Spielzeughändler Wolfgang Müllenmeister aus Wermelskirchen setzt auf „Ethik statt Monetik“, Kooperation und Kommunikation

Mr. Bean ist eindeutig ein Wackelkandidat. Der britische Komiker zappelt als Plastikfigur im Regal; gegenüber wartet der amerikanische Präsident Donald Trump als Antistress-Ball auf Zeitgenossen mit Wut im Bauch. Die allerdings sind eher seltene Gäste im Holzwürmchen, dem Spielzeugladen von Wolfgang Müllenmeister an der Kölner Straße 48 in Wermelskirchen. „Ich möchte, dass hier jeder glücklich rausgeht“, sagt der Herr über Schlümpfe und Einhörner, Brummkreisel und Furzkissen, Seifenblasen und Wolkenschleim. Dass die Kunden beim Betreten des Ladens an Bagger und Betonmischer vorbeimüssen, stört niemanden – im Gegenteil. Die Miniatur-Baustelle ist meistens vom Nachwuchs besetzt. „In einem Spielwarenladen muss man auch spielen können“, findet der Besitzer, der alles andere als dem Klischee eines Spielzeughändlers entspricht, den man in Zeiten von Ebay und Amazon nur noch aus rührseligen Filmen kennt. Wolfgang Müllenmeister ist auch kein schrulliger Tüftler, sondern ein fitter 62-Jähriger, der seine Freizeit gerne mit „Radmeditationen“ auf dem Mountainbike verbringt. Aus der Zeit gefallen ist allenfalls sein Rockabilly-Faible, das sich in Tolle und Koteletten widerspiegelt.

„Bleib jung und setz dich  mit der Welt auseinander!“ Wolfgang Müllenmeister, Holzwürmchen

„Mit 18 habe ich mir geschworen, niemals alt zu werden“, schmunzelt der gebürtige Lenneper. Seit 1982 ist der gelernte Tischler und Restaurator selbstständig, hat alte Möbel aufgearbeitet und später Holzspielzeug dazugenommen. Vor zwölf Jahren sagte er den Antiquitäten Adieu und schwenkte um auf einen „reinrassigen Spielzeugladen“. Was er anbietet, muss „pädagogischen Nährwert haben und/oder Spaß machen“. Ausgestattet mit einem Argwohn gegen den Mainstream, lässt er längst nicht alles ins Regal, was gerade trendy ist. „Ich verkaufe nicht meine Seele“, verkündet er mit Überzeugung. „Ethik statt Monetik“ lautet seine Devise. 

Bei der Zusammenstellung des Sortiments beraten ihn unter anderem Ehefrau Daniela, die Sozialpädagogin und Logopädin ist, sowie Freunde, deren Empfehlungen für Gesellschaftsspiele via Aufsteller im Regal landen und dem Kunden die Auswahl erleichtern. Dabei bedient das Angebot alle Altersstufen, reicht von der Babyrassel über Sets für kleine Heimwerker und Pferdefreunde bis zum „Nostalg-o-mat“ für Senioren. Zurzeit bindet er auch Heranwachsende mit ein: 39 Schüler des Berufskollegs Mettmann arbeiten an Entwürfen für ein neues Logo. 

Dass sich das Holzwürmchen gegen die Konkurrenz von Ebay und Amazon durchbeißen kann, liegt auch am Service, den Müllenmeister seinen Kunden bietet. „Manche kommen ja schon mit einem ausgedruckten Preisdiktat hier rein“, erzählt er kopfschüttelnd. „Denen mache ich dann einen fairen Preis.“ Der ist zwar immer noch höher als das Preisniveau der Internetkonkurrenz, „aber wenn ich den Leuten dann erkläre, dass ich die Differenz als Gewerbesteuer an die Stadt abführe und damit dazu beitrage, dass die Infrastuktur erhalten bleibt, sind die Kunden einverstanden.“ Amazon ist dann zwar immer noch billiger, „aber wir sind netter“, grinst der Familienvater, der auch mit einem Spielzeugladen in Hückeswagen kooperiert. „Nur so können wir alle überleben.“

Gut an kommen auch die Gutscheine für Neugeborene sowie die Geburtstagskörbchen, die wie ein Hochzeitstisch funktionieren: Das Kind legt seine Wunschartikel rein und Freunde, Nachbarn und Verwandte können dann im Geschäft auswählen, was sie verschenken möchten. Überhaupt wird Service großgeschrieben: Geschenke werden auf Wunsch verpackt, Spiele dürfen ausprobiert werden, und umgetauscht wird auch ohne Kassenzettel. Und wenn bei einem Spiel mal ein Ersatzteil fehlt, macht der Chef ein neues Paket auf und ordert das fehlende Teil später beim Hersteller. „Ich biete Lösungen an, keine Probleme“, sagt er.

Kein Wunder, dass sich Kinder bei ihm ebenso wohl fühlen wie beispielsweise Großeltern, die drei Tage die Enkel beschäftigen möchten, urlaubende Engländer mit Faible für Holzspielzeug oder der örtliche Pfarrer, der „Krachmacher“ für eine Hochzeitsfeier sucht und im Laden Kuckucks-flöte und Entenpfeife ausprobiert. Manche, die er schon als Kinder bedient hat, kommen mittlerweile als Eltern ins Geschäft. Man kennt sich und die Vorlieben. Das gilt auch für Heidi Krause, eine von insgesamt sieben Mitarbeiterinnen, die ihn schon seit 25 Jahren unterstützt. 

Ruhestand ist im Leben von Wolfgang Müllenmeister einstweilen nicht vorgesehen. Am liebsten würde er noch mit 100 hinter der Theke stehen, Ballons mit Helium abfüllen, Geschenktipps geben und die Kunden beraten. „Bleib jung und setz dich mit der Welt auseinander“, sagt er sich. Dazu gehört auch kritisches Engagement in der eigenen Kommune. Dem verkaufsoffenen Sonntag im Advent verweigert sich der engagierte Christ beispielsweise, „weil wir meinen, dass Besinnlichkeit besser zu einem Adventssonntag passt als Rummel, und weil wir wissen, dass es außer Gewinnmaximierung noch andere Werte gibt“.

Karin M. Erdtmann

www.holzwuermchen-wk.de