Bei drei Veranstaltungen konnten sich Unternehmer informieren

Mit dem Auftakt der Veranstaltungsreihe „Flüchtlinge im Arbeitsmarkt: große Chancen – viele Fragen“ für Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis ist es gelungen, viele Fragen zu beantworten und Chancen zu identifizieren. Eingeladen hatten die RBW, das Jobcenter Rhein-Berg, die IHK zu Köln, die Kreishandwerkerschaft Bergisch Land und die Arbeitsagentur Bergisch Gladbach. Dass die Veranstalter mit dem Thema den richtigen Riecher hatten, bewiesen schon die über 30 Vertreterinnen und Vertreter ortsansässiger Unternehmen, die sich im Rathaus der Stadt Wermelskirchen eingefunden hatten.

Bürgermeister Rainer Bleek eröffnete in Wermelskirchen – beim ersten der drei Termine (danach fand die Veranstaltung in nahezu identischer Form in Rösrath und Bergisch Gladbach statt) – das Programm mit einem Bericht über die außerordentlichen Herausforderungen, die das Thema Flucht und Asyl auf kommunaler Ebene mit sich bringt. Dabei unterstrich er besonders das überragende ehrenamtliche Engagement in der Bürgerschaft. Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, präsentierte im Anschluss einen kompakten Überblick über die aktuelle Entwicklung der Flüchtlingszahlen. Auch für den Rheinisch-Bergischen Kreis gilt, dass etwa 60 Prozent der Zuwanderer zwischen 16 und 35 Jahre alt sind. Damit haben die Themen Ausbildung und Studium eine hohe Priorität.

Davor stehen jedoch neben dem Erwerb deutscher Sprachkenntnisse einige Hürden: Meist haben die jungen Zuwanderer keinerlei formale Nachweise über ihren Schulabschluss. Selbst in den wenigen Fällen, wo Zeugnisse vorgelegt werden können, muss laut Stefan Krause zunächst aufwendig die Vergleichbarkeit mit dem deutschen Bildungssystem geprüft und anerkannt werden. Auch das System der dualen Ausbildung – für uns eine Selbstverständlichkeit – sei in den Herkunftsländern unbekannt. Aus der Perspektive der jungen Zuwanderer erscheine es zunächst unattraktiv, drei Jahre lang für verhältnismäßig geringes Entgelt zu arbeiten. Sie stünden oft unter dem Druck finanzieller Verpflichtungen im Zusammenhang mit der eigenen Flucht und dem Nachzug von Familienangehörigen. Es koste deshalb in der Beratungsarbeit sehr viel Überzeugungskraft, dieses Prinzip zu vermitteln. „Dennoch“, so Stefan Krause, „stellen die Menschen, die im Rahmen von Flucht und Asyl zu uns kommen, sehr wohl ein Potenzial dar. Sie sind aber nicht die kurzfristige Lösung für unseren Fachkräftebedarf, sondern benötigen Begleitung und Qualifizierung. Wir sind der Meinung: Es lohnt sich, diesen Weg mit ihnen zu gehen.“

An drei Themeninseln standen im Anschluss die Experten der vier Veranstalter sowie der Ausländerbehörde, des gemeinsamen Arbeitgeberservices und des Inte-gration Point den Gästen Rede und Antwort.

Am Stand „Beschäftigung und Arbeitsmarkt“ herrschte großes Interesse an den Unterstützungs- und Förderangeboten von Arbeitsagentur und Jobcenter. Stark nachgefragt waren die Möglichkeiten der Einstiegsqualifizierung. Dieses Förder-instrument als Kombination aus einem Langzeitpraktikum (zwischen sechs und zwölf Monaten Dauer) mit dem Besuch der Berufsschule und eines Sprachkurses stellt eine besonders zielgruppengerechte Vorbereitung auf die betriebliche Ausbildung dar.

An der Themeninsel „Integration und Bewerbermarkt“ informierten Spezialisten des Integration Point über Qualifikationen und Potenziale der gemeldeten Bewerber. Auch hier spielte die Kombination von Beschäftigung mit flankierenden Sprach- und Qualifizierungsangeboten eine große Rolle. Verständlich wurden die rechtlichen Voraussetzungen für die Beschäftigung eines Zuwanderers als Praktikant, Auszubildender oder Arbeitnehmer erläutert.

Der dritte Bereich befasste sich unter der Überschrift „Sprachangebote“ mit Erläuterungen zu den unterschiedlichen Kursen, die derzeit im Kreis verfügbar sind.

Deutlich war bei allen Fragestellungen einerseits ein erhebliches Informationsbedürfnis, andererseits auch weiterhin hohes Interesse und große Einsatzbereitschaft der Arbeitgeber in dem Bestreben, die Chancen der aktuellen Situation zu nutzen. So lautete dann auch das Fazit von RBW-Geschäftsführer
Volker -Suermann: „Im Rahmen der Veranstaltung ist deutlich geworden, dass der Bedarf der Unternehmen vor allem auf konkrete Fragen zur Umsetzung in der Praxis abzielt. Eine pragmatische Hilfestellung vonseiten der Akteure im Bereich Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ist daher von großer Bedeutung. Eine sinnvoll aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit dieser Akteure ist ein guter Schritt. Wir wollen auch weiterhin gemeinsam daran arbeiten, diese Koordination auszubauen, um sowohl die Arbeitgeberseite adäquat zu unterstützen als auch Flüchtlingen einen guten Start im Rheinisch-Bergischen Kreis zu ermöglichen.“

Sebastian Geiger, Rheinisch-Bergischer Kreis


Informationen für Unternehmen: Sonderseite zum Thema „Flüchtlinge“

Auf vielfache Nachfrage hat die RBW eine Sonderseite mit ausgewählten Informationsangeboten zur Beschäftigung von Flüchtlingen und Asylbewerbern erstellt. Unternehmen können dazu beitragen, Flüchtlingen und Asylbewerbern über Praktika oder Ausbildung den Schritt in ihr neues Leben zu vereinfachen. Verschiedene Institutionen bieten dabei ihre Hilfe und Unterstützung an.

www.rbw.de/sonderseite-fluechtlinge.aspx