cleansort debütiert mit zukunftsweisender laserbasierter Sortieranlage zur sortenreinen Trennung

Es gibt wenig Orte, an denen Besucher das Gefühl haben, am Puls der Zeit zu sein. Oder ihr sogar ein bisschen voraus. In Rösrath gibt es solch einen Ort: eine von außen unspektakuläre Halle im Gewerbegebiet am Nussbaumweg. Nichts deutet da-rauf hin, dass dort, wo die cleansort GmbH residiert, Innovation und zukunftsweisende Technologie zu Hause sind. Auch das Innere ist schlicht und wirkt für die technische Anlage, die dort steht, eher überdimensioniert. 

Geschäftsführer Philipp Soest, der die Tür persönlich geöffnet hat, ist 33 Jahre jung. Was er erklärt und demonstriert, lehrt Besucher jedoch schnell das Staunen: Die -cleansort-Anlage ist ein Schritt in die Zukunft in Sachen Recycling. Sie ist der Prototyp für eine neue Form der Schrottsortierung.  „Nach einer langen Entwicklungsphase werden wir 2019 die erste Anlage bei einem Kunden installieren.“

Was kann diese Anlage, was andere Sortiermaschinen nicht können? Zum einen wurde das Messverfahren in enger Zusammenarbeit mit der Clean-Lasersysteme GmbH und der Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt innovativ umgesetzt und sogar teilweise patentgeschützt. Vor allem aber kann die cleansort-Anlage sortenrein trennen, sogar Aluminium verschiedener Couleur. Bisher sei die sortenreine Trennung von Aluminium nach Legierungsgehalt mit ähnlichem Atom-gewicht äußerst schwierig gewesen, er-läutert Philipp Soest. Fast unmöglich. Die cleansort-Anlage sortiere dagegen zuverlässig – und überdies im Eiltempo. In dem aktuellen Aufbau bis zu fünf Tonnen pro Stunde.

„Wir sind ein rohstoffarmes Land. Wir könnten Materialien viel effizienter recyceln.“
Philipp Soest, Geschäftsführer cleansort

Möglich macht dies das LIBS-Verfahren, dessen Dreh- und Angelpunkt ein neuartiges Messverfahren ist, das sowohl reinigen als auch analysieren kann: Im ersten Schritt reinigt der Laser, der über dem Förderband angebracht ist, das Schrottteil an seiner ebensten Stelle von Lack, Zink, Öl, Schmutz und anderen Oberflächenbeschichtungen. Sodann schießt der Laser auf den gereinigten Messpunkt – eine Fläche von 0,3 mal 0,3 Millimeter – einen gepulsten Licht-strahl, um ein ultraenergiereiches Plasma für eine Spektralanalyse zu erzeugen. „Da kommt unser Logo her: Es setzt sich aus der gereinigten Fläche und dem Mess-Spot in der Mitte zusammen“, so Philipp Soest. Jeder Wertstoff hat nämlich ein charakteristisches Lichtprofil. Der Laser analysiert es und bestimmt so, aus welchem Material der Schrott besteht. Das LIBS-Verfahren kann somit auch das maßgeblich in der Automobilindustrie eingesetzte Aluminium 5.000 und 6.000 unterscheiden. Durch Luft-Impulse werden die Schrotte in entsprechende Sammelboxen geschossen.

„Prinzipiell können wir nahezu alles messen, aber wir arbeiten im Moment mit der Metallindustrie zusammen“, sagt Phi-lipp Soest. Besonders die Gießerei-Indus-trie und die Automobilbranche sind an der Rösrather Anlage interessiert. Denn sie benötigen viel Aluminium. „Aluminium und Stahl zu sortieren, ist im Moment die inte-ressanteste und lukrativste Sortieraufgabe für unsere Kunden.“ Recyceltes, sortenreines Aluminium habe dieselbe Qualität wie Primär-Aluminium, doch benötige die Gewinnung nur fünf Prozent der Energie: nur etwa 800 statt 15.700 Kilowattstunden pro Tonne. Das sei nicht nur für die Firmen finanziell bedeutsam, sondern unter Umwelt-aspekten für alle Menschen: „Die Anlage, die hier steht, kann den Stromverbrauch von 31.700 Deutschen einsparen.“

