Unternehmer diskutieren im Rahmen der sechsten Bensberger Runde im Grandhotel Schloss Bensberg

Es ist eine besondere Runde, die sich am 19. Februar auf Einladung der RBW im wunderschönen Schloss Bensberg eingefunden hat. Die Geschäftsführer führender Unternehmen im Rheinisch-Bergischen kommen jedes Jahr zusammen, um über die wichtigen Zukunfts-themen des Wirtschaftsstandortes zu sprechen. Zum inzwischen sechsten Mal hat die RBW die Unternehmen zu diesem Strategiegespräch zusammengebracht. An diesem Abend geht es um die Generation Z – die Generation, die nun auf den Arbeitsmarkt strömt und den Unternehmen neue Chancen bietet, sie aber auch vor besondere Herausforderungen stellt. Und der Gesprächsbedarf zu dem Thema scheint groß: „Wir haben eine Rekordteilnahme“, freute sich RBW-Geschäftsführer Volker Suermann bei seiner Begrüßung. „Das zeigt, dass dieses Thema von besonderem Interesse für Sie ist und unsere Zukunft mit dieser jungen Generation Ihnen besonders am Herzen liegt.“

Auch der Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises, Stephan Santelmann,  nutzte das exklusive Zusammentreffen, um für den Standort und das Förderprogramm Regionale 2025 zu werben. „Wir stehen hier für qualifizierte Bildung und Ausbildung. Sie bilden in Ihren Unternehmen junge Menschen aus. Mithilfe der Regionale können zusätzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit diese jungen Menschen auch hier bleiben und nicht in die Großstädte abwandern“, bekräftigte der Landrat in seiner Rede.

Aber wie tickt sie nun, die neue Generation? Und wie geht man mit ihr um? Antworten und tiefere Einblicke lieferte an dem Abend die stellvertretende Leiterin der SINUS-Akademie, Christine Uhlmann, die die RBW als Referentin gewinnen konnte. Kurzweilig stellte Uhlmann die verschiedenen Lebenswelten der Jugendlichen und ihre Charakteristika vor und schnell wurde klar: DEN einen Jugendlichen gibt es nicht, es ist vielmehr eine Generation Vielfalt, mit der es die Unternehmen zu tun bekommen (siehe Kasten, Seite 8). Und die Referentin hielt direkt auch einige Ideen und Tipps parat, wie die Unternehmen diesen unterschiedlichen Jugendlichen in Bezug auf eine Ausbildung und das Arbeitsleben begegnen können. „Der erste Schritt ist, die Vielfalt der jungen Menschen zu kennen und aus diesen unterschiedlichen Puzzleteilen die Teile he-rauszusuchen, die zu Ihrem Unternehmen passen“, erklärte Uhlmann. „Wichtig ist, sich zu fragen: Wen suchen wir? Wer passt zu uns und zu wem passen wir?“ Dafür sei es notwendig, dass die Unternehmen ihr eigenes Profil schärfen und dieses auch nach außen darstellen: „Die Jugendlichen wollen Bescheid wissen. Sie erwarten, dass Sie als Unternehmen sichtbar werden. Was finden die Jugendlichen von Ihnen im Netz?“, fragte Uhlmann in die Runde. „Der Internetauftritt des Betriebs oder Unternehmens ist für die Jugendlichen der erste Eindruck und wer sich hier abhebt, punktet“, sagte Uhlmann. Außerdem sollte man den Jugendlichen so früh wie möglich die Gelegenheit bieten, ins Unternehmen zu schnuppern, denn „ob‘s wirklich passt, sieht man nur im direkten Kontakt vor Ort“, riet die Expertin.

„Wichtig ist, sich zu fragen: Wen suchen wir? Wer passt zu uns und zu wem passen wir?“
Christine Uhlmann, SINUS-Akademie

Wie vielfältig und unterschiedlich die Jugendlichen der Generation Z sind, hat auch Markus Wißkirchen von der Hotel Wißkirchen GmbH in Odenthal schon erlebt: „Ich habe es in meinem Betrieb mit allen diesen genannten Typen von Jugendlichen zu tun. Sie kommen als Aushilfen, wollen während des Studiums jobben oder machen eine Ausbildung bei mir und sie alle arbeiten unterschiedlich. Mein Ziel ist es, ihnen beizubringen, dass Arbeit am Ende doch für alle gleich ist.“ Wißkirchen lässt sich dabei auf jeden Jugendlichen individuell ein. „Ich versuche erst einmal, einen Kontakt zu den Menschen aufzubauen, ich zeige Interesse an jedem Einzelnen und seinem Leben und dann versuche ich, sie alle mitzunehmen auf den Zug, mit dem wir nun einmal gerade fahren“, sagte der Hotelchef und damit ‚fahre‘ er bisher sehr gut.

