Miteinander an einem Tisch: Cynthia Kipke, 16 Jahre, Schülerin am Albertus-Magnus Gymnasium in Bergisch Gladbach, Melina Suck, 19 Jahre, angehende Journalismus-Studentin, Maurizio Szymanski, 23 Jahre, Azubi zum Elektriker bei Neuhalfen Elektrotechnik in Overath, Joachim Ferrier, 62 Jahre, Ausbildungsleiter bei Federal Mogul in Burscheid und Karl-Josef Esser, 60 Jahre, Altmeister der Odenthaler Kunstschmiede.

punkt.RBW: Die Generation Z  hat ja teilweise nicht den allerbesten Ruf. Können Sie die Attribute der Generation Z für sich annehmen?
Melina: Nein, also ich würde schon behaupten, dass wir zielstrebig sind. Ja, viele haben Probleme mit der Entscheidungsfindung beim Job, dass sie sich wirklich nicht sicher sind, was sie machen sollen. Das liegt aber auch größtenteils daran, dass wir schon so früh Abitur gemacht haben. Ich wusste, was ich machen will und arbeite darauf hin zu und ziehe das durch.
Cynthia: Ich würde zustimmen. Viele Leute wissen es gar nicht, was sie machen sollen. Ich weiß es auch noch nicht sicher, ich suche noch und es verändert sich auch. Ich glaube nicht, dass wir faul sind. Ich glaube eher, dass wir zum Teil überfordert sind. Es macht auch Druck, dass viele Leute studieren wollen und wenn man dann nicht so genau weiß, was man machen will, braucht man auf jeden Fall ein gutes Abi und dann ist man schon auf Leistung aus.

punkt.RBW: Wie ist das bei Ihnen, Maurizio? Sie sind sehr zielstrebig – am Ende ihrer Ausbildung. Waren Sie immer so leistungsorientiert und wie erleben Sie das in Ihrem Umfeld?
Maurizio: Also, wenn ich mich zum Beispiel bei einer Klausur umsehe, da rechne ich wirklich damit, dass der größte Teil durchfliegt. Weil wirklich viele eine Einstellung haben: Kommste heute nicht, kommste morgen. Lernen ist da kein großes Thema. Es gibt wirklich nur eine handvoll Leute – mich eingeschlossen – die da sitzen und büffeln. Und Kollegen, die Schwierigkeiten haben, denen versuche ich auch zu helfen.

punkt.RBW: Woran liegt es denn, dass viel junge Leute so unmotiviert sind?
Maurizio: Die meisten Kollegen haben einfach eine Bewerbung geschrieben, damit sie was haben, damit die Eltern zufrieden sind. Und wenn man sich dann umhört und fragt: Warum bist Du denn eigentlich hier? Dann kommt oft die Antwort: Ja, eigentlich wollte ich was mit Autos machen – aber ich habe keinen Ausbildungsplatz bekommen. Das ist wirklich ein großes Thema, dass viele junge Leute nicht wissen, was sie wirklich lernen möchten. Und dann geht die Motivation flöten – vor allem wenn auch noch der Prüfungsdruck dazu kommt, da ist der größte Teil wirklich überfordert.

punkt.RBW: Kann die Berufsschule da motivieren und helfen?
Maurizio: Ein wenig, aber irgendwann ist auch bei den Lehrern der Geduldsfaden am Ende. Die sagen dann irgendwann: Ich habe meinen Gesellenbrief, was ihr macht, ist Eure Sache. Was ich oft nachvollziehen kann. Denn häufig ist es so, dass der Unterricht läuft und die Hälfte in der Klasse spielt mit dem Handy herum.

punkt.RBW: Herr Ferrier, haben Sie motiviertere Auszubildende?
Ferrier: Viele Azubis, die sich bei uns bewerben, wissen auch oft nicht so genau, was auf sie zu kommt. Ich habe auch oft das Gefühl, wir sind der Plan B, weil viele Sachen vorher nicht funktioniert haben. Ich weiß nicht, warum das so ist, weil man in der heutigen Zeit doch vielfältige Möglichkeiten hat, sich über Berufe zu informieren.  Viele Betriebe, wie wir auch, gehen in die Schulen und informieren die Schüler. Trotzdem gehen viele immer noch weiter zur Schule und sie wählen häufig dann auch im Berufskolleg Fachbereiche, wo sie später merken, dass das doch gar nichts für sie ist. Man hätte im Vorfeld direkt mit einer Ausbildung schon viel mehr gewinnen können. Die Azubis, die von vorneherein wissen, was sie wollen, sind motivierter.

