Das Unternehmen in Overath repariert und wartet Uhren – fürs Handgelenk und Kirchtürme

Uhren, wohin das Auge auch blickt. Direkt am Eingang des ehemaligen Supermarktes in Overath-Vilkerath steht ein mannshohes Exemplar mit imposantem Uhrwerk. Es zeigte früher an einem Turm die Zeit an. An den Wänden hängen zahlreiche Wanduhren. Pendel schlagen hin und her. Es lohnt sich, das Geschäft zur vollen Stunde aufzusuchen. Dann kommen zu dem Grundgeräusch, dem vielfältigen Ticken, noch die zahlreichen Gongschläge dazu. „Nur nicht hier“, sagt Heinz Boxberg und zeigt auf die Glocke der Turmuhr. „Wir haben den Schlagmechanismus außer Gang gesetzt, das wäre einfach zu laut.“ Doch obwohl die teilweise sehr eindrucksvollen Ausstellungsstücke zum Verkauf stehen, haben sie mit der Uhrmachermeisterwerkstatt nur indirekt etwas zu tun. „Wir nehmen Uhren von Kunden in Kommission“, erklärt Timo Boxberg. „Unser eigentliches Geschäft ist die Reparatur und Wartung von Uhren aller Art.“

Uhrmachermeister Timo Boxberg trägt auch schon mal mehrere Uhren  am Handgelenk: Als Dauertest nach einer Reparatur. Foto: Landschoof

Uhrmachermeister Timo Boxberg trägt auch schon mal mehrere Uhren am Handgelenk: Als Dauertest nach einer Reparatur. Foto: Landschoof

Vor vier Jahren zog das Unternehmen von Engelskirchen nach Overath. „Wir brauchten mehr Platz“, begründet Timo Boxberg die Entscheidung. Den gibt es in dem ehemaligen 365 Quadratmeter großen Lebensmittelmarkt reichlich. Zunächst vermietete er den vorderen Teil an einen Obsthändler. „Wir brauchen kein Ladenlokal und wollten den örtlichen Einzelhandel fördern“, so der Uhrmacher. Doch das Geschäft wurde nicht angenommen. Dort, wo früher Lebensmittel auslagen, befindet sich jetzt das Büro.

Der Uhrmachermeisterbetrieb floriert dagegen. 15 Mitarbeiter sind hier angestellt, davon neun Uhrmacher. Ihre Arbeitsplätze befinden sich in den hinteren Räumen. Bei den Aufträgen handelt es sich zu 90 Prozent um Armbanduhren, meist wird mit Pinzette und Lupe gearbeitet. Und mit moderner Technik. „Mit diesem Gerät kann ich prüfen, ob ich eine Armbanduhr nur säubern muss oder ob eine Generalüberholung ansteht“, erklärt der Fachmann und legt eine Uhr in eine dafür vorgesehene Halterung. Auf einem Bildschirm erscheint eine gezackte, ungleichmäßige Linie. „Daran kann ich sehen, dass diese Uhr schon sehr aus dem Takt gekommen ist und komplett überholt werden muss.“

62-Wirtschaftsmagazin-punktRBW_P2130166Noch immer kommen viele Aufträge von Juweliergeschäften. „Doch inzwischen werden wir auch übers Internet gefunden. Wir bekommen die Uhren dann direkt von den Kunden“, sagt Boxberg. Es sind vor allem hochpreisige Chronometer und Erinnerungsstücke, die nach Overath geschickt werden. Boxberg hat sich im Laufe der Zeit für viele Nobelmarken zertifizieren lassen. Im Regal liegen aber auch Kamin-, Schrank- und Standuhren, die repariert oder überholt werden sollen. Wobei es mit den Standuhren etwas heikel ist. „Die richtige Einstellung ist abhängig von der Pendellänge und der Erdanziehung“, erklärt der Uhrmacher. „Eine Uhr, die in Kiel richtig tickt, würde bei gleicher Einstellung in München falsch laufen.“ Und für manche Uhren klettert Boxberg auch schon mal in schwindelige Höhen. „Wie letztens, als wir eine Turm-uhr im Bergischen repariert haben.“

62-Wirtschaftsmagazin-punktRBW_P2130181Die Auftragslage ist gut und Boxberg sucht Verstärkung für sein Unternehmen. Auch, weil sein Werkstattleiter sich kürzlich beide Arme brach. Doch die Resonanz auf die Stellenausschreibung war gleich null. Der Fachkräftemangel hat für Boxberg mehrere Gründe. „Die Juweliere haben die Uhrenreparatur lange Zeit als kostenlosen Service angeboten und so das Handwerk als Subvention für den Verkauf genutzt“, so der Uhrmacher. Das Handwerk habe dadurch seinen Wert und die Wertschätzung verloren. „Zudem verknappen die Hersteller die Ersatzteile, sodass viele Uhrmacher keine Reparatur durchführen können“, sagt er. Es sei denn, die Uhrmacher würden sich extra zertifizieren lassen. „Aber das kostet. Zudem ist das nur für Meister möglich.“

Damit langsam ein Umdenken stattfindet, engagieren sich Vater und Sohn bei Innung und Handwerksjunioren. Mit Erfolg: „Uhrmacher können sich jetzt zertifizieren und erhalten damit Zugang zu vielen Ersatzteilen hochrangiger Hersteller“, erklärt Timo Boxberg. „An dieser Zertifizierung hat auch mein Vater als ehrenamtlicher Obermeister mitgearbeitet.“ Um künftig wieder ausreichend Mitarbeiter zu haben, überlegen die Boxbergs, die lange Zeit als einziges Unternehmen im Handwerkskammerbezirk Köln Uhrmacher ausgebildet haben, künftig jeden Ausbildungsjahrgang doppelt zu besetzen. „Und natürlich bieten wir Praktika an“, sagt Timo Boxberg.

 

Uhrmacherei Boxberg

Der 35-jährige Timo Boxberg ist von Jugend an den Umgang mit Uhren gewöhnt. Sein Vater Heinz Boxberg ist Uhrmachermeister und begann vor über 20 Jahren im Keller des elterlichen Hauses Uhren zu reparieren, nachdem er 1969 die Gesellen- und 1982 die Meisterprüfung im Uhrmacherhandwerk abgelegt und anschließend bei der Firma Montana Erfahrungen gesammelt hatte.

Timo Boxberg machte zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann. 2003 stieg er in den väterlichen Betrieb mit ein, übernahm die kaufmännische Leitung. Doch schnell merkte er, dass die Lehre nicht ausreichte. Parallel zur Arbeit absolvierte er nacheinander eine Uhrmacherlehre, ein Studium der Betriebswirtschaft und schließlich die Meisterausbildung. „Ich wollte ein fundiertes Hintergrund- und Fachwissen, um den Laden hier weiterzuführen“, sagt er. Neben den Aufgaben in der Uhrmacherei engagiert sich Timo Boxberg bei den Handwerksjunioren der Handwerkskammer zu Köln, bei denen er ehrenamtlich im Vorstand arbeitet.

Timo Boxberg
Kölner Straße 64
51491 Overath-Vilkerath
Telefon: +49 2206.8647044
service@uhrmacherei-boxberg.de
www.uhrmacherei-boxberg.de