Die ersten beiden Termine sind aus Sicht der beteiligten Unternehmen positiv verlaufen

An den ersten beiden Berufsfeld-erkundungstagen haben sich am 28. Januar und am 23. April mehr als 2.700 Jugendliche aus 27 Schulen im ganzen Kreis auf den Weg gemacht, um in die Arbeitswelt hineinzuschnuppern. „Wir möchten damit dazu beitragen, dass es weniger Ausbildungs- und Studienabbrüche gibt“, sagt Kreisdirektor Dr. Erik Werdel. „Außerdem lernen die Unternehmen frühzeitig Nachwuchs kennen.“ Die 13- und 14-Jährigen unterziehen sich an insgesamt drei Berufs-felderkundungstagen – ein weiterer Termin folgt am 22. Juni – einem „Realitätscheck“. Sie finden dabei heraus, ob ihre Erwartungen an die gewählten Berufe auch der Wirklichkeit entsprechen. Dadurch sollen sie in die Lage versetzt werden, eine qualifizierte Entscheidung über ihren weiteren Ausbildungsweg zu treffen.

Unterschiedliche Schwerpunkte

Damit die Jugendlichen einen möglichst breiten Eindruck gewinnen, „gibt es drei verschiedene Säulen mit bekannten, weniger bekannten und unbekannten Berufen. Aus jedem Bereich muss eine Berufsfeld-erkundung gebucht werden“, erklärt Xandra Wildung, Leiterin des Koordinierungsbüros Übergang Schule – Beruf beim Rheinisch-Bergischen Kreis. „Das ist eine echte Horizonterweiterung für die Jugendlichen, denn viele Berufe kennen sie gar nicht und sie haben in diesem Alter auch häufig noch keine Vorstellung, in welche Richtung es gehen soll“, sagt Klaus Meyer-Stoll, Studien- und Berufskoordinator am Gymnasium in Leichlingen „Deshalb wollen sie Sachen kennenlernen.“ Und das hat dann noch einen weiteren Vorteil, denn in den unbekannten, aber oftmals dennoch spannenden Berufen ist die Konkurrenz um einen Ausbildungsplatz häufig viel geringer. „Ein Tag im Betrieb bringt mehr als stundenlange Theorie“, macht Michael Odinius vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Bergisch Gladbach deutlich. „Die Praxis ist durch nichts zu ersetzen.“

Bei Bornemann Signiertechnik in Wermelskirchen schnupperten bereits am ersten Termin gleich sechs Schüler. Adem Kücükhüseyn von der Hauptschule Wermelskirchen schaute in den Beruf des Zerspanungsmechanikers hinein. Interesse weckte der Beruf bei ihm, weil er Mathematik-Kenntnisse voraussetzt und der Schüler in diesem Bereich eine seiner Stärken erkannt hat. Als Industriegraveur versuchte sich Oliver Hanke. „Ich war neugierig auf das Berufsfeld und fand es interessant“, erklärte der Leichlinger Gymnasiast seine Wahl. Vielleicht kommen die beiden ja für ein zweiwöchiges Praktikum im kommenden Schuljahr zurück. Das wäre dann auch im Sinne der Unternehmen. Besonders, da die Zahl der Schulabsolventen immer weiter sinkt. „Wir wollen den Jugendlichen die Chance zum Schnuppern geben“, sagt Marcus Wisniewski von Bornemann Signiertechnik. „Aber natürlich hoffen wir auch, dadurch Nachwuchs kennenzulernen und für uns zu begeistern.“

Verknüpfung von Theorie und Praxis

Das wünscht sich auch Monika Gieraths–Heller, Geschäftsführerin vom Ber-gisch Gladbacher Autohaus Gieraths, das am ersten Schnuppertag neun Jugendliche an seinen zwei Standorten aufnahm. „Die Verknüpfung von Theorie und Praxis in einer Ausbildung sorgt aus meiner Sicht dafür, dass man später auch zielstrebiger durch ein Studium geht“, machte die Geschäftsführerin Werbung, nach dem Abi-tur vielleicht zunächst eine Ausbildung zu absolvieren. Vielleicht ist auch Yvonne Huppertz vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium nach ihrem Abitur nicht abgeneigt, diesen Weg einzuschlagen. „Ich wollte einfach herausfinden, wie es in einem Auto-haus läuft“, begründete sie ihre Wahl.

Einen guten Eindruck vom Arbeitsalltag eines Groß- und Außenhandelskaufmanns haben drei Schüler an den Bensberger Standorten der beiden Handelsfirmen Schmidt-Rudersdorf und Kipp & Grünhoff bekommen. So ließen erfahrene Mitarbeiter beider Firmen im Verkaufsgespräch, bei der Materialkommissionierung oder beim Erfassen von Aufträgen die Schüler im wahrsten Sinne des Wortes den Beruf erkunden. Personalleiter Alexander Phlippen zeigte sich zufrieden mit der Teilnahme an der Berufsfelderkundung: „Der Handel mit Fliesen und Baustoffen ist ein Geschäft von Mensch zu Mensch. Da ist es für uns von größter Bedeutung, die richtigen Mitarbeiter zu finden und langfristig an uns zu binden. Das beginnt schon mit der Auswahl der Auszubildenden. Durch die Berufsfelderkundung konnten wir nun Interessenten schon vor der eigentlichen Entscheidung für den eigenen Werdegang einen aufschlussreichen Einblick in das Berufsleben geben.“

Die ganze Region macht mit

Die Berufsfelderkundungstage zeigen, dass die ganze Region an einem Strang zieht, um die Mammutaufgabe zu stemmen und genügend Tagespraktika anzubieten. Der Rheinisch-Bergische Kreis, die Industrie- und Handelskammer zu Köln, die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, die Handwerkskammer, die Agentur für Arbeit, die Arbeitgeber Köln, die Bezirksregierung, das Jobcenter Rhein-Berg, die RBW, natürlich die Schulen und viele mehr engagieren sich, damit alle Schüler der 8. Jahrgangsstufen in den kommenden Jahren in die Arbeitswelt hineinschnuppern können. Eine ganz besondere Bedeutung kommt den Unternehmen zu. Schließlich sind sie es, die die Berufsfelderkundungsplätze zur Verfügung stellen.