Bei Bücherwolf aus Kürten steht das Gespräch mit den Kunden im Mittelpunkt

Wenn’s um Buchbestellungen per Internet geht, ist Amazon Marktführer. Thalia unterhält Filialen in ganz Deutschland und steht umsatzmäßig an zweiter Stelle, gefolgt von Weltbild und Hugendubel. Hildegard Wolf führt eine kleine Buchhandlung in Kürten. Vor ein paar Jahren bekam sie das veränderte Kaufverhalten ihrer Kunden zu spüren und stand kurz davor, ihr Geschäft zu schließen. Doch mit viel Engagement kämpfte sie sich durch, ging andere Wege, konnte neue Kunden gewinnen und den Umsatz steigern.

Foto: LAWRENZ

„In der Stadt fällt das nicht so auf, wenn ein Geschäft schließt, hier schon,da ist das Bewusstsein anders.“ Hildegard Wolf, Bücherwolf

Die kleine Buchhandlung ist leicht zu übersehen. Keine großen Schaufenster und die Eingangstür liegt etwas zurückgesetzt. Während der Öffnungszeiten machen Aufsteller auf Bücherwolf aufmerksam. Das Ladenlokal ist nicht groß, knapp 60 Qua-dratmeter. Doch wer sich Zeit zum Stöbern nimmt, findet viel Interessantes: zahlreiche Publikationen zum Bergischen Land, Wanderkarten und viele eher unbekannte Bücher. „Die Bestseller gibt es ja inzwischen in jedem Supermarkt zu kaufen. Die Leute wollen von mir eher einen Geheimtipp“, sagt Hildegard Wolf. „Mein Lieblingsbuch aus dem vergangenen Jahr habe ich über 100 Mal verkauft“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Die studierte Sozialpädagogin kam eher zufällig zum Buchhandel. „Vor 23 Jahren entstand die Idee, einen Buchladen aufzumachen“, erinnert sie sich. Animiert wurde sie von einem Ehepaar aus Düsseldorf, das sie und ihr Mann im Urlaub kennengelernt hatten. Das war im April 1995. „Ich machte dann ein Praktikum bei ihnen und im Oktober eröffnete ich die Buchhandlung.“ Die ersten Jahre liefen gut und der Umsatz stieg stetig. Doch der Standort an der Wipperfürther Straße war nicht ideal. „Es gab keine Parkplätze und ich hatte den Eindruck, dass viele Kunden gehetzt dadurch waren“, erinnert sich Hildegard Wolf. Auch war ihr das Ladenlokal zu groß. Vor sieben Jahren zog Bücherwolf in die ehemalige Backstube in direkter Nähe des Kirchplatzes.

Nach dem Umzug gab es einen Umsatz–
einbruch. Die Kunden mussten sich erst an den neuen Standort gewöhnen, zudem belasteten die Umzugskosten. Zu der Zeit hatte sich bereits eine Genossenschaft für Buchhändler gegründet. „Eine Vereinigung zum Schutz der Kleinen“, fasst es Hildegard Wolf zusammen. Nach dem Standortwechsel entschied sie, ihre Bücher nur noch über das Zentrallager dieser Genossenschaft zu ordern. „Ich habe die Bücher vorher bei den Vertretern der Verlage bestellt. Und wenn ich sie dann nicht verkaufen konnte, entstanden hohe Kosten für Retouren“, erinnert sich die 67-Jährige. Inzwischen läuft die gesamte Warenlogistik über die eBuch eG.

Um die Gespräche mit den Verlagsvertretern tat es ihr am Anfang zwar leid, doch die Vorteile überwogen. „Das Zentrallager setzt sich aus allen Verlagen zusammen, ich habe dadurch keine Kapitalbindung mehr und kann auch mal versuchen, ein Buch für 50 Euro mit in das Angebot zu nehmen.“ Alles, was sie nicht innerhalb von sechs Monaten verkaufen kann, geht wieder ans Lager zurück. „Dadurch habe ich meine Lagervorhaltung um Tausende Euro redu-
zieren können.“ Zudem ist dadurch ihr Angebot immer aktuell.

