Klaus Stöcker & Team Metallbearbeitung aus Wermelskirchen erhält Innovationspreis

Das kleine Metallteil hat eine feine Gitterstruktur mit unzähligen feinen Löchern. „Diese Struktur ist mechanisch nicht herzustellen“, sagt Arnd Meller. Es handelt sich um einen künstlichen Wirbel aus Titan. „Durch die Löcher kann es im Körper viel besser anwachsen“, so der Projektleiter Additive Fertigung. Hergestellt wurde das menschliche Ersatzteil im 3-D-Drucker der Klaus Stöcker Metallbearbeitung in Wermelskirchen. Für das Engagement in der 3-D-Technologie wurde das Unternehmen im November 2017 mit dem Mannesmann Innovationspreis ausgezeichnet.

„Ich war beeindruckt und gerührt“, sagt Klaus Stöcker. Doch bereits nach der Preisverleihung tauschte der 52-Jährige den ungewohnten Anzug gegen seine Arbeitshose und tüftelte bis zum Morgengrauen. „Es ging um einen Spezialauftrag, eine Metallstange mit verschiedenen Winkeln und Schrägen, mit viel Härteverzug und Spannungen“, erklärt der gelernte Universalfräser. Für solche Aufträge brauche er Ruhe und die habe er nur nachts. „Mich reizt es, wenn mein Team sagt: ‚Es geht nicht‘“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Filigrane Werkzeugteile, künstliche Titanwirbel, kleinste Hohlkörper – die Möglichkeiten der Metallverarbeitung mittels 3-D-Drucker ist vielfältig. Die herzustellenden Teile werden am Computer konstruiert und Schicht für Schicht aufgebaut. 

Das Wermelskirchener Unternehmen bearbeitet alles aus Stahl, NE-Metalle sowie Kunststoffe. „Werkzeuge, Verrichtungen, Maschinen und Prototypen“, zählt Stöcker auf. „Alles, was nicht Geländerbau ist.“ Schlossern könne sein Unternehmen zwar auch, doch solche Arbeiten seien nicht wirtschaftlich sinnvoll. Das Engagement in der 3-D-Technologie hält nicht nur Stöcker für wirtschaftlich. „Grund für diese Auszeichnung sind die getätigten zukunftsweisenden Maschineninvestitionen in die 3-D-Drucktechnologie, die Erprobung dieser neuen Technik in der Teilefertigung und die Bereitstellung von Dienstleistungen auf diesem Fertigungsgebiet für andere, regional ansässige Unternehmen“, sagte  Prof. Horst A. Wessel vom Förderverein MannesmannHaus im Rahmen der Preisverleihung.

1990 war dieser Erfolg noch nicht abzusehen. „Da hat alles angefangen, im Kuhstall auf dem elterlichen Bauernhof“, erzählt Stöcker. Aus einer Kneipenlaune heraus hatte er mit einem Freund die Firma gegründet. „Drehen, fräsen und schleifen nach Feierabend, damit wir mehr Geld zur Verfügung hatten als unsere Kumpels“, sagt der Firmenchef schmunzelnd. Nach der Ausbildung arbeitet Stöcker zunächst als Facharbeiter, danach als Terminverfolger. Kein angenehmer Job. „Du trittst allen auf die Füße und bist an allem schuld“, so Stöcker. „Doch das war wichtig zu lernen, für die eigene Firma.“

Drei Monate nach der Firmengründung gab Stöcker seine Festanstellung auf. „Wir sind durch Mundpropaganda gewachsen, haben nie Werbung gemacht, bis heute nicht“, so der Firmenchef. Sieben Jahre nach dem Start trennten sich die Geschäftspartner. „Die Frage war, ob wir weiter wachsen wollten oder nicht“, erinnert sich Stöcker. Damals hatte das Unternehmen vier Mitarbeiter und 70 Prozent der Aufträge kamen von einem einzigen Kunden. „Ich war gegen diese Abhängigkeit und wollte mehr Kunden.“ Heute hat das Unternehmen 30 Angestellte, fünf Lehrlinge und eine Stammkundschaft von rund 100 Kunden. Keiner dieser Kunden macht mehr als 15 Prozent des Umsatzes aus. „Wir sind auf keine Branche festgelegt. Wir arbeiten für die Automobilindustrie, die Versorger, Chemie- und Pharmabranche und für den Maschinenbau – alle im Umkreis von 80 Kilometern, wir sind ganz lokal.“