punkt.RBW: Hat sich denn da in den letzten Jahren etwas geändert? Waren Jugendliche vor einigen Jahren noch zielstrebiger und wussten eher, was sie wollen?
Ferrier: Früher war es natürlich so, dass viele Jugendliche schon von zuhause aus mal was gebastelt haben, zum Beispiel mit dem Vater im Keller oder am Trecker mal geschraubt haben. Dadurch war das Interesse, einen technischen Beruf zu erlernen, direkt viel größer. Diese Jugendlichen findet man heute so gut wie gar nicht mehr. Man sieht es auch anhand der digitalen Medien, die sind für viele ein Hobby geworden, eher als zuhause mal ein Vogelhäuschen zu bauen.
Esser: Das fällt mir in den letzten Jahren auch immer mehr auf: Die Jugendlichen sehen unseren Ausstellungsraum und sagen, das möchte ich auch mal können. Aber nach den ersten drei bis vier Monaten, wenn sie sehen, welche Mühe, welches Knowhow, welche Arbeit dahinter steckt, das bis zur Perfektion zu beherrschen, werfen einige vorher den Handschuh und sagen, das ist mir die Sache nicht wert. Und ich kann es nur für unseren Betrieb sagen, aber um unsere Fertigkeiten zu erlernen, ist die Ausbildung zu kurz. Deshalb lassen wir die Azubis auch samstags kommen oder auch mal abends. Und da haben wir riesige Probleme, weil der Freizeitfaktor sehr hoch geschrieben wird. Der persönliche Wille zu sagen, ich verzichte auf die Freizeit und konzentriere mich jetzt wirklich mal drei Jahre auf diesen Beruf – dieser Wille ist häufig nicht mehr da. Ich möchte nicht pauschalisieren, es gibt auch Einzelfälle, aber größtenteils ist der Wille nicht mehr da. Und das gibt Probleme. Früher gab es Volksschule, Mittelschule, Gymnasium – das Handwerk war für den Mittelschüler perfekt. Heute sagen die Azubis nach vier Monaten, mein Leben lang in der Schmiede stehen – das möchte ich nicht. Wobei – Handwerk hat ja Zukunft und Perspektive und ich bin enttäuscht, dass immer weniger junge Leute sagen, ich opfere jetzt ein paar Jahre, aber am Ende hat es sich gelohnt. Wer eine gute Handwerksausbildung hat, wird nie hungern.

