Rolf Brumm geht in seiner Schuhmacherei in Overath seit über 30 Jahren unermüdlich neue kreative Wege

Es brummt bei Meister Brumm. Und das ist gut so, zeigt es doch, dass der Mann zu tun hat. Der Overather Schuhmachermeister bedient inmitten seines kleinen Reichs die wuchtige Schleifmaschine, die mit sonorem Brummen einem Herrenschuh zu Leibe, pardon: auf die Sohle rückt. Er soll wieder straßenfit werden unter den kundigen Händen des Handwerkers, der selbst alles andere als brummig ist. Der fröhliche 54-Jährige macht seit über 30 Jahren Kunden glücklich, wenn er ihre geliebten Treter aufmöbelt, Gürtel vor dem Exitus bewahrt, Taschen repariert, Reitgerten flickt oder anderes vor dem Wegwerfen „rettet“.

Die Ladentür bimmelt. Overatherin Heike Mahr bringt einen ihrer Boots mit abgerissener Schlaufe. Sie schätze des Schusters Qualität, aber auch seine „Freundlichkeit und Zuverlässigkeit“. Andere, oft begeisterte Kommentare stehen im Gästebuch der Website des Schuhmachers: „Meister Brumm ist wahrlich ein Meister seines Werkes! Ich bin stets super-­zufrieden! Danke, Meister!“, schreibt eine Dame. Ein Herr lobt: „Schnelle, saubere und sehr gute Arbeit. Sehr sympathischer Mann, der sein Handwerk versteht. Hatte die Hoffnung, einen richtigen Schuhmacher zu finden, schon aufgegeben. Hier wurde ich eines Besseren belehrt.“

Rolf Brumm hat das Handwerk von der Pike auf gelernt, kann sogar Maßschuhe anfertigen. Doch meist haucht er defekten Stücken fachkundig neues Leben ein – mit Sorgfalt und Liebe. „Dass ich so etwas machen darf!“, schwärmt er, genüsslich den Geruch einatmend, der beim Abschleifen einer Luxus-Ledersohle verströmt. Die meisten wünschen jedoch preisgünstigeres Gummi. Egal was – Rolf Brumm verwendet nur erstklassige Materialien.

„Mein Motto lautet: Sohlen durch, Absatz krumm – hin zu MeisterBrumm!“
Rolf Brumm, Schuhmachermeister

Jeder Schritt ist Handarbeit: Ist die marode Sohle entfernt und der Schuhboden abgeschliffen, wählt der Schuster aus seinem Arsenal neuer Sohlen die passende aus. Er streicht sie und den Schuhboden mit Klebstoff ein und wechselt dann zwei Schritte zur Durchnähmaschine, um den Schuhboden von Schuh oder Stiefel zu vernähen. „Der Schuh ist jetzt bombenfest!“ Nach dem Auftragen der zweiten Kleberschicht geht der 54-Jährige zur Presse, wählt eine Metalldruckplatte aus und verpresst die Sohle mit dem Schuhboden. Dann kommt der „Ausputz“, also das Einfärben des Schuhs und das Polieren mit der Wachsbürste. Beim Sneaker löst sich die PU-Sohle auf? Auch das ist für den Fachmann kein Problem.

„Können Sie da einen neuen Reißverschluss reinmachen?“ Eine Kundin hält Rolf Brumm hoffnungsvoll ihre Lieblingshandtasche hin. Er greift zur Farbmusterkarte, nickt aufmunternd: „Ich gucke, was ich bekommen kann.“ Auch Lederjacken, Zaumzeug, Rucksäcke und anderes, was Menschen ans Herz gewachsen ist, repariert er. Ein Retter für Liebgewordenes.

Trotzdem ist die Zeit vorbei, in der das Handwerk des 54-Jährigen goldenen Boden hatte. Die Zahl der Betriebe sinkt stetig. In den 70er-Jahren, als Rolf Brumm neben der Hauptschule in einer Schuhmacherei jobbte, habe es davon in Deutschland noch etwa 82.000 gegeben. 1986 machte er sich in Köln-Mülheim selbstständig, 1995 kam er nach Overath. Kurz da­rauf begann der Abwärtstrend. Jetzt gebe es nur noch rund 7.000 Schuhmachereien, Tendenz fallend. „Ich muss mit immer weniger Schuhen alles unterhalten.“ Die Leute hätten heutzutage oft Billigtreter, die weggeworfen, statt repariert würden. Zudem seien private Schuhregale so voll, dass viele Paare gar nicht abgetragen würden.
Natürlich gibt es in Brumms Werkstatt auch Zubehör, etwa professionelle Schuhsprays, Cremes, Bürsten und Einlegesohlen, zudem rund 200 verschiedene Schnürsenkel. Doch auch der Verkauf dieser Artikel sinkt: Machten sie 1986 etwa zehn Prozent des Umsatzes aus, sind es heute maximal zwei Prozent. „Nur mit dem Laden käme ich nicht über die Runden“, sagt der Handwerker. Doch statt zu jammern, tritt er die Flucht nach vorn an, entwickelt Ideen, um Kunden zu gewinnen. Seit Jahren schon arbeitet er mit Annahmestellen für Schuhreparaturen in Supermärkten, Reinigungen oder anderen Geschäften zusammen. Inzwischen sind es über 20, die 40 Prozent des Umsatzes ausmachen. Rolf Brumm und seine Ehefrau fahren sie zweimal pro Woche an, um „Patienten“ einzusammeln.

Auch sonst probiert der findige Schuster Neues aus, anstatt sich auf seinem Leisten auszuruhen. Für ausrangierte Schuhe steht vorm Laden eine Sammelkiste für soziale Zwecke. Zehn Prozent seiner November-Einnahmen spendete er an Aktion Lichtblicke. Seine Website pflegt er selbst und hält sie stets mit Jahreszeittipps zur Schuhpflege aktuell. Selbstredend ist MeisterBrumm auf Facebook aktiv. „Sonst komme ich an die jungen Leute gar nicht mehr ran.“

Sein Handwerk macht Rolf Brumm glücklich. Er liebt den Kontakt mit den Menschen. Außer den Schuhen gebe mancher auch ein Statement zur Kommunal- oder Weltpolitik ab. „Hier müsste sich mal ein Politiker eine Woche aufhalten, dann wüsste er, wo die kleinen Leute der Schuh drückt.“ Er greift zu einem Stiefel, der neue Absätze braucht. Routinearbeit, die er gern macht. Nur wenn Leute ihm Schuhe bringen, die angelernte Schuhreparateure durch unsachgemäße Arbeit verhunzt haben, kann er tatsächlich brummig werden.


MeisterBrumm
Schuhmacherei
An den Gärten 17
51491 Overath
Tel.: +49 2206 8579789
www.schuhmacherei-rolfbrumm.de


Angebot/Dienstleistung

Rolf Brumm hat außer seiner Werkstatt am Overather Busbahnhof acht Reparatur-Annahmestellen im Kreis:

Bergisch Gladbach: Strundepark Lotto-Shop, Kürtener Straße; futterkonzept, Straßen 113; Nähgalerie, Altenberger-Dom-Straße 175

Odenthal: Schneiderwerkstatt, Altenberger-Dom-Straße 30

Rösrath: Breidohr’s Frische-Center, Hans-Böckler-Straße 1; Sam’s Änderungsschneiderei, Sülztalplatz

Overath: Schreibwaren, Olper Straße 111; Funkeltraum, Neuenhauser Straße 54