Den Herausforderungen der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege aktiv begegnen

Die Unterschiede sind deutlich: Über unseren Nachwuchs sprechen wir gerne, auch am Arbeitsplatz. Dass Kollegen pflegebedürftige Angehörige betreuen, ist oftmals nicht bekannt, weil sie es nicht preisgeben. Wer seine Kinder versorgt, erntet in der Regel Anerkennung. Wer die Eltern pflegt, eher Mitleid. Väter oder Mütter, die ihre Kinder betreuen, beziehen Elterngeld vom Staat. Pflegende Angehörige haben inzwischen Anspruch auf eine Freistellung von bis zu sechs Monaten durch die Pflegezeit und können bis zu zwei Jahre durch die Familienpflegezeit ihre Arbeitszeit reduzieren. Für die Inanspruchnahme gewährt der Staat ein zinsloses Darlehen, das zurückgezahlt werden muss. Die wenigsten können sich eine solche Auszeit finanziell leisten. Dementsprechend gering ist die Nutzung dieser Möglichkeit. Zudem gilt der Anspruch auf Familienpflegezeit nur bei Arbeitgebern ab 25 Beschäftigten.

„In einer Pflegesituation ist gerade die Anfangsphase belastend.“
Michael Gill, Pütz-Roth Bestattungen

Pflege ist immer noch ein Tabuthema. Die gesetzlichen Regelungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege hinken hinterher. Nur wenige Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern spezifische Angebote in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Pflege an. Meist sind es größere Unternehmen, die hier bereits aktiv sind. Die Konsequenzen sehen oftmals so aus: Manche Beschäftigte reduzieren ihre Arbeitszeit in einer Pflegesituation, andere versuchen, es irgendwie zu schaffen, bis sie nicht mehr können. Wieder andere lassen sich krankschreiben. Ein Teil steigt ganz aus. Ein Verlust an Know-how und Kompetenz für die Unternehmen sind die Folge. 

Mit dem Projekt „Betriebliche Pflegelotsen“ will die Fachkräfteinitiative „Kluge Köpfe bewegen“ den Unternehmen und Beschäftigten im Rheinisch-Bergischen Kreis in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Pflege einen Weg aufzeigen, wie Mitarbeiter ganz konkret unterstützt werden können. 

Betriebliche Pflegelotsen sind die ersten Ansprechpartner im Unternehmen, wenn Beschäftigte eine Pflegesituation in der Familie bewältigen müssen. Sie bieten in ihrer Funktion Orientierungshilfen, informieren über innerbetriebliche Möglichkeiten zur besseren Vereinbarkeit sowie über das externe Hilfenetz. Durch die Implementierung eines Pflegelotsen holen sich Unternehmen fachliche Kompetenz ins eigene Haus. In einer Pflegesituation ist gerade die Anfangsphase belastend, wenn man auf sich gestellt ist und sich im Dickicht des Pflegesystems zurechtfinden muss. Hier unterstützt der Pflegelotse schnell und auch unkompliziert. „Dabei ist es wichtig, dass der Pflegelotse eine Vertrauensbasis zu den Kollegen herstellen, sachlich gut informieren und Lösungswege aufzeigen kann“, rät Michael Gill von Pütz-Roth Bestattungen und Trauerbegleitung oHG, die zu den Projektteilnehmern gehört. 

Im Herbst 2017 startete das Projekt „Betriebliche Pflegelotsen“ mit einer Auftaktveranstaltung. Zehn Unternehmen und Organisationen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis haben sich entschieden, in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Pflege die Initiative zu ergreifen, und mitgemacht. In drei halbtägigen Schulungen wurden den angehenden Pflegelotsen Basiskenntnisse vermittelt, die ihnen zukünftig helfen sollen, ihre Kollegen zu unterstützen. 