punkt.RBW: Wie versuchen Sie die Jugendlichen denn trotzdem zu begeistern?
Esser: Das ist ein großes Problem! Ich versuche, gute Argumente zu liefern: Die Azubis bekommen Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, wir machen ein private Rente. Ich bin als Ausbilder individueller als die Industrie. Wir arbeiten heute in Berlin, morgen in Hamburg, dann am Kölner Dom oder der Severinskirche. Es ist eine große Vielfalt an Anforderungen, die sich Woche zu Woche ändern. Wir haben zum Beispiel die Blutsreliquie in die Papstreliquie im Kölner Dom eingebaut, wir haben in Venedig gearbeitet – und damit versuche ich, die Jungs zu überzeugen: Wollt Ihr Euer Leben lang bei einem großen Betrieb durch’s Tor gehen oder mehr Abwechslung? Aber so eine Ausbildung ist halt auch eine lange Zeit – dreieinhalb Jahre.
Melina: Ich glaube, das ist auch ein Problem unserer Generation, dass wir auf der Suche sind nach dem perfekten Job. So wie Herr Esser das auch gesagt hat: Viele brechen einfach ihre Ausbildungen ab, da kenne ich auch so viele. Viele haben ein Ausbildung angefangen und sagen, es gefällt mir nicht hundertprozentig, zu 80 Prozent vielleicht, aber das reicht mir nicht. Aber ich glaube auch, dass es am Anfang auch schwierig ist, abzusehen, wie die Ausbildung wirklich wird, weil man von dem Angebot so erschlagen wird.
Esser: Das ist auch schwierig. Früher war es ja auch noch so, dass der Handwerker im Dorf war, die Kinder spielten und dabei wurden sie mit den verschiedenen Handwerkern konfrontiert. Heute sind die Handwerksbetriebe meistens in die Industriegebiete verbannt und die Türen sind geschlossen. Wie soll denn ein Jugendlicher da überhaupt mal ein Gefühl dafür bekommen, was ihn erwartet?!
Cynthia: Ich muss Ihnen zustimmen – also mein Papa bastelt mit mir noch. Mein Bruder auch, der schmiedet sogar auch. Aber ansonsten hat man keinen Kontakt zum Handwerk.
Maurizio: Also für mich war schon in der Schule klar, was ich machen will, weil Physik das Fach war, bei dem ich am meisten aufgepasst habe und Elektrotechnik hat mich schon immer interessiert. Ordentliche Weiterbildungsmöglichkeiten hat man auch, das war mir auch sehr wichtig. Denn ob ich jetzt mein Leben lang Elektriker sein möchte, weiß ich auch nicht. Ich kann zum Beispiel meinen Meister machen oder meinen Techniker oder in die Industrie gehen.
Melina: Aber genau das ist es ja: Unsere Generation hält sich immer alle Optionen offen. So sind wir! Wir studieren nicht eine Sache komplett, wir studieren etwas, womit man viele Sachen machen kann.
Ferrier: Es hat aber auch etwas damit zu tun, ob man übernommen wird nach der Ausbildung, bzw. einen Job bekommt. Bei dem aktuellen Fachkräftemangel wissen die Leute, die gerade bei uns in der Ausbildung sind, dass sie gebraucht werden. Und das ist für diese Generation ja eigentlich auch ganz wichtig, weil sie ja eigentlich diesen abgesteckten Rahmen wieder brauchen. Nach dem Motto: Hier ist meine Arbeit und das ist meine Freizeit und das möchte ich auch trennen. Und wenn ihr mir das als Betrieb nicht leisten könnt, dann gehe ich woanders hin. Und genau diesen Fall hatten wir jetzt auch. Ein junger Mann, der seine Ausbildung bei uns gemacht hat und der von uns einen gut bezahlten Facharbeiter-Platz angeboten bekommen hat. Aber es war nicht der Platz, den er sich vorgestellt hat und dann hat er gesagt, gut, dann gehe ich.

punkt.RBW: Was aber auch wieder typisch für die Generation ist: Die weiß, was sie zu bieten hat, viel vom Arbeitgeber verlangt und auch nicht mehr so loyal dem Arbeitgeber gegenüber ist. Was muss ein guter Arbeitgeber denn mitbringen?
Cynthia: Ich glaube, wir wollen uns nicht unbedingt auf eine Sache fokussieren und uns dann eventuell langweilen, sondern wir wollen diese Vielfalt, dass wir die Chance sehen, auch nochmal woanders hinzukommen. Also, wir können ja schon viel gleichzeitig machen, damit sind wir ja aufgewaschen: mit drei Bildschirmen. Wichtig ist auch, dass man nette Menschen um sich hat und Abwechslung und dass man sich komplett wohl fühlt und eben nicht nur 80 Prozent. Und das ist eben so schwierig, weil es so viel gibt und wann ist man schon 100 Prozent zufrieden?

punkt.RBW: Gibt es neue Angebote, um die Jugendlichen zu motivieren? Oder auch um eine neue Form der Kommunikation oder auch Loyalität zu schaffen?
Esser: Wir sind ein Betrieb mit 9 Mann und wir sind bereit, uns da auch individuell auf einen Azubi einzustellen. Wenn jetzt jemand zum Beispiel die Arbeitszeit nach einer Freizeitaktivität richten will oder Urlaub möchte, da sind wir sehr flexibel. Es ist halt immer ein Geben und ein Nehmen. Das versuche ich von Anfang an rüber zu bringen. Wir hatten zum Beispiel einen, der ist für ein halbes Jahr nach Australien gegangen – das haben wir alles möglich gemacht. Die Azubis sollen zu mir kommen und mit mir offen reden, dann kann man alles regeln. Der Facharbeiter ist unser Kapital, Maschinen kann ich kaufen. Für die Facharbeiter muss ich selber als Arbeitgeber sorgen, dass die da sind. Das ist auch der Vorteil der Generation Z: Die diskutieren ja über alles, so viele Möglichkeiten hatte man ja noch nie.

