Rasspe Systemtechnik fertigt Teile für Heu- und Strohpressen sowie Mäh-Klingen

Wenn Michael Flanhardt die alten Produktkataloge aus dem Regal holt, liegt ein beachtliches Stück Firmengeschichte auf dem Tisch. Vorsichtig schlägt der Geschäftsführer der Rasspe Systemtechnik GmbH eines der umfangreichen Verzeichnisse auf und blättert in den vergilbten Seiten. Im Jahr 1930 ist dieses Exemplar erschienen, das Impressum verweist auf die 17. Auflage. Im Innern sind zahlreiche Zeichnungen zur Bebilderung des Sortiments zu finden, die Produktbeschreibungen und -informationen sind in fünf Sprachen nachzulesen. „Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war Rasspe international erfolgreich“, sagt der Geschäftsführer. „Das Unternehmen hatte sich auf die Fertigung von Verschleißteilen für Landmaschinen spezialisiert, die aus den USA nach Europa importiert wurden und für die sonst nur schwer Ersatzteile zu bekommen waren.“ Heute liefert das Traditionsunternehmen von Wermelskirchen aus Garnknoter für Hochdruckballenpressen, mit denen Stroh und Heu direkt bei der Ernte auf dem Feld zu Ballen gepresst wird, sowie Messer für landwirtschaftliche Maschinen in alle Welt.

Der erste am Standort Wermelskirchen gefertigte Doppelknoter bekam einen Ehrenplatz im Unternehmen. Geschäftsführer Michael Flanhardt zeigt hier am Beispiel der Kordel die beiden Knoten, die mithilfe des Doppel­knoters erstellt werden und mit denen der in der Hochdruckballenpresse gepresste Stroh- oder Heuballen gesichert wird. Foto: Beck

Der erste am Standort Wermelskirchen gefertigte Doppelknoter bekam einen Ehrenplatz im Unternehmen. Geschäftsführer Michael Flanhardt zeigt hier am Beispiel der Kordel die beiden Knoten, die mithilfe des Doppel­knoters erstellt werden und mit denen der in der Hochdruckballenpresse gepresste Stroh- oder Heuballen gesichert wird. Foto: Beck

Die Geschichte des Traditionsunternehmens begann bereits im 19. Jahrhundert. 1827 gründete Peter Daniel Rasspe eine Schmiede für Stiefeleisen in Wuppertal. Damit knüpfte er erste Kontakte zur Landwirtschaft, denn unter anderem waren es Landarbeiter, die die Absätze ihrer Stiefel mit entsprechenden Eisen verstärken ließen. Schnell konnte Rasspe sein Sortiment erweitern, stieg doch mit der aufstrebenden bergischen Wirtschaft der Bedarf an Messern und Ersatzteilen für landwirtschaftliche Maschinen. 1860 siedelte das Unternehmen nach Solingen um. Acht Jahre später wurde die Pfeife eingetragenes Warenzeichen der Marke.

In den folgenden Jahren florierte das Unternehmen, pflegte internationale Kontakte und hatte Niederlassungen in Berlin, München und England. Und bereits seit 1900 wurden Knoter–Ersatzteile für Pressen aus den USA gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg reagierte Rasspe auf die Entwicklungen in der Landwirtschaft und fertigte Zwischenachs-Mähwerke für die nun verstärkt eingesetzten Traktoren. In den 1960er-Jahren erweiterte das Unternehmen sein Sortiment im Bereich der Bindetechnik. Neben der Fertigung von Knoter-Ersatzteilen begann nun die Produktion von eigenen Knoter-Konstruktionen für Hochdruckballenpressen. „In den 1970er-Jahren waren bis zu 1.000 Mitarbeiter bei Rasspe beschäftigt“, so Michael Flanhardt. Außer den Garnknotern gehörten Aufschnittmesser für die Nahrungsmittelindustrie zum Sortiment, Rasspe war im Gasleitungsbau aktiv und fertigte bis in die 1990er-Jahre hinein in der eigenen Gießerei Teile für die Autoindustrie.