Warum entscheiden sich Unternehmen dazu, mitzumachen? „Für die Federal-Mogul Burscheid GmbH stand sofort fest, beim Projekt ‚Betrieblicher Pflegelotse‘ mitzumachen, weil immer mehr Mitarbeiter von der Pflege ihrer Angehörigen betroffen sind und wir gerne unsere Mitarbeiter unterstützen möchten. Wir merken, dass unsere Mitarbeiter immer häufiger eine Pflegesituation in der Familie bewältigen müssen. Dieses mit dem Job zu vereinbaren, führt schnell zu Belastungen. Dem wollen wir möglichst entgegenwirken“, erläutert Carina Erbstößer die Beweggründe für die Federal-Mogul Burscheid GmbH. 

„Wenn Führungskräfte sensibilisiert und geschult sind, Belastungen von Mitarbeitern zu erkennen, kann ein Tabuthema angesprochen werden.“
Gerhard Weber, betrieblicher Pflegelotse der Kreisverwaltung

Damit der Pflegelotse wirkungsvoll tätig werden und das Unternehmen als Ganzes profitieren kann, ist die Implementierung der Funktion im eigenen Hause bedeutsam. In der Praxis kann das so aussehen: „Im Rahmen unserer Mitarbeiterrunde wurde der Pflegelotse und sein Angebot den Kollegen vorgestellt. Neue Mitarbeiter werden bei Aushändigung der betrieblichen Infomappe über den Pflegelotsen informiert“, erläutert Gill. Neben der Unterstützung durch die Unternehmensführung sind sensibilisierte Führungskräfte, die als Multiplikatoren für das Angebot fungieren, wichtige Erfolgsfaktoren. Ebenso wie verbindliche Regelungen und eine regelmäßige Kommunikation. Genauso wichtig ist es, sich über mögliche Stolpersteine Gedanken zu machen. Vor allem sollten beide Seiten – Unternehmen und Pflegelotse – gemeinsam klären, wie genau die Hilfestellung durch den Pflegelotsen im Unternehmen aussieht, das heißt, wo beginnt die Zuständigkeit und wo endet sie. Welche Kapazitäten zur Verfügung stehen, sollte ebenso festgelegt werden. „Pflegelotsen sind Lotsen und ersetzen nicht die kommunalen Pflegeberatungsstellen der Kommunen. Die Lotsen sollten dies immer im Hinterkopf haben und nicht die Wege für die Betroffenen gehen. Die eigenen Grenzen zu kennen und zu wahren, ist eine wichtige Kompetenz“, gibt Gerhard Weber, betrieblicher Pflegelotse der Kreisverwaltung, als Rat mit auf den Weg. 

Aber auch Vertrauen zu schaffen und Kollegen dabei zu helfen, sich zu öffnen, ist eine Herausforderung. „Viele Mitarbeiter haben eine Hemmschwelle, von sich aus auf Vorgesetzte oder den Pflegelotsen zuzugehen. Sie sehen es selbst als Schwäche an, sich einzugestehen, dass die Doppelbelastung von Beruf und Pflege sie überfordert“, hat Gill festgestellt. 

„Die Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, dass die Pflege von Angehörigen wertgeschätzt wird!“
Carina Erbstößer, Federal-Mogul Burscheid

Um ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem das Thema Pflege kein Tabu bleibt, ist der zentrale Punkt für die Führungskräfte. „Wenn Führungskräfte sensibilisiert und geschult sind, Belastungen von Mitarbeitern zu erkennen, kann ein Tabuthema angesprochen und Lösungsmöglichkeiten können entwickelt werden“, ist sich Weber sicher. 