punkt.RBW: Und ist das gut?
(Allgemeines Gelächter)
Esser: Doch, ich finde es in Ordnung. Wenn der Ton stimmt und die Sachlichkeit stimmt, ist das gar kein Problem. Ich bin ein Freund von einem ordentlichen Anreden und dann gebe ich das auch wieder zurück. Ich will ja auch von dem Lehrling was lernen.

punkt.RBW: Wie ist es mit der Kritikfähigkeit der Generation Z bestimmt?
Ferrier: Also die jungen Leute sind ja alle bei Facebook und da werden Sachen eingestellt und dafür bekommen sie dann ein Like, aber es gibt kein No Like. Und wenn ich jetzt in der Fertigung sage, hör mal das ist jetzt aber qualitativ nicht in Ordnung, das musst du nochmal neu machen, dann bricht für viele eine Welt zusammen. Am Anfang der Ausbildung verstehen sie das noch nicht, weil sie sich so eingeprägt haben, dass alles was sie machen, doch gut ist. Warum gibt der mir jetzt kein Like? Das ist schon zum Problem geworden und das dauert seine Zeit.
Esser: Ja, jetzt müssen wir als Ausbilder so halb psychologisch ran gehen, zwischen Kritik und gleichzeitig Schub und Aufbauen. Ich kann es mir auch nicht erlauben, dass die Azubis jetzt zwei Tage einen Durchhänger haben, weil mal was nicht richtig war.
Maurizio: Viele nehmen Kritik auch zu persönlich. Wir haben unsere Vorgaben: Ein Lichtschalter kann eben nicht auf 1,50 m. Wenn ich das dann einem Lehrling aus dem ersten Lehrjahr sage, dann ist es so, als hätte ich den zutiefst beleidigt. In der Berufsschule mit den Klassenkameraden ist es genauso. Wenn ich da helfen will und sage, dass eine Aufgabe falsch ist, kommt direkt eine Diskussion.

punkt.RBW: Überschätzen sich die jungen Leute?
Maurizio: Ganz klar, ja! Ich habe manchmal das Gefühl, dass die zuhause von den Eltern auf ein goldenes Podest gehoben werden.
Ferrier: Ja, da muss man auch sehen, woher kommt diese Generation? Die ist häufig aufgewachsen mit Helikopter-Eltern, die sie von A nach B gefahren und für alles gelobt haben. Diese Generation ist aufgewachsen mit Events, das fängt schon beim Kindergeburtstag an, der groß aufgezogen wurde. Und jetzt kommen die Azubis zu uns ins Unternehmen und erwarten wieder so etwas. Nach dem Motto: Ihr müsst mir etwas bieten, ich muss doch jetzt erst mal nichts machen. Und ganz ehrlich: Wir machen das auch noch. Wir machen ja seit Jahren schon eine Woche Segelfliegen in Wipperfürth mit unseren Auszubildenden. Das ist auch wieder ein Event, das wir ihnen zugestehen und erst danach fängt dann der Ernst des Lebens an.
Cynthia: Ich glaube, das ist bei den noch etwas Jüngeren aber noch extremer. Die wachsen komplett digital auf, sind noch behüteter und es wird alles noch mehr zum größeren Event und es steigert sich auch weiter.
Melina: Ich glaube auch, ich kann mit Kritik umgehen, aber nicht nur. Man muss auch mal loben. Von vielen Arbeitgebern kommt nur Kritik und dann fühlt man sich schnell nutzlos. Ich möchte nicht hören, das oder das ist schlecht, sondern, so kannst du es besser machen. Das geht häufig unter und es wird auch viel vorausgesetzt.

