Buchhandlung Ute Hentschel: Burscheiderin trotzt der Internet-Konkurrenz

Sie sind alle da: Pippi Langstrumpf und der Schimmelreiter, Kommissar Wallander, Schneewittchen, Bis-marck und Picasso. In Burscheid warten sie in Ute Hentschels Buchhandlung – nach Rubriken sortiert –, bis jemand sie aus dem Regal erlöst. „Es gibt keine gute und keine schlechte Literatur, sondern es gibt höchstens gute und langweilige Literatur“, ist die Buchhändlerin überzeugt, die schon als Kind Bücherverkaufen am Bügelbrett spielte und seither liest und liest: „Krimis, Literatur, experimentelle Sachen, Kunst, Architektur, Fantasy – oft fünf Bücher pa-rallel. Es gibt für jede Stimmung das passende Buch!“

Diese Vielfalt der 50-Jährigen ist ein unschätzbares Plus. Denn Ute Hentschel kann Kunden nicht nur optimal beraten und auf neue Lesefährten setzen, sondern sie hält zudem ein äußerst vielseitiges Sortiment vorrätig. Da wimmelt es von Krimis, Liebesromanen, Kunstbänden, Bilderbüchern, Architekturwerken, Büchern zur Region, Reise- und Wanderführern. Allein das Kochbuchregal ist zehn Meter lang. Auch die Kinder- und Jugendbuchabteilung gilt als größte im weiten Umkreis. Dasselbe gilt für die Kartenauswahl, hinzu kommen Geschenkartikel, Spiele, Hörbücher.

Wer in dem gemütlichen Ambiente mit alten Holzdielen nach Lesefutter sucht, stößt nicht nur auf Bestseller und Mainstream-Bücher à la „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes, sondern auch auf Ausgefallenes wie „Säubern und Vernichten – Die politische Dimension von Massakern und Völkermorden“ von Jacques Sémelin und die Sarah-Kirsch-Gesamtausgabe. „Die kaufe ich, weil ich denke, das sind wichtige Bücher, die muss ich hier stehen haben.“ Die engagierte Buchhändlerin legt Wert auf ihr breit gefächertes Sortiment – ein Lagerbestand von immerhin 160.000 Euro. Für eine Kleinstadt ein außergewöhnliches Angebot. Wer doch etwas vermisst, kann bis 18.30 Uhr telefonisch oder bis 14 Uhr online bestellen und es anderntags ab 10 Uhr abholen. So schnell ist kaum Internetware. Dem Online-Handel bietet die Burscheiderin auch noch mit anderen Ideen die Stirn. Als sie sich vor zehn Jahren – nach langer Angestelltenzeit – mit ihrer Buchhandlung an der Hauptstraße selbstständig machte, wollte sie nicht nur Bücher verkaufen, sondern einen Ort für Kommunikation und Kultur schaffen. Dafür musste die Atmosphäre stimmen. Ute Hentschel verwandelte daher vier kleine hintereinanderliegende Altbau-Räume, wo noch Nähmaschinen eines Sattlers standen, in eine durchgehende wohnliche Stöberlandschaft. Manchmal sitzen Kunden sogar auf den Dielen statt im Sessel, weil sie sich wie zu Hause fühlen.

„Vom ersten Tag an war Umsatz da“, so Ute Hentschel. Dass das so blieb, liegt außer an ihrem Know-how und dem Ladenflair auch an jährlich 60 bis 70 Veranstaltungen, mit denen die Buchhandlung das Burscheider Kulturleben belebt. Es gibt Krimi-Abende, Konzerte, Vorlesen für Kinder, „Literatur im Gespräch“ und die – oft genutzte – Chance, sich abends allein im Laden einschließen zu lassen (siehe Kasten). Ute Hentschel, die vor der Buchhändlerin-Ausbildung ein Literatur- und Philosophiestudium abschloss, informiert zudem regelmäßig über Neuheiten – von Lyrik bis Ratgeber.

Ute Hentschel hat viele der Bücher, die sie in ihrem Burscheider Laden anbietet, selbst gelesen und kann so auch sehr individuelle Empfehlungen aussprechen. Foto: Glaser

Ute Hentschel hat viele der Bücher, die sie in ihrem Burscheider Laden anbietet, selbst gelesen und kann so auch sehr individuelle Empfehlungen aussprechen.
Foto: Glaser

Das Know-how der 50-Jährigen mit 60-Stunden-Woche ist gefragt. Von 2011 bis 2014 holte der Jugendliteraturpreis sie in seine Jury. Sie schreibt für Fachzeitschriften, hält Vorträge und Seminare. „Es ist ein Privileg, eine Arbeit zu machen, die man liebt“, sagt Ute Hentschel. Zugleich ist ihr wichtig, sich mit den acht Beschäftigten als Wirtschaftsunternehmen zu profilieren – gegen den Online-Buchhandel. Und E-Books? Ute Hentschel nutzt sie selbst nicht: „Kein richtiges Buchgefühl!“ Und außerdem müsse man in Zukunft mit immer raffinierteren Tools rechnen. „Ich will nicht, dass jemand weiß, welche Texte ich wann gelesen, was ich überflogen und welche Stellen ich zweimal gelesen habe.“

Buchhandlung Ute Hentschel e. K.
Hauptstraße 26
51399 Burscheid
Tel.: +49 2174 8242
Fax: + 49 2174 894566

info@buchhandlung-hentschel.de
www.buchhandlung-hentschel.de

Geöffnet: montags bis freitags 9 bis 19 Uhr, samstags 9 bis14 Uhr und nach Vereinbarung

 

Events in der Buchhandlung

„Einschließen & Genießen“ Nach Ladenschluss kann sich eine Gruppe ab fünf Personen in der Buchhandlung einschließen lassen, um ungestört zu stöbern bei Rotwein, Prosecco und Knabbereien. Die Tür wird erst nach der vereinbarten Zeit wieder aufgeschlossen – nach zwei oder vier Stunden oder spät in der Nacht.

„Literatur im Gespräch“ Einmal im Monat stellt Ute Hentschel ein Buch und dessen Autor/-in vor und regt zum Gespräch an.

„Vorlesen für Kinder“ Jeden zweiten Samstag im Monat wird ab 11 Uhr Kindern vorgelesen und dazu gebastelt. Eintritt frei.

„Konzert in der Buchhandlung“ In loser Folge spielen Bands live zwischen den Büchern.

 

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