Erbstößer pflichtet bei und ergänzt: „Unternehmen müssen durch sensible und verständnisvolle Führungskräfte, aber auch durch Aushänge von Seminaren und Hilfsangeboten zum Thema Pflege ihre Mitarbeiter unterstützen. Da auch Fachwissen für das richtige Vorgehen notwendig ist, sind betriebliche Pflegelotsen hierfür ein gutes Instrument für die Praxis. Die Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, dass die Pflege von Angehörigen wertgeschätzt wird, und das Unternehmen sollte natürlich auch ein Interesse daran haben, seine Mitarbeiter zu entlasten und zu unterstützen.“

Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wird uns weiter begleiten und ihre Bedeutung wird zunehmen. „Alle Mitarbeiter haben Eltern, die pflegebedürftig werden können. Das Thema unaufgeregt und aktiv aufzugreifen, entlastet Mitarbeiter und fördert die Arbeitszufriedenheit und Identifikation mit dem Unternehmen“, findet Weber. 

Wann packen Sie das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in Ihrem Unternehmen an? Das Projekt „Betriebliche Pflegelotsen“ wird im kommenden Jahr fortgesetzt. Die nächsten Schulungen werden von Februar bis April 2019 stattfinden. Fragen zum Projekt beantwortet Bianca Degiorgio unter Telefon 02204 9763-21. Auch Anmeldungen nimmt Frau Degiorgio entgegen. 


Projektidee Familienlotse

Nach erfolgreichem Projektstart des „Betrieblichen Pflegelotsen“ vergisst die Fachkräfteinitiative „Kluge Köpfe bewegen“ auch die Familien nicht und wird 2019 analog dazu „Betriebliche Familienlotsen“ weiterbilden. 

Sie sollen Ansprechpartner sein für alle Beschäftigten im Unternehmen, die bereits Eltern sind oder Eltern werden. Der Familienlotse gibt in seiner Funktion eine erste Orientierung über Hilfen und Unterstützungsangebote im Rheinisch-Bergischen Kreis und in der Region und vermittelt zu entsprechenden In-stitutionen und deren Angeboten. Die Beschäftigten können sich in allen Fragen und Anliegen rund um die Themen Schwangerschaft, Elternzeit und -geld, Kinderbetreuung, Wiedereinstieg, familiäre Schwierigkeiten, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und vieles mehr an den Lotsen wenden. Gleichzeitig ist der Familienlotse auch Ansprechpartner für die Führungskräfte im Unternehmen, um diese ebenfalls bei Fragen rund um die Vereinbarkeit zu unterstützen. Darüber hi-naus kann der Lotse im Bedarfsfall eine vermittelnde Funktion übernehmen.

Arbeitgeber, die ihren Beschäftigten einen Familienlotsen anbieten, signalisieren, dass sie die Bedeutung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erkannt haben und ernst nehmen, was erheblich zu ihrer Arbeitgeberattraktivität beiträgt. Bei der Veranstaltung der Fachkräfte-initiative am 12. Dezember werden Sie auch zum Familienlotsen weitere Informationen erhalten. 

Zielgruppe für die Schulungen zum Familienlotsen sind interessierte Mitarbeiter, unabhängig von ihrer Funktion im Unternehmen. Der Umfang der Schulungen wird voraussichtlich drei halbe Schulungstage in der ersten Jahreshälfte 2019 betragen. Die Teilnehmer erhalten neben vielfältigen und praxisnahen Informationen auch umfangreiches Informationsmaterial und sollen untereinander vernetzt sein. 

Die Teilnahme ist kostenfrei.
Informationen erhalten Sie bei der RBW

Telefon: +49 2204 9763-0


Die Geschichte von Hannah, Jan und Kenan 

oder wie der Rheinisch-Bergische Kreis Fachkräfte ansprechen will

Sie haben eines gemeinsam: Hannah, Jan und Kenan -arbeiten im Rheinisch-Bergischen Kreis. Entweder im -dualen Studium, kurz nach der Ausbildung oder als -Einpendler aus Köln. Sie sind fiktiv, aber es könnte sie genauso geben, wie die Verantwortlichen der Fachkräfteinitiative sie sich ausgedacht haben. Hannah, Jan und Kenan sollen in -Zukunft anderen potenziellen Fachkräften im und außerhalb des Rheinisch-Bergischen Kreises zeigen, welche guten Arbeitsbedingungen und Arbeitgeber es gibt, wie die Chancen auf Karriere, Weiterbildung und Qualifizierung aussehen und – ganz nebenbei – dass man hier auch gut leben kann.