Anpassen an die junge Generation – aber bis zu welchem Punkt? Das fragte unter anderem Fred Arnulf Busen, Geschäftsführer der POLYTRON Kunststofftechnik GmbH & Co. KG in Bergisch Gladbach. „Ich weiß nicht, ob es immer der richtige Weg ist, sich anzupassen. Müssen wir auf alle Strömungen junger Menschen reagieren? Aus der eigenen Wahrnehmung heraus ist es auch wichtig, Leitlinien vorzugeben. Denn bei der ganzen Vielfalt spielt Orientierung auch eine große Rolle“, ist sich Busen sicher. Er hat in seinem Betrieb die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen dankbar sind, wenn sie Vorgaben bekommen, „denn dann bekommt die ganze Sache eine gewisse Richtung und die Jugendlichen wissen plötzlich, was sie tun sollen.“ Dafür muss man aber als Unternehmer ganz klare Vorstellungen davon haben, wo man gerade mit seinem Unternehmen steht: „Was ist mein Laden? Wo will ich hin? Was wollen wir? Und welche Möglichkeiten kann ich anbieten? Das sollte man klar kommunizieren, aber sich dabei nicht verbiegen, um unbedingt jedem gerecht zu werden – damit würde man scheitern, -denke ich“, stellte der Gladbacher Unternehmer klar.

Dem stimmte auch Tim Tiede zu. Er ist Geschäftsführer der lessingtiede GmbH, einer Agentur für Kommunikation mit Sitz in Wermelskirchen: „Die neue Arbeitswelt hat das Bedürfnis, flexibler zu sein. Dem kommen wir nach mit flexibleren Arbeitszeiten, einer neuen Flexibilität, was den Arbeitsplatz angeht – aber alles in einem gewissen Rahmen“, sagte Tiede. Für ihn wird viel zu viel über die Arbeitsbedingungen gesprochen als über die Arbeit selber. „Wir haben uns gesagt, wir können verschiedene Möglichkeiten anbieten, aber innerhalb dieses Konstruktes müssen auch Ergebnisse erbracht werden. Also stellen wir uns auf die jungen Leute ein, aber wir verraten uns dabei nicht. Gearbeitet werden muss trotzdem“, lachte der Agenturchef. Für Tiede bringt die Generation Z aber auch eine wichtige Erkenntnis: „Mit der jungen Generation erkennen wir endlich, dass das Thema Work-Life-Balance, das die Vorgängergeneration Y ja so propagiert hat, nicht funktioniert. Man kann nicht versuchen, das Thema Arbeiten und Leben ins Gleichgewicht zu bringen – dann müsste man für beides ja auch ungefähr gleich viel Zeit haben. Die Aufgabe ist vielmehr, eine Work-Balance zu organisieren und da gehört Life mit rein.“

„Was ist mein Laden? Wo will ich hin? Was wollen wir? Und welche -Möglichkeiten kann ich anbieten? Das sollte man klar kommunizieren, aber sich dabei nicht verbiegen, um unbedingt jedem gerecht zu werden.“
Fred Arnulf Busen, POLYTRON Kunststofftechnik GmbH & Co. KG

