Unternehmerinnen gaben Einblicke in ihre Karrierewege

Die wenigen Männer fielen auf unter den rund 100 Teilnehmerinnen, die sich am 29. Februar im Rösrather Schloss Eulenbroich eingefunden hatten. Das Thema „Mit Mut zur Spitzenposition! Unternehmerinnen geben Einblicke. Und Antworten!“ Ein interessanter, kurzweiliger Abend mit Karrierefrauen, die von ihrem Werdegang erzählten und viele Anregungen gaben. Veranstalter waren die Initiative „Frauen unternehmen“ des Bundeswirtschaftsministeriums, die Kreissparkasse Köln Direktion Rhein-Berg und die RBW.

Fotos: © Klaus Lawrenz | www.qualitaeter.de

„Dass diese Veranstaltung so viel Zuspruch findet, zeigt die Relevanz des Themas“, sagte  Volker Suermann, Geschäftsführer der RBW, in seiner Begrüßung. Er bezeichnete die Frauen auf dem Podium als Vorbilder. „Und ich bin auf die verschiedenen Karrierewege gespannt“, so Suermann. Die Initiatorinnen der Veranstaltung Claudia Göbel, Dr. Nicole Grünewald und Kim Bauer konnten die RBW und die Kreissparkasse Köln für das Thema gewinnen. Auf die Stolpersteine, die Frauen auf den Weg in die Spitzenpositionen zu Fall bringen können, ging Sigrid Meuselbach ein. „Dorthin zu kommen, ist auch für Männer schwer. Aber für uns ganz besonders“, sagte die Trainerin und Autorin des Buches „Weck die Chefin in Dir“. Schuld daran seien vor allem zwei Papageien namens Zweifel und Perfektionismus. Die säßen auf den Schultern der Frauen und würden krakeelen. „Sie zum Schweigen zu bringen, erfordert Mut und dieser Mutmuskel muss trainiert werden“, so Meuselbach. An Beispielen zeigte sie auf, wie Einstellung und Körpersprache das Handeln beeinflussen. „Reden Sie Klartext, kein Konjunktiv und kein Eigentlich“, riet sie den Frauen.

Wie sie es in ihre Führungspositionen geschafft haben, das wollte Moderatorin Ruth Mattes von den vier Teilnehmerinnen des Podiums wissen. „Die Nachfolge im Familienunternehmen war gar nicht so einfach und klappte erst im zweiten Anlauf“, erzählte Claudia Göbel, Vorstandsvorsitzende der Delphin Technology AG, und geplant sei sie auch nicht gewesen. Nach dem Studium in den USA baute die 38-Jährige erst einmal das Marketing im Unternehmen ihrer Eltern auf. Erst später habe sie sich Gedanken zur Nachfolge gemacht, auch weil ihre Eltern viel in Urlaub waren. 2005 wollten diese noch nichts von einer Nachfolge wissen. Etwas entspannter sah sie die Situation, als sie 2007 Prokura bekam. „2010 bin ich es noch mal angegangen und wir haben das sehr gut hinbekommen.“ Doch das Miteinander sei mitunter nicht so einfach. „Da gibt es ein Familienleben mit Empathie und Geborgenheit und auf der anderen Seite die rationale Arbeitswelt“, sagte die 38-Jährige, da müsse es klare Abgrenzungen geben. Aus ihrer Sicht ist das Denken oft noch zu tradiert: „Auch Töchter sollten sich ins Gespräch für die Nachfolge bringen.“

Bereits im Alter von 25 Jahren gründete  Dr. Nicole Grünewald mit einem Kollegen die Werbeagentur „The Vision Company“. „Ich sah aus wie 16, die Banker dachten, ich sei die Freundin oder Tochter meines Geschäftspartners“, erzählte die 43-Jährige lachend. Für eine Unternehmensgründung sei ein gutes Team wichtig. „Mein Vater war Anwalt und mein Kompagnon hatte einen guten Steuerberater.“ Ihrer Meinung nach gründen Frauen vorsichtiger. „Das finde ich schade“, so Grünewald, die gemeinsam mit Göbel vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zur Vorbild-Unternehmerin ernannt worden ist. In schwierigen Situationen holte sie sich Unterstützung bei den Wirtschaftsjunioren geht. „Ein Netzwerk hilft“, so ihr Tipp.

Über ihren raschen Aufstieg im Unternehmen berichtete Kim Bauer, Vorstandsmitglied der Netempire AG. „Ich hatte die Papageien auf den Schultern“, gestand sie. 2013 begann sie in Teilzeit bei dem Rösrather Unternehmen. Bereits ein dreiviertel Jahr später wurde sie auf die Führungsposition angesprochen. „So früh hatte ich das nicht erwartet. Ich dachte an einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren, doch es ging um den nächstmöglichen Zeitpunkt“, erzählte die 39-Jährige. Als Mutter zweier Kinder hatte sie Bedenken. Doch ihr Mann sprach ihr gut zu: „Das ist das, was du willst. Gib der Chance eine Chance.“ Ihrer Erfahrung nach blieben Frauen oft im mittleren Management stehen und würden zu oft an sich selber zweifeln. „Wir Frauen neigen dazu, dass wir auf Anerkennung warten.“

Wie sich die Arbeitswelt verändert, berichtete Marianne Brochhaus, Direktorin der Kreissparkasse Köln (KSK). Was heute fehlen würde, sei die Zeit für Einarbeitung. „Nicht fachlich, das Persönliche fehlt.“ Deshalb sei Mentoring wichtig. Grundvoraussetzung seien hierfür Glaubwürdigkeit und Empathie. „Dazu gehört auch der Mut zu sagen: ‚Hier hast du eine Baustelle.’“ Aber auch im Verhältnis zwischen Mentor und Mentee werde keiner entdeckt; nicht Dornröschen, sondern Eigeninitiative sei gefragt.  „Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel“, so Brochhaus. Wichtig sei es, auch bei den Männern mitzuspielen, aber vor allem sich selbst treu zu bleiben.

„Heute sind die Frauen selbstbewusster, sie brauchen diese Appelle nicht mehr“, war der Einwand einer Teilnehmerin bei der anschließenden Diskussion. Dem stimmte Brochhaus zu. „Aber viele bleiben im mittleren Management stecken, ihnen fehlt der Mut dazu, durch die Decke zu gehen“, so die Chefin von 250 Mitarbeitern. Eine 57-jährige Teilnehmerin wollte wissen, wie sie in ihrem Alter wieder nach oben kommen könnte. „Ich würde nicht sagen, dass das ein leichter Weg ist“, antwortete Brochhaus und riet ihr, die eigenen Stärken zu finden. Die Vereinbarkeit von Karriere und Kinder war ebenfalls Thema. „Das ist nicht leicht“, gestand Bauer, lasse sich aber mit guter Organisation hinbekommen. „Und es kommt langsam zu einem Umdenken“, so ihre Erfahrung.

Am Ende des Abends war klar: Frauen können genauso gut Karriere machen wie Männer. Doch um nicht an der „gläsernen Decke“ zu scheitern, müssen sie auf sich aufmerksam machen, auch schon mal über ihren Schatten springen, Stärke beweisen und sich im Zweifelsfall Unterstützung holen.