„Wir werden dazu die Geschichten von Hannah, Jan und Kenan auf einer neuen Standortmarketing-Website sowie in den Kanälen der sozialen Medien erzählen“, berichtet Bianca Degiorgio von der RBW, Netzwerkkoordinatorin der Fachkräfte-initiative. „Sie stehen mit ihren verschiedenen Lebens- und Arbeitswelten, die wir für sie erschaffen, stellvertretend für die Fachkräfte, die die Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis brauchen.“ Und es wird noch mehr Lebenswelten von Familien, Teilzeitbeschäftigten, Arbeitsuchenden, Gründern und vielen anderen geben.  Der Fantasie sind da – genau wie der Realität – keine Grenzen gesetzt.

„Die Idee dahinter ist, dass sich die Menschen mit unseren Figuren identifizieren und so erfahren, welche beruflichen Möglichkeiten es im Rheinisch-Bergischen Kreis gibt“, erläutert Alexander Schiele, Pressesprecher der Kreisverwaltung und Mitglied der Projektgruppe Öffentlichkeitsarbeit der Fachkräfteinitiative. „Darum sollte für möglichst viele Lebensentwürfe etwas dabei sein“, ergänzt Katrin Rehse von der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land. Also gibt es die Studentin an der FHDW, die international Karriere machen möchte, den frisch ausgebildeten Metallbauer, der bald mit seiner Freundin in das eigene Haus ziehen will, oder den ITler, der die Vorzüge der Metropole Köln als Wohnort genießt, aber das Arbeiten in erholsamer Landschaft und die Anfahrt auf der staufreien Seite der Autobahn schätzt. 

Wenn über sie berichtet wird, soll es immer einen Bezug zu den Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis geben. Inte-ressierte Fachkräfte sollen so davon überzeugt werden, dass sie entweder gar nicht erst auspendeln müssen, um gute Jobs zu bekommen, oder dass sie aus der Region in den Kreis einpendeln können. „Natürlich werden unsere Figuren auch mal ihre Freizeit im Kreis genießen“, weiß Johanna Helbig vom ARBEITGEBER KÖLN e.V. „Im Vordergrund steht aber das Arbeiten.“ Darum plant die Projektgruppe auf der neuen Website auch einen Bereich, in dem sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber präsentieren können.

„Wir wollen Pakete schnüren, die verschiedene Varianten der Präsentation von Unternehmen ermöglichen“, kündigt Bianca Degiorgio an. Das kann bei einem Link beginnen und muss mit einer ausführlichen Firmendarstellung nicht enden. „Vielleicht können die Unternehmen sogar eigene Geschichten ihrer Mitarbeiter beisteuern. Sie sind immer noch die glaubwürdigsten Geschichtenerzähler“, so Degiorgio. Inte-ressierte Unternehmen können sich mit Anfragen und Ideen jederzeit an die RBW wenden. Wenn die Angebotspakete geschnürt sind, werden sie den Betrieben präsentiert.

Mit der Idee, Geschichten zu erzählen, also der emotionalen Ansprache der Zielgruppe Fachkräfte, folgt die Initiative einem allgemeinen Trend im Marketing. „Storytelling“ heißt das Zauberwort und viele Standorte haben damit gute Erfahrungen gemacht. 

Denn Mitarbeiter interessieren sich heute nicht mehr vorrangig für ihr Gehalt. Themen wie Arbeitsklima, Arbeitszeitregelungen, Weiterbildung und Beteiligung, Gesundheit am Arbeitsplatz, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit stehen vielmehr im Vordergrund. „Und genau diese Themen können wir mit echten Geschichten aus den Unternehmen viel besser platzieren als mit Fakten und Versprechungen“, sind sich die Beteiligten einig.