Mit der Auswahl der großen Buchläden kann und will Bücherwolf nicht konkurrieren, zum Beispiel bei Reiseführern. „Die habe ich nicht vorrätig und manche Kunden sind darüber enttäuscht“, so Hildegard Wolf. Doch sie kann über Nacht bestellen, auch mehrere Bücher zur Ansicht. „Das macht einfach mehr Sinn, weil gerade in diesem Sektor die Bücher so schnell veralten.“ Zudem können die Kunden über www.buecherwolf.net auch selber online Bücher oder digitale Produkte bei der Buchhandlung bestellen. Hildegard Wolf hat ihren Kunden das Prozedere genau erklärt. Ein Service, der gerne angenommen wird. „Über die Feiertage zum Jahreswechsel haben so viele Kunden per Internet bestellt, dass hier die Bücher wannenkörbeweise geliefert wurden“, sagt sie lachend. Das Onlinegeschäft macht inzwischen zehn Prozent des Umsatzes aus. Die Kürtenerin wirbt dafür, dass ihre Kunden das Portal auch im Urlaub nutzen und damit den Buchhandel am jeweiligen Urlaubsort fördern. Sie ist davon überzeugt, dass ihre Kunden kleine Läden gerne unterstützen. „In der Stadt fällt das nicht so auf, wenn ein Geschäft schließt, hier schon, da ist das Bewusstsein anders.“

Hildegard Wolf engagiert sich in der örtlichen Interessengemeinschaft, beteiligt sich an der Aktion mit den IG Kürten-Gutscheinen und hat sogar mit mehreren Buchhändlern den Druck einer hochwertigen Karte für das Bergische Land initiiert. Regelmäßig tauscht sie sich mit anderen Buchhändlern aus und bestückt Büchertische bei Veranstaltungen. Von den kommunalen Ausschreibungen für Schulbücher hat sie sich allerdings verabschiedet. „Das habe ich einmal mitgemacht. Das war viel Arbeit, mein Mann musste ausliefern und unterm Strich ist nicht viel übrig geblieben.“ Zudem bescherte ihr der ungewöhnlich hohe Umsatz eine Betriebsprüfung. Dennoch pflegt sie den Kontakt zu den Schulen. „Da werden schon mal Arbeitsmaterialien im Laufe des Jahres bei mir bestellt“, so Hildegard Wolf, jedoch nur, weil sie sich immer wieder einbringe. „Man muss am Ball bleiben und Service bringen.“ So unterstützt sie jedes Jahr den Welttag des Buches. Diesmal haben sich 14 Schulklassen bei ihr angemeldet. „Ein Kunde war von der Schnitzeljagd der Schüler so begeistert, dass er fasziniert zugeschaut hat“, erzählt die Buchhändlerin. Und am Ende habe er der Lehrerin Geld gegeben, damit sie den Kindern ein Eis ausgibt. „Ich glaube, so etwas erlebt man nur in kleineren Läden.“

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Buchverkauf als Genossenschaft

Bereits früh wurde Hildegard Wolf und ihrem Mann klar, dass es kleine Buchhandlungen schwer haben werden. Zum einen wegen der immer weiter fortschreitenden Kommerzialisierung des Internets. Zum anderen durch die Konkurrenz der stetig wachsenden Buchhandlungsketten, die die kleinen Buchhandlungen übernahmen oder ihnen einen gnadenlosen Konkurrenzwettbewerb lieferten. Gemeinsam mit anderen Buchhändlern gehörte das Ehepaar Wolf 2000 zu den Gründungsmitgliedern der Genossenschaft eBuch. Zunächst stand der Informations- und Datenaustausch über das Internet im Fokus. Vier Jahre später wurde ein eigenes Zentrallager auf–
gebaut, das den Buchhändlern ermöglicht, wirtschaftlich und dennoch unabhängig zu disponieren. Seit 2005 ist ein internetbasiertes Kassensystem angeschlossen. Inzwischen gehören 800 Buchhändler der Genossenschaft an.


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Internet als Vertriebsweg

Ein Buch per Mausklick zu bestellen, gehört heute schon zur Normalität. Doch nicht nur Amazon nutzt das Internet als Vertriebsweg. In dem Portal genialokal.de können Kunden stöbern, Buchempfehlungen lesen, bestellen und wählen, ob sie ein Buch per Post zugeschickt bekommen möchten oder es reservieren und am nächsten Tag in der örtlichen Buchhandlung abholen wollen.