Philipp Soest ist wahrlich kein Öko–Freak, sondern ein Unternehmer und Tüftler, der Wirtschaft und Ökologie, Nutzen und Verantwortung zusammendenkt. „Wir sind ein rohstoffarmes Land“, sagt er. „Wir könnten Materialien viel effizienter recyceln und wieder einsetzen. Es besteht da einfach Handlungsbedarf.“ Der bisherige Anteil von recyceltem Aluminium liege derzeit weltweit bei etwa 40 Prozent.

Schon nach dem Maschinenbaustudium beschäftigte sich der gebürtige Wiehler mit Schrott und Recycling in einer Projektentwicklungsgesellschaft. Dabei steckte er sein Herzblut vor allem in ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt im Bereich laserbasierte Sortiersysteme (COLA), gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. „Das habe ich vier Jahre entwickelt und leitend betreut. Dann will man das auch ans Laufen bringen“, erklärt Philipp Soest sein Faible für die Selbstständigkeit, die er schon im Studium erprobte: Er zog einen Weinhandel auf, der immer noch nebenher läuft.

2018 kam es zur Gründung von cleansort. Um die innovative Anlage zu vermarkten, stehen Philipp Soest als geschäftsführendem Gesellschafter zwei weitere Gesellschafter zur Seite: der Diplom-Ingenieur und -Kaufmann Edwin Büchter und der Physiker Dr. Winfried Barkhausen, beide zudem Chefs der Firma Clean-Lasersysteme GmbH (cleanLASER) in Herzogenrath bei Aachen. Der Anlagen-Prototyp wurde seit dem ersten Test 2015 stetig verbessert. 2016 legte sogar der Bundespräsident seine Hand auf die Sortieranlage, als sie zu den drei Projekten gehörte, die ihm bei der Woche der Umwelt persönlich präsentiert werden durften.

Ein Stück Zukunft steht in Rösrath: Der eindrucksvolle Prototyp der Sortieranlage von cleansort trennt Schrotte verschiedener Zusammensetzung zuverlässig, inklusive Aluminium ähnlicher Legierungen. Und dies geht rasanter, als ein Lidschlag dauert. | Foto: cleansort

Jetzt ist die Sortieranlage ausgereift:
20 Meter lang, vier Meter breit und vier Meter hoch. Mit drei Metern pro Sekunde führt das Förderband den Schrott zum Laser. Dieser erledigt Reinigung und Analyse in sechs Millisekunden (zum Vergleich: 300 bis 400 Millisekunden sind ein Lidschlag).

„Wir müssen unsere Anlage da aufstellen, wo das Material anfällt“, erklärt Philipp Soest. Dies passiert 2019 zum ersten Mal. Ein neuer Meilenstein für den Chef, der noch viel vorhat: „Wir wollen die Entwicklung weiter vorantreiben, die Anlage aber auch selber produzieren und prinzipiell auch selber betreiben.“ Im derzeit untervermieteten Teil der 1.000-Quadratmeter-Halle soll mal die Produktion einziehen.

Potenzielle Kunden sieht der kreative Kopf weltweit. Neben der Auto- könnte auch die Stahlbranche zum Großkunden werden, die immer höher legierte Stähle einsetzt – „und die sind bisher nicht trennbar in den bekannten Systemen“. Ein klarer Fall für eine Sortieranlage made by cleansort. Auch strikterer Umweltschutz, der viele Unternehmer schreckt, stimmt Phi-lipp Soest eher fröhlich: „Wenn der CO2-Footprint kommt, dann brauchen viele unsere Anlage.“ Ute Glaser


cleansort GmbH
Nussbaumweg 27
51503 Rösrath
Telefon: +49 2205 901002-100
E-Mail: info@cleansort.de
www.cleansort.de