Ausbildung? Geht auch in Teilzeit!

Unternehmen werden als familienfreundlich und attraktiv wahrgenommen

Die Teilzeitausbildung ist ein Ausbildungsmodell speziell für junge Eltern, Personen, die einen Angehörigen pflegen und entsprechend keine Zeit für eine klassische Vollzeitausbildung haben, oder für Menschen, die gesundheitlich eingeschränkt sind und daher keine Ausbildung in Vollzeit absolvieren können.

Bei einer Ausbildung in Teilzeit wird die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit im Betrieb reduziert. Das heißt, Auszubildende und Betriebe einigen sich auf eine wöchentliche Ausbildungszeit zwischen 20 und 35 Stunden. Der Berufsschul-unterricht und überbetriebliche Lehrgänge erfolgen weiterhin in Vollzeit. Die Ausbildung in Teilzeit führt nicht zwingend zu einer längeren Ausbildungsdauer. Nur bei einer Reduzierung der wöchentlichen Ausbildungszeit auf weniger als 25 Stunden kann es in einigen Fällen zu einer Verlängerung der Ausbildungszeit kommen – in der Regel um ein halbes oder ganzes Jahr. Dies ist vom Einzelfall abhängig. 

Eine Teilzeitberufsausbildung ist grundsätzlich in allen anerkannten Berufen des dualen Ausbildungssystems möglich. Für Unternehmen steigt so die Auswahl an poten-ziellen Bewerbern. Ausbildungsabbrüche werden vermieden, wenn zum Beispiel nach der Geburt eines Kindes oder einem familiären Pflegefall die Ausbildung in Teilzeit fortgesetzt werden kann. 

„Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber beschreiben uns gegenüber die Bewerberinnen und Bewerber um eine Teilzeit-berufsausbildung als gestandene Per–
sönlich-keiten“, berichtet Monika Lichy, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) beim Jobcenter Rhein-Berg. „Sie zeichnen sich durch hohe Sozial- und Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Belastbarkeit aus. Ihre Anstrengungen, Familie und Beruf zu vereinbaren, zeigen sich häufig durch höhere geistige Reife, Motivation und Lebenserfahrung. Auch ihr Durchhalte-willen ist in der Regel stark ausgeprägt.“

Marita Franssen, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, ergänzt: „In Teilzeit ausbildende Unternehmen gelten wegen ihrer sozialen Einstellung als familienfreundlich und attraktiv. Das Angebot, eine Ausbildung auch in Teilzeitform zu absolvieren, vergrößert die Chancen, dringend gesuchte Fachkräfte für die Zukunft zu finden und an das Unternehmen zu binden.“

Wenn Sie Interesse haben, die Teilzeitausbildung anzubieten, können Sie sich für weitere Informationen an die Beauftragten für Chancengleichheit (BCA) wenden:

Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach,
Marita Franssen (BCA):
BergischGladbach.BCA@arbeitsagentur.de