Wo soll der Betrieb in zehn bis 15 Jahren stehen? Diese Frage stellte Stöcker auf einem Führungskräfteseminar in den Raum. „Wir waren zu sechst, haben einfach drauflosgequatscht, wie es in Zukunft sein könnte“, erzählt Stöcker. „Da sind wir dann beim 3-D-Drucken hängen geblieben.“ Es folgte eine Analyse, wie sich die Umsätze mit einer solchen Technik entwickeln könnten. „Wir hatten nicht mehr als geballtes Halbwissen“, stellten Stöcker und seine Mitarbeiter bei der Recherche fest. Ein halbes Jahr dauerte die Entscheidungsfindung und der Firmenchef musste schlucken, als die Gesamtkosten vorlagen. „Der Maschinenpreis ist das eine. Doch man braucht noch viel drum herum, um vernünftig arbeiten zu können. Da waren wir mal eben siebenstellig.“

Mit der Entscheidung für zwei Drucker wurde ein anderes Problem akut. „Wir sind platzmäßig an unsere Grenzen gestoßen. Zum Schluss hatten wir drei Standorte, zwei in Emminghausen und einen in Dabringhausen“, sagt Stöcker. Durch die 3-D-Drucker wurden 100 zusätzliche Qua-dratmeter benötigt. „2016 haben wir dann diese Immobilie hier erworben und renoviert. Wir heizen komplett CO2-neutral mit Holzhackschnitzeln und produzieren unseren Strom mit der Fotovoltaik auf dem Dach zu einem Drittel selber.“

Die 3-D-Drucker waren geplant. Die Immobilie nicht. „Die beiden Investitionen waren eine Nummer, die man stemmen muss“, so der Unternehmer. „Dabei haben uns unsere Hausbanken super unterstützt.“

Die 3-D-Drucker stehen im Untergeschoss. Hier ist das Reich von Arnd Meller. „Die Technologie steht im Metalldruck noch ganz am Anfang“, ist der 43-Jährige überzeugt. Inzwischen gibt es rund 30 verschiedene Werkstoffe für den Metall–3-D-Drucker. „Das Material ist so kleinpulvrig, dass es sogar durch die Haut dringen würde“, erklärt Meller. Das herzustellende Bauteil plant er am Bildschirm. Dann übernimmt der Drucker. „Mittels Laser wird das Pulver Schicht für Schicht aufgetragen und geschmolzen.“ Das mache überall da Sinn, wo kleine und individuelle Stückzahlen -benötigt werden, wie in der Medizin, Luftfahrt oder im Motorsport. Egal, aus welchem Metall die so produzierten Teile sind, gemeinsam ist ihnen ihre raue Struktur. „Mittels Laser können keine polierten Oberflächen hergestellt werden“, so der Ingenieur.

Die 3-D-Technik sieht Stöcker als Ergänzung der Fertigungsverfahren. „Diese Technik ersetzt nichts, das ist ähnlich wie vor 15 Jahren mit dem Hartfräsen. Und es wird dadurch auch eher mehr Jobs geben als weniger.“

Klaus Stöcker & Team
Metallbearbeitung
Wustbacher Str. 10
42929 Wermelskirchen
Tel.: +49  2196 888110
info@stoecker-team.de
www.stoecker-team.de

 


Innovationspreis

Der Innovationspreis wird alljährlich vom Förderverein MannesmannHaus verliehen. Er soll an die beiden Erfinder und Industriepioniere Reinhard und Max Mannesmann sowie an den Mannesmann-Konzern erinnern. Ziel der Auszeichnung ist die Förderung des Innovationsklimas. Klaus Stöcker & Team Metallbearbeitung ist für die Investition in die 3-D-Drucktechnologie ausgezeichnet worden, um damit die Erprobung dieser Technologie in der Teilefertigung und diese neue Art der Metallverarbeitung anderen, regionalen Unternehmen anzubieten.