Seit einem Jahr Mieter im RBTZ

Wenn’s an der Supermarktkasse piept, ist die Ware gescannt. In vielen kleinen Geschäften ist es aber noch üblich, den Preis per Hand in die Registrierkasse einzutippen. Doch damit ist bald Schluss. Ab 2017 müssen sämtliche Bargeldumsätze elektronisch erfasst und gespeichert werden. Ihsani Sahbaz entwickelte eine Software, die für kleinere Läden interessant ist, aber auch in nahezu allen Branchen eingesetzt werden kann. 2013 gründete er die ISS Softwareentwicklung. Seit Oktober 2014 hat das Unternehmen seinen Sitz im Rheinisch-Bergischen TechnologieZentrum (RBTZ).

„Ich habe diese Marktnische bei meinen Landsleuten entdeckt und die Chance gesehen, ein eigenständiges System zu entwickeln“, erinnert sich der 40-Jährige. Der studierte Betriebswirt lehrte in der Türkei und kam nach Deutschland, um zu promovieren. Nebenbei arbeitete er im Außendienst für einen türkischen Lebensmittelhandel. Hierbei fiel ihm auf, dass es nicht nur an Technik, sondern oft auch an funktionierenden betriebswirtschaftlichen Prozessen fehlte. Zusätzlicher Anreiz zu seiner Geschäftsidee war die Anweisung des Bundesamtes für Finanzen (BfF). Demnach müssen sämtliche Betriebe mit Bargeldumsätzen, vom Kiosk- bis zur Aktiengesellschaft, neben der barcodebasierten digitalen Erfassung und zehnjähriger Aufbewahrungspflicht auch eine Softwareschnittstelle fürs Finanzamt zu ihrem Kassensystem einrichten. Hierfür werden inzwischen von verschiedenen Unternehmen Softwarelösungen angeboten. „Aber viele bieten Kompaktsysteme mit vorgegebenen Moduleinheiten“, so der Firmengründer. Mit seiner Software können die Kunden dagegen fast alles auf ihre Bedürfnisse selber individuell einstellen. „Das ist wie in einem CMS – einem Content-Management-System“, so der Betriebswirt.

Ihsani Sahbaz bietet eine Software an, mit der Kassenumsätze ans Finanzamt gemeldet werden. Foto: Landschoof

Ihsani Sahbaz bietet eine Software an, mit der Kassenumsätze ans Finanzamt gemeldet werden.
Foto: Landschoof

Zwei Jahre benötigte Sahbaz für die Programmierung. Anschließend stellte er seine Lösung einigen Landsleuten vor. „Inzwischen habe ich 60 Kunden in ganz Deutschland. Auch im benachbarten Holland, Belgien und Frankreich läuft meine Software“, erzählt er. „Ohne Werbung, nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda.“ Seine Kunden sind sowohl kleinere Einzelhandelsgeschäfte mit ein oder zwei Kassen als auch mittelständische Unternehmen mit mehreren Filialen. Vor Kurzem erhielt er vom Eichamt die Zulassung für seine Softwarelösung bei Kassen mit integrierter Waage. „Wir haben jetzt alles, jetzt können wir durchstarten“, erklärt er.

Bisher hat sich Sahbaz um alles selber gekümmert: Programmierung, Kundenkontakt, Installation vor Ort. „Ich habe viel Zeit und Kraft in die Entwicklung investiert, jetzt steht die Firma vor einer Umbruchphase“, sagt der Firmengründer. In den kommenden Wochen werden die ersten Mitarbeiter eingestellt, zudem sollen Standorte in Frankfurt, England und Marokko eröffnet werden.

„2016 wird noch chaotisch werden“, ist Sahbaz überzeugt. „Viele haben noch keine Vorstellung von der Anweisung des BfF und den Konsequenzen, die sich daraus ergeben.“ In türkischen Magazinen und im türkischen TV-Kanal will er auf die Pro-blematik hinweisen. „Und ich überlege, ob ich nicht speziell für unsere türkischstämmigen Kunden dem türkischen Konsulat anbieten soll, dort eine Infoveranstaltung abzuhalten.“

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