Jobcenter Rhein-Berg,
Monika Lichy (BCA):
Rhein-Berg.BCA@jobcenter-ge.de


Es braucht starke Partner – ein Praxisbericht zur Teilzeitausbildung

Nicht immer verläuft das Leben gradlinig. Manchmal geht es Umwege und dann braucht man starke Partner. Das hat auch Anastasia Steinbrecher erfahren, die auf Anregung des Jobcenters Rhein-Berg bei der Wirtschaftsakademie Küster GmbH in Bergisch Gladbach an dem Programm „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ TEP teilgenommen hat. Sie ist 24 Jahre alt und hat einen 5-jährigen Sohn. Seit Juni besucht dieser eine Kindertagesstätte und so konnte die junge Mutter am Projekt teilnehmen. Zu Beginn interessierte sie sich für die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Da sie jedoch über keinen Schulabschluss verfügt, widmete sich Anastasia Steinbrecher zunächst der Findung ihrer persönlichen Eigenschaften: Unterstützt wurde sie dabei von Lisa Metzner, der Projekt-koordinatorin an der Wirtschaftsakademie Küster. Es folgte die Recherche geeigneter Ausbildungsberufe und die Wahl fiel auf die Berufsausbildung zur Hauswirtschafterin. Gemeinsam verfasste man Bewerbungsunterlagen. Nach zehn Bewerbungen erhielt Anastasia Steinbrecher eine Einladung von einem ortsansässigen Seniorenzentrum zum Vorstellungsgespräch und erhielt die Chance, sich auch in der praktischen Arbeit zu beweisen. Diese Gelegenheit nahm sie wahr und überzeugte durch ihre Motivation und Leistungsbereitschaft. Frau Steinbrecher begann also zum 1. August 2018 ihre Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Rückblickend kann Anastasia Steinbrecher eine Teilnahme am Projekt TEP allen Ausbildungsplatzsuchenden mit Familienverantwortung empfehlen. „Es ist schön, jemanden an meiner Seite zu haben, der sich mit dem Thema Ausbildung und allem, was dazugehört, auskennt und mich auf dem Weg in meine Ausbildung begleitet.“ Lisa Metzner resümiert, ein Betriebspraktikum sei eine wertvolle Chance, den zukünftigen Ausbilder von den eigenen Stärken, dem Organisationstalent sowie der Motivation zu überzeugen und den sogenannten „Klebeeffekt“ für sich zu nutzen. Zudem wünscht sie sich, dass noch mehr Ausbilder das Potenzial von jungen Menschen mit Familienverantwortung erkennen und von dem Modell der Teilzeitberufsausbildung profitieren.

Bereits seit 2011 fördert das Land NRW mit dem Programm „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Per-spektiven öffnen“ (TEP) vor allem junge Menschen mit Familien-verantwortung bei der Berufsausbildung. Finanziert wird das Programm mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Gefördert wird die Unterstützung durch einen Bildungsträger bei der Suche nach einem geeigneten Beruf und anschließend passenden Ausbildungsplatz in Teilzeit.


Berufliche Weiterentwicklung

Wohin geht die eigene berufliche Reise?

Diese Frage stellen sich Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die sich beruflich weiterentwickeln wollen, nach Familienzeiten wieder in den Beruf einsteigen oder über eine eigene Existenzgründung nachdenken. Das Land NRW hat dazu ein Förderprogramm aufgelegt, das bei der RBW abgerufen werden kann.

Das Förderprogramm des Landes NRW „Beratung zur beruflichen Entwicklung“ (BBE) bietet Beschäftigten und Berufsrückkehrenden in NRW die Möglichkeit, sich kostenfrei beraten zu lassen. 

Ziel der Beratung ist es, die Entscheidungskompetenz der Ratsuchenden im Hinblick auf ihre berufliche Entwicklung zu stärken, ihre berufliche Handlungskompetenz zu fördern, eine Bilanzierung der persönlichen Kompetenzen vorzunehmen sowie kurz- und langfristige Ziele für die berufliche Entwicklung zu finden.

Mit qualifizierten Beraterinnen und Beratern, die vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW akkreditiert sind, können Ratsuchende ihre berufliche Situation besprechen und gemeinsam Zielvorstellungen, Veränderungsmöglichkeiten und Umsetzungsschritte erarbeiten. Die Beratung ist kostenfrei und kann bis zu neun Stunden umfassen. Sie findet statt in den Räumlichkeiten der RBW im TechnologiePark Bergisch Gladbach, telefonische Terminvereinbarung unter +49 2204 9763-0.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetplattform der Weiterbildungsberatung NRW:
www.weiterbildungsberatung.nrw/beratung/beratung-zur-beruflichen-entwicklung