Mit der Jahrtausendwende vollzog sich dann ein entscheidender Wechsel: Der Familienbetrieb Rasspe wurde von der mittelständischen Gesellschaftergruppe GROUP SCHUMACHER mit Sitz im Westerwald übernommen. „Die heutige Entwicklung des Unternehmens begann im Jahr 2000“, sagt der Geschäftsführer. Zum Unternehmensverbund gehören die Spezialisten für landwirtschaftliche Systeme und Komponenten, Gebr. Schumacher GmbH und EWM GmbH. Der studierte Landmaschineningenieur Michael Flanhardt stieß 2002 als Geschäftsführer dazu. Seit 2007 ist er zudem Mitgesellschafter. Unter seiner Leitung erfolgte 2008/2009 der Umzug von Solingen nach Wermelskirchen. „Der damalige Standort erwies sich als nicht zukunftsträchtig“, erklärt er und erinnert sich gerne an den konstruktiven und kooperativen Kontakt mit Wirtschaftsförderung, Politik und Verwaltung in Wermelskirchen. „Hier auf dem ehemaligen Rhombus-Gelände fanden wir ideale Bedingungen. Wir fühlen uns sehr wohl hier.“

Seit 2009 produziert Rasspe nun in Wermelskirchen Knoter (Einfach- und Doppelknoter) für Hochdruckballenpressen. „Damit besetzen wir eine kleine Nische, in der wir Weltmarktführer sind“, betont Michael Flanhardt. Zweites Standbein ist die Fertigung von Klingen für die Gras- und Getreideernte. 135 Fachkräfte gehören zur Stammbelegschaft, darunter sind zwölf Auszubildende im gewerblichen und kaufmännischen Bereich beschäftigt. 70 Prozent der Produkte gehen in den Export, 30 Prozent bleiben im Inland. 90 Prozent der Knoter werden an Maschinenhersteller geliefert, von den Klingen gehen 60 Prozent an den Großhandel, 40 Prozent direkt an die Maschinenhersteller. Geliefert wird weltweit, mit stetigen Zuwächsen. „Zwar wirken sich die momentan niedrigen Agrarerzeugerpreise sowie die Eurokrise auf das Investitionsverhalten aus“, so Michael Flanhardt, „doch wir können die Absatzrückgänge aus Südeuropa oder auch Russland durch aufstrebende Märkte wie China oder die Türkei kompensieren. Auch Brasilien entwickelt sich im Rahmen seiner politischen Strukturen langsam, aber stetig.“ Und die USA seien, trotz Beeinflussung durch politische Schwankungen, aufgrund ihrer Größe ein verlässlicher Agrarmarkt.

Um weiterhin von Deutschland aus wettbewerbsfähig bleiben zu können, hat Rasspe in den letzten Jahren enorm investiert. Allein in die Automation der Fertigungstechnik wurden rund vier Millionen Euro gesteckt. „Wir arbeiten kontinuierlich daran, unser Programm von der Produktseite her sowie fertigungstechnisch zu erweitern und modern zu gestalten“, sagt der Geschäftsführer und betont, dass „immerhin 60 Prozent der weltweiten Landtechnik-Entwicklungen aus Deutschland stammen“. Flanhardt weiter: „Die Anforderung an moderne Landtechnik, die Ernteerträge zu optimieren und letztlich die Ernährung zu sichern, sehen wir als Verpflichtung.“

Rasspe Systemtechnik GmbH

Die Rasspe Systemtechnik GmbH gehört seit dem Jahr 2000 zusammen mit den in Eichelhardt (Westerwald) ansässigen Unternehmen Gebr. Schumacher GmbH (spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von Mähsystemen, Ährenhebern und Haspeln) und EWM Eichelhardter Werkzeug- & Maschinenbau GmbH (spezialisiert auf die Entwicklung & Produktion von Mähmesserantrieben) zur GROUP SCHUMACHER. Der Unternehmensverbund ist weltweit an acht Standorten – Deutschland, USA, Russland, Brasilien – mit insgesamt mehr als 400 Mitarbeitern vertreten.

Um die Vertriebs- und Serviceleistungen der drei Unternehmen und ihrer Marken aus einer Hand anbieten zu können, wurde die Vertriebsgesellschaft SCHUMACHER.plus im Jahr 2013 gegründet. Sie betreut von ihrem Firmen-sitz in Eichelhardt aus Kunden in Europa, Afrika, Asien und Australien.

Rasspe Systemtechnik GmbH
Albert-Einstein-Str. 15
42929 Wermelskirchen
Telefon: +49 2196.8820-0
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www.rasspe.de