20 Jahre TechnologiePark und Rheinisch-Bergisches TechnologieZentrum

Die Bilanz nach 20 Jahren ist eindeutig: TechnologiePark und Rheinisch-Bergisches TechnologieZentrum (RBTZ) in Bergisch Gladbach haben sich als wichtiger Motor für die regionale Wirtschaft und als perfekter Standort für erfolgreiche Unternehmen bewährt.

Das war 1994 so noch nicht absehbar, als Siemens Interatom nach 35 Jahren nuklearer Forschung am Bockenberg ankündigte, den Standort zu schließen, und viele der übrig gebliebenen 800 hoch qualifizierten Beschäftigten (in Spitzenzeiten waren es rund 1.800 Mitarbeiter) ihren Job verloren.

Martin Westermann, schon damals für die städtische Wirtschaftsförderung tätig, erinnert sich noch gut an viele Gespräche, die damals geführt wurden – und in denen über die Zukunft des Areals samt Infrastruktur diskutiert wurde. „Die Topografie mit 25 Metern Höhenunterschied machte die Fläche für potenzielle Investoren unattraktiv, zumal es zu dieser Zeit noch viele freie Flächen im Umkreis gab.“ So entstand die Idee eines privat betriebenen TechnologieParks – in Kombination mit einem öffentlich-rechtlich geführten TechnologieZentrum als Gründerschmiede. Dieses innovative duale Konzept hat sich schnell als tragende Säule erwiesen: „Groß profitiert von klein und umgekehrt“, sagt Martin Westermann über das duale Erfolgskonzept. Und auch die RBW arbeitet eng und gut mit beiden Partnern zusammen – mit dem RBTZ beispielsweise regelmäßig im Rahmen der Beratung für Existenzgründer, mit dem TechnologiePark jüngst bei der gemeinsamen Präsentation des Standorts auf der internationalen Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München.

Zur Starthilfe des RBTZ gehört eine umfangreiche und kostenfreie Beratung für innovative, technologieorientierte Start-ups, die flexibel und kostengünstig Flächen an einer renommierten Adresse anmieten und zentrale Infrastruktureinrichtungen und Services – wie das Sekretariat – mitnutzen können. Benötigt ein Gründer aus dem RBTZ irgendwann mehr Fläche, kann er in den TechnologiePark ziehen. „Die Flächen sind sehr flexibel anmietbar und können den jeweils aktuellen Bedürfnissen angepasst werden“, sagt Parkmanager Albert Hanseder-Schiessl. „Solch ein Paket könnte ein kleines TechnologieZentrum nicht bieten“, sagt RBTZ-Geschäftsführer Westermann, der mit seinem Team im Laufe der Zeit 750 Gründungsvorhaben betreut hat. 250 davon sind zur Gründung gekommen, 110 hatten oder haben ihren Sitz an der Friedrich-Ebert-Straße.

Schätzen die Vorteile des Standorts TechnologiePark (v. l.): Dieter Porzberg, Dr. Michael Peiniger, Martin Westermann und Parkmanager Albert Hanseder-Schiessl. Foto: Nieländer

Schätzen die Vorteile des Standorts TechnologiePark (v. l.): Dieter Porzberg,
Dr. Michael Peiniger, Martin Westermann und Parkmanager Albert Hanseder-Schiessl. Foto: Nieländer

Eines dieser Unternehmen, das eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat, ist die OEVERMANN Networks GmbH. „Wir haben 1994 zu dritt gegründet und saßen in eineinhalb Räumen neben der heutigen Poststelle“, erinnert sich Mitgründer und Geschäftsführer Dieter Porzberg. „Das war damals noch Hochsicherheitstrakt und Besucher mussten sich mit Ausweis legitimieren“, erinnert er sich schmunzelnd. „Hätte es diese Möglichkeit der Ansiedlung nicht gegeben, wären wir wohl nach Köln gegangen“, sagt Porzberg. Nach zwei Umzügen innerhalb des Geländes beschäftigt
OEVERMANN heute 90 Mitarbeiter und hat rund 1.500 Quadratmeter angemietet. Am Standort schätzt Porzberg neben der guten Erreichbarkeit die Möglichkeit, große Server betreiben zu können – bei günstigen Strompreisen.

„Wir sind der Dinosaurier im Park, aber nicht ausgestorben“, sagt Dr. Michael Peiniger, Geschäftsführer der Research Instruments GmbH, lachend. Zunächst wickelte das Unternehmen restliche Projekte von Siemens Interatom ab und übernahm dafür die Sonderfertigung. „Nun zieht man mit großen Maschinen nicht mal eben um“, sagt Peiniger, „aber wir wären nicht mehr hier, wenn wir uns nicht wohlfühlen würden.“ Er schätzt die Campus-Atmosphäre und freut sich, dass seit einiger Zeit wieder investiert wird. „Wir haben in der Tat viele Instandhaltungsrückstände aufgearbeitet“, sagt Albert Hanseder-Schiessl. So wurde die marode Kanalisation erneuert, in die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Verkabelung mit ultraschneller Lichtwellentechnik und Errichtung eines parkeigenen WLAN-Netzes) investiert und ein hocheffizientes Blockheizkraftwerk gebaut. Nach und nach soll der TechnologiePark zum Green Park werden – auch durch Errichtung von Solaranlagen. Parallel wird in die Gebäude investiert, die repräsentativere Eingangsbereiche erhalten und sicherer werden sollen. „Wir sorgen für den Werterhalt des Grundstücks und setzen auf Nachhaltigkeit“, sagt der Parkmanager. „Man könnte sagen, dass wir die Braut für potenzielle Käufer hübsch machen.“

Dr. Michael Peiniger hat seinen Mietvertrag gerade um zehn Jahre verlängert. Insgesamt sind im TechnologiePark rund 80 Prozent der rund 75.000 Quadratmeter Mietfläche vermietet. „Etwas mehr darf es gerne noch werden“, so Albert Hans-eder-Schiessl. „Die 100 Prozent streben wir nicht an, denn dann verlieren wir die Flexibilität, mit der wir punkten können.“ Derzeit arbeiten im TechnologiePark übrigens rund 2.400 Menschen – also deutlich mehr als zu besten Interatom-Zeiten. „Wenn man bedenkt, dass wir 1994 vor einer Brache standen, können wir auf diese Entwicklung stolz sein“, sagt Martin Westermann.

Philipp Nieländer