punkt.RBW: Also muss sich die Kommunikation auch verändern?
Ferrier: Ich kann nicht erwarten, dass sich 20 junge Leute auf mich einstellen, das geht nicht. Ich muss mich auf die jungen Leute einstellen – hätte mir das einer vor 20 Jahren gesagt, hätte ich das nicht geglaubt, aber es ist heute so! Es geht gar nicht anders. Wir müssen die jungen Leute so nehmen, wie sie kommen. Wir müssen nur einen vernünftigen Weg finden, miteinander zu arbeiten. Das hört sich jetzt auch alles so negativ an, das ist es gar nicht. Es gibt auch viele positive Sachen dabei. Zum Beispiel, was den Umgang mit digitalen Medien angeht – das kommt ja immer mehr. Das merke ich auch bei uns: Die Jugendlichen sind gewohnt, mit dem Handy zu arbeiten. Die verstehen gar nicht, wenn ich sage, bei uns ist Handyverbot bei der Arbeit.

punkt.RBW: Stichwort Sozialkompetenz – fehlt die der jungen Generation?
Maurizio: Mir sind Umgangsformen wichtig. Man hat ‚Guten Tag‘ und auch ‚Auf Wiedersehen‘ zu sagen. Wenn der Lehrling aus dem ersten Lehrjahr plötzlich um 15 Uhr ohne ein Wort weg ist und ich suche ihn eine halbe Stunde, dann hat er am nächsten Tage ein Problem. Das geht gar nicht. Auch morgens in der Firma, sage ich ‚Guten Morgen‘ und später auch ‚Schönen Feierabend‘. Viele andere lassen das aber einfach.
Melina: Vielleicht trauen sich viele aber auch nicht, weil ja immer die Helikopter-Eltern alles geregelt haben und sie nicht das Selbstbewusstsein haben.
Esser: Es ist wichtig, auf der Baustelle dem Kunden gegenüber ‚Tag‘ und ‚Tschüss‘ zu sagen. Und was mir auch aufgefallen ist: Wenn die Azubis mal ein privates Problem haben, dann bricht die Welt zusammen, dann geht nix mehr auf der Baustelle. Ich weiß nicht, ob die Generation Z so labil ist, dass sie nicht stark genug ist, dann auch mal zu sagen, das schiebe ich jetzt weg und ich mache jetzt hier meinen Job.

punkt.RBW: Merkt man fehlende Sozialkompetenz auch schon im Bewerbungsgespräch?
Ferrier: Man merkt, dass sich durch unsere Einführungswoche die Umgangsformen dann schon ändern, wenn es am Anfang noch etwas holprig ist. Ich muss aber auch sagen, wir haben auch einen jungen Flüchtling aus Guinea, der jetzt bei uns arbeitet: Der hatte die guten Umgangsformen von Anfang an. Er ist sehr fleißig, wissbegierig und es macht sehr viel Spaß mit ihm zu arbeiten.

punkt.RBW:  Wie läuft der Umgang zwischen den älteren Mitarbeitern und der Generation Z im Betrieb?
Ferrier: Ich kenne Betriebe, die ihre Mitarbeiter schulen, weil sie genau wissen, dass da eine neue Generation kommt. Und sie wollen so die älteren Mitarbeiter informieren, wie man mit den Jüngeren umgeht. Der Werkstattbetrieb ist ja mal etwas rauer, da weiß ich noch nicht, wie diese jungen Leute damit zurecht kommen.

punkt.RBW: Aber die Generation Z ist doch nicht nur schlecht! Was ist denn positiv?
Melina: Wir sind anpassbar und flexibel. Ja, wir wollen Freizeit, sind aber auch bereit, sie flexibel zu planen. Wir sind auch offen.
Maurizio: Ich zum Beispiel komme mit der älteren Generation bei der Arbeit besser klar als mit den Jüngeren. Da gibt’s klare Ansagen und da kann ich mit arbeiten. Wenn ich mir jetzt auf der Straße viele junge Leute angucke: Die sitzen schon mit 14 Jahren mit einer Flasche Bier da….sowas hätte es bei uns früher gar nicht gegeben.
Ferrier: Ich habe es auch schon erlebt, das jemand das ganz unbekümmert in einem Bewerbungsgespräch erzählt hat. Auf die Frage nach den Freizeitbeschäftigungen, sagte er, dass er nachmittags mit Freunden mit der Flasche Bier in der Stadt sitzt.

punkt.RBW: Ist das vielleicht das Plus dieser Generation: Diese Unbekümmertheit und die Entspanntheit? Kann das nicht auch positiv auf die ältere Generation abfärben, um auch mal Stress rauszukriegen?
Ferrier: Ja, vielleicht sieht das ein jüngerer Ausbilder auch mal ganz anders.
Esser: Die jungen Leute sind ja auch gut organisiert, was die Freizeit angeht. Ich finde das ja toll, wenn einer ganz klar sagt, ich muss dann und dann da hin –  zum Fußballtraining zum Beispiel. Das zeigt mir ja auch, er ist zuverlässig. Und sie stehen hinter dem, was ihnen wichtig ist. Was ich auch feststelle: Wir haben früher die Tage gezählt, dass wir mobil wurden. Ist auch nicht mehr so – die fahren mit 20 Jahren noch mit der Freundin mit dem Bus. Führerschein ist denen gar nicht wichtig. Und  das Auto ist auch kein Statussymbol mehr. Diese Konsequenz finde ich super, dass ein Auto mal nicht über allem steht.

punkt.RBW:  Nehmen die jungen Leute Autoritäten an?
Ferrier: Sie wollen schon zu Beginn auf Augenhöhe angesprochen werden – man muss sich erst mal den Respekt erarbeiten.
Esser: Also, wenn mich die Azubis am Ambuss sehen, dann wissen die schon was los ist. Sie dürfen aber auch keine Berührungsängste haben.  Aber wenn ich bei uns merken würde, dass meine Autorität angekratzt wäre, dann würde ich mich wehren. Aber ich gebe auch klare Regeln vor: Ich möchte morgens saubere Arbeitskleidung und geputzte Schuhe, das gehört sich auch gegenüber dem Kunden so. Aber ich erkläre es den Azubis auch, warum das wichtig ist, weil wir ja den Kunden zufrieden stellen wollen. Man muss die Regeln schon erklären.
Cynthia: Das ist auch wichtig was die Kritikfähigkeit angeht: Wenn man erklärt, warum etwas so sein muss, dann kann man Sachen viel besser annehmen.
Esser: Richtig, sie sollen die Dinge nicht für mich machen, sondern wir tun die Dinge für uns alle – für den Betrieb.

punkt.RBW:  Was würden Sie sich als Arbeitgeber denn von der Generation Z wünschen?
Ferrier: Vielleicht doch am Anfang erst mal annehmen, was wir erklären. In der Technik kann man nicht viel experimentieren, man muss Regeln befolgen. Das war früher schon anders. Heute versucht jeder erst mal, es anders zu machen – da kann ich erklären und erklären und erklären. Man muss auch mal was annehmen.
Esser: Das oberste Stichwort müsste einfach sein: Etwas mehr Zuverlässigkeit und Annahme. Es wird zu viel diskutiert.
Ferrier: Nicht immer alles in Frage stellen!

punkt.RBW: Und umgekehrt? Was wünscht sich der Nachwuchs vom Arbeitgeber?
Maurizio: Ich bin aktuell sehr zufrieden in meinem Betrieb. Förderung ist wichtig, der Chef hört sich meine Probleme an, er kümmert sich. Das finde ich gut. Aber an erster Stelle bei einem Arbeitgeber steht für mich ganz klar eine gute Förderung.
Melina: Flexibilität ist wichtig. Dass ich mich individuell ausleben kann. Zum Beispiel auch, wenn man Tattoos hat, dass das auch ok ist.
Cynthia: Sehe ich ähnlich. Mir ist auch wichtig, dass es nicht zu viel Einschränkungen gibt. Dass man Ansagen auch hinterfragen kann und dass die Anmerkungen auch angenommen werden und man damit etwas bewirken kann. Denn es ist ja so: Wir sind nun mal eine neue Generation und wir können damit auch neue Impulse geben.