Auch Dr. Michael Metten hat als Geschäftsführer der Metten Stein+Design GmbH & Co. KG eine ähnliche Erfahrung gemacht. Die hohe Freizeitorientierung der Generation Y habe sein Unternehmen schon vor Herausforderungen gestellt. „Nach allem, was ich heute gehört habe, glaube ich, dass es für uns einfacher wird, mit der neuen Generation Z zu arbeiten als mit der Generation Y, die sich doch sehr auf die Work-Life-Balance fokussiert hat“, bekräftigte Metten. Auch er hat in seinem Unternehmen das Programm für Auszubildende verändert – zum Beispiel wird der Teamgedanke unter den Azubis gestärkt. Außerdem hat sein Unternehmen die Ansprache nach außen intensiviert: „Man muss sich schon mehr Gedanken machen. Die Sichtbarkeit des Unternehmens an Schulen ist wichtiger geworden. Aber wenn man daran arbeitet, dann bekommt man auch gute Bewerbungen“, sagte Michael Metten. Er sieht der neuen Generation positiv entgegen: „Vielleicht fordert die neue Generation noch mehr, dass man die Individuen wahrnimmt. Aber das ist für uns ja auch eine Chance, dass wir uns wieder viel mehr auf den einzelnen Mitarbeiter ausrichten. Und das ist ja auch der Vorteil des Mittelstands, so was fällt im Konzern deutlich schwerer.“

„Die junge Generation hält uns den Spiegel vor.“
Tim Tiede, lessingtiede

Ein positiver Blick auf die Generation Z – das verbindet an diesem Abend die Unternehmer. Tim Tiede war sich sicher, dass gegenseitiges Zuhören ein Schlüssel ist: „Die junge Generation hält uns einen Spiegel vor. Und sie hat bei allen Fragen, die sie stellt, nicht ganz unrecht. Die Frage, warum wir das hier eigentlich alles machen, ist schon eine ganz schön schlaue Frage dieser Generation. Insgeheim sind wir ja selber auf der Suche, das herauszufinden.“  Auch Fred Arnulf Busen arbeitet gerne mit den jungen Leuten. „Die junge Generation ist eine Herausforderung – aber das ist doch das Salz in der Suppe“, sagte der Unternehmer. Im Hotel Wißkirchen kann es sogar passieren, dass der Chef mit dem Nachwuchs auch mal um die Häuser zieht: „Ich gehe schon auch mal mit, so hält man den Kontakt“, lachte Markus Wißkirchen. Michael Metten zog für sich ebenfalls ein positives Fazit. „Der Abend heute hat mir nicht mehr -Sorge, sondern mehr Zuversicht gegeben, dass es in Zukunft gute Lösungsansätze in den Unternehmen geben wird.“

Darauf konnten die Unternehmer dann zu späterer Stunde im Schloss Bensberg mit einem Glas Wein anstoßen.


TIPPS und HILFEN

Die Fachkräfteinitiative „Kluge Köpfe bewegen“ stellt Tipps und Hilfen rund um das Thema Ausbildung für Unternehmen zur Verfügung. Auch die Ansprechpartner der Initiative sind hier zu finden: 

www.kluge-koepfe-bewegen.de/ausbildung


Lebenswelten der Jugendlichen

Die SINUS-Jugendstudie 2016 „Wie ticken Jugendliche?“ hat die Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland erstellt. Demnach ergeben sich sieben verschiedene Lebenswelten, die folgen–dermaßen definiert werden können. Ausführlichere inhaltliche Angaben erhalten Sie in der Onlineausgabe der punktRBW unter www.punktrbw.de.

Konservativ-Bürgerliche I Die familien- und heimatorientierten -Bodenständigen mit Traditionsbewusstsein und Verantwortungsethik

Adaptiv-Pragmatische I Der leistungs- und familienorientierte moderne Mainstream mit hoher Anpassungsbereitschaft

Prekäre I Die um Orientierung und Teilhabe bemühten Jugendlichen mit schwierigen Startvoraussetzungen und Durchbeißermentalität 

Materialistische Hedonisten I Die freizeit- und familienorientierte -Unterschicht mit ausgeprägten markenbewussten Konsumwünschen

Experimentalistische Hedonisten I Die spaß- und szeneorientierten -Nonkonformisten mit Fokus auf dem Leben im Hier und Jetzt 

Sozialökologische I Die nachhaltigkeits- und gemeinwohlorientierten Jugendlichen mit sozialkritischer Grundhaltung und Offenheit für alternative Lebensentwürfe 

Expeditive I Die erfolgs- und lifestyleorientierten Networker auf der Suche nach neuen Grenzen und unkonventionellen Erfahrungen 

Hier können Sie ein Handout zur SINUS-Studie downloaden. Klicken Sie hier.