden besetzt“, so Mario Miebach: „Unser Personal von zurzeit 35 Mitarbeitern besteht überwiegend aus eigener Ausbildung.“ Langfristig denkt man in Sachen Personal auch bei Montag & Rappenhöner, die seit 31 Jahren ausbilden. „Wir stellen über Bedarf ein, wenn wir gute Mitarbeiter finden können“, sagt Michael Montag. Das geschehe häufig über Empfehlungen von aktuellen Mitarbeitern. „Da zahlen wir im Erfolgsfall auch Prämien.“

„Das Tempo, mit dem sich die Branche in den vergangenen Jahren verändert hat, war teilweise rasant.“ Michael Montag

Wie bei den Kunden: Das Finden ist das eine – das Binden ans Unternehmen das andere. „Wir versuchen, die Mitarbeiter nach ihren jeweiligen Stärken und Vorlieben bei uns im Unternehmen einzusetzen“, sagt Michael Montag. Dazu gibt es eine betriebliche Altersvorsorge, eine Unfallversicherung und ein Firmenfahrzeug. „Oft sind es aber auch die Kleinigkeiten, die Mitarbeiter zu schätzen wissen“, weiß Michael Montag aus langjähriger Erfahrung. So gibt es rund um die Uhr umsonst Kaffee für alle Angestellten. Schade findet Montag, „dass sich noch kein einziges Mal eine Frau für eine der handwerklichen Tätigkeiten beworben hat“. Körperlich sei das durchaus machbar. „Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn auch außerhalb des Büros eine Frau bei uns arbeiten würde.“

Eine kompetente persönliche Beratung ist den Unternehmen wichtig, denn die gibt es im Internet nicht (Foto: ZVSHK).

Eine kompetente persönliche Beratung ist den Unternehmen wichtig, denn die gibt es im Internet nicht (Foto: ZVSHK).

Ähnlich sieht es bei Knickenberg & Vierkotten aus. „Der Beruf ist nach wie vor eine Männerdomäne“, sagt Geschäftsführerin Nadine Vierkotten. „Ich würde gerne auch weibliche Techniker beschäftigen“, sagt sie und ermuntert junge Frauen, den Beruf zu ergreifen. „Es ist eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit, bei der die Schaffung neuer Werte, aber auch der Umgang mit Menschen im Vordergrund steht.“

„Spitzenleistungen im Handwerk kann ein Unternehmen nur dann erbringen, wenn es über Mitarbeiter verfügt, die sich persönlich für das Unternehmen und seine Ziele engagieren. Das lässt sich nur realisieren, wenn man ein Arbeitsumfeld schafft, in dem sich die Mitarbeiter wohl fühlen.“ Nadine Vierkotten setzt als Chefin auf einen freundschaftlichen Umgang und Teambuilding: „Regelmäßige Veranstaltungen wie Besuch einer Skihalle, Grillabende oder einfach mal eine Minigolf-Challenge: So etwas steigert das Wir-Gefühl. Es ist toll, wenn man zu diesen Treffen, die keine Pflichtveranstaltungen sind, einlädt und alle Mitarbeiter kommen, einfach weil man sich auch gern privat trifft. Wichtig ist aber auch, dass honoriert wird, was das Team täglich leistet.“ Stolz ist die Geschäftsführerin, dass es viele langjährige Mitarbeiter gibt. „Ende 2014 ist ein Mitarbeiter in den Ruhestand gegangen, der über 49 Jahre bei uns war – von der Lehre bis zur Rente – und nun noch als Berater ein wenig für uns tätig ist. Die alten Hasen sind zwar vielleicht mit der modernen Technik nicht ganz so vertraut, können den jungen Kollegen aber mit ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz viele Tricks und Kniffe zeigen. So wird Wissen und Kompetenz über Generationen hinweg im Unternehmen weitergegeben.“

Wohin geht die Reise?

„Das Tempo, mit dem sich die Branche in den vergangenen Jahren verändert hat, war teilweise rasant“, sagt Michael Montag. Er rechnet damit, dass das Tempo ähnlich hoch bleiben wird. „Beim Heizen wird es immer mehr weg von den klassischen Feuerungsarten mit fossilen Brennstoffen gehen“, sagt Kai Haas. „Mit der Nutzung von Holz oder Solarenergie  machen sich die Kunden unabhängiger von der Preispolitik der Rohstofflieferanten. Solarenergie steht immer zur Verfügung und der Vorteil von Pellets besteht darin, dass der Preis stabil bleibt und weit unter dem für Öl oder Gas liegt.“ Auch Franz-Josef Verbert ist überzeugt: „Holzpelletheizungen bieten eine besonders komfortable Möglichkeit, um erneuerbare Energien zu nutzen und das Heizen mit Holz völlig neu zu entdecken.“

Im Badbereich geht der Trend laut Michael Montag immer mehr zu Komfortbädern mit Bewegungsräumen, die bis ins hohe Alter genutzt werden können. Ein wichtiges Thema der Zukunft wird nach Ansicht von Michael Montag auch das Smart-House sein, das sich von überall bedienen und überwachen lässt. Diese Einschätzung teilt Kai Haas nicht: „Es wird nur ein kleiner Teil der Kunden sein, der bereit ist, dafür Geld auszugeben. Für die anderen ist das eine unnötige Spielerei.“ Wer von den beiden recht behalten wird? Man weiß es nicht. „Man kann ja nur auf sein Bauchgefühl hören und sich dementsprechend aufstellen“, sagt Haas.

Langweilig wird es also im Sanitär- und Heizungs-Handwerk auch in Zukunft nicht werden. Es ist definitiv an der Zeit, Klischees über Installateure, Anlagentechniker und Kundendienst-Techniker endgültig im Abfluss runterzuspülen. Denn: Mit der Realität haben die nichts zu tun.

 

Zahlen, Daten, Fakten

Im Rheinisch-Bergischen Kreis gibt es rund 125 Bertriebe, die der Innung für Sanitär- und Heizungstechnik angehören. Der Obermeister der Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Bergisches Land, Thomas Braun, freute sich bei der Lossprechungsfeier im März, dass 60 Prüflinge ihre Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik erfolgreich abgeschlossen haben.

Das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk blickt bundesweit auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2015 zurück. Es steigerte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um knapp zwei Prozent von 38,7 Milliarden Euro  auf 39,5 Milliarden Euro. „Seit 2008 erleben wir in jedem Jahr eine steigende Wachstumskurve“, bilanziert Manfred Stather, Präsident des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat das Modernisierungsgeschäft. Vor allem das Modernisierungsgeschäft „Altbau“ entwickelte sich in den letzten Jahren zum Hauptumsatzträger mit 71,60 Prozent Anteil am Gesamtumsatz.

 

Förderung

Die Energieberatung ist ein wichtiges Instrument, um in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) durch qualifizierte und unabhängige Beratung Informationsdefizite abzubauen und Energiesparpotenziale im eigenen Unternehmen zu erkennen und Energieeinsparungen zu realisieren. Die Energie-beratung soll dabei wirtschaftlich sinnvolle Energieeffizienzpotenziale sowohl in den Bereichen Gebäude und Anlagen als auch beim Nutzerverhalten aufzeigen. Für Unternehmen mit jährlichen Energiekosten über 10.000 Euro beträgt die Zuwendung 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten einschließlich einer eventuell in Anspruch genommenen Umsetzungsberatung, jedoch maximal 8.000 Euro. Für Unternehmen mit jährlichen Energiekosten von maximal 10.000 Euro beträgt die Zuwendung 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten einschließlich einer eventuell in Anspruch genommenen Umsetzungsberatung, jedoch maximal 1.200 Euro.

Heizen mit erneuerbaren Energien: Gefördert wird unter bestimmten Voraussetzungen außerdem, wer seine veraltete ineffiziente Heizung durch eine Biomasseanlage bzw. Wärmepumpe ersetzt oder durch Einbindung einer heizungsunterstützenden Solarthermieanlage seine Heizung modernisiert und sein gesamtes Heizungssystem durch Verbesserung der Energieeffizienz optimiert.So kann man einen Zusatzbonus von 20 Prozent der Förderung nach dem Marktanreizprogramm erhalten. Weiterhin kann ein einmaliger Investitionszuschuss für die notwendigen Maßnahmen zur Optimierung der Energieeffizienz gewährt werden.

Slawomir